Aufsatz 
Festrede bei der Feier der 100. Wiederkehr des Todestages Friedrich Schillers
Entstehung
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der Selbstbestimmung. Und wenn dann später der nämliche Herzog seinem tiefinnersten Drange, Dichter zu werden und zu sein, eigensinnig und gewalttätig entgegentritt, da zieht der also Beeinträchtigte die äußerste Folgerung und Hflieht.

Die Familie, aus der Friedrich Schiller, geboren am 10. November 1759, entstammt, gründete sich auf die Verbindung eines wenn auch subalternen Gefolgsmannes des Herzogs von Württemberg mit einer Bürgerstochter des schwäbischen Städtchens Marbach. Der Vater Johann Kaspar Schiller war eine strenge, an gesteckten Aufgaben zähe festhaltende Person, aber auch ein tiefer sittlicher und religiöser Ernst kenn- zeichnete ihn. Dabei war sein Sinn auf das Gemeinnützige gerichtet und hochangesehen war er wegen seiner Kenntnisse und Erfolge auf dem Gebiete der Landwirtschaft, vornehmlich der Obstbaumzucht.

Die Mutter Elisabeth Dorothea Kodweiß zierte häuslicher Sinn, herzliche Güte und wahre Frömmigkeit. Noch ein Bild der Sechzigjährigen zeigt trotz mancher erlebten Kümmernisse ein seelenvolles Mutterantlitz, das besonders verklärt wurde, wenn Nach- richten von den Erfolgen und dem steigenden Ruhme ihres einzigen Sohnes Fritz ein- trafen. Züge beider finden wir in dem Sohne vereinigt; der starke, unbeugsame Wille, das zühe Festhalten an hohen Zielen weist auf die geistige Verwandtschaft mit dem Vater hin; das milde Wesen, die Freude am Wohltun verdankt er seiner Mutter.

Wir wollen aber auch nicht vergessen, daß er durch den Vater, dem fürstlich- höfischen, auch dem Soldatenwesen näher tritt, und in manchen Dichtungen spiegelt. sich wieder die Erinnerung an das, was ihn von frühester Jugend bis zu seinem 23. Lebensjahre umgab. Die Mutter wieder verbindet ihn mit dem bürgerlichen Elemente, also mit jener Gesellschaftsschichte, die er in so manchen Dichtungen als den Träger des wahren Fortschrittes gefeiert hat.

Die Kinder- und Knabenjahre des Dichters gingen in raschem Fluge dahin. In Marbach, Lorch und auch in Ludwigsburg, wo er die Lateinschule besuchte, befand sich der Knabe im elterlichen Hause und, wenn auch bei dem keineswegs großen Einkommen des Vaters oft Schmalhans Küchenmeister war, so machte ja die Liebe und Fürsorge der Eltern alles vergessen. Der Erfolg, den Schiller auf der Lateinschule errang, war kein unbedeutender und er galt allgemein als ein puer bonae spei.

Als aber dann das Studium in dieser Schule zu Ende ging und nach dem Wunsche des Studenten Schiller, der sich ganz mit dem des Vaters deckte, der Eintritt in das Tübinger Stift zum Studium der Theologie bevorstand, da griff der Herzog in das Geschick unseres jungen Helden ein und dieser mußte in die Karlsschule eintreten und vorerst das Studium der Rechte ergreifen. Auch diese Jahre gingen vorüber; in etwas wurde der Zwang, der ihm bei dem Eintritt in diese Anstalt angetan worden war, von Schiller leichter empfunden, als er 14775 vom Studium der Rechte zu dem der Medizin übertreten konnte. Aber immerhin hatten seine Lebenskämpfe mit dem Tage begonnen, an dem er der Freiheit im elterlichen Hause und der Freiheit eigener Berufswahl ent- rissen wurde.

Und auch als er die Karls-Akademie verlassen hatte, auf der er nie die goldene Freiheit akademischer Jahre genossen, fühlte er weiter den Druck der Verhältnisse; mit geringer Besoldung als Regiments-Medikus in dem wenigst angesehenen Regiment, untergebracht, ohne Hoffnung auf Zivilpraxis, verdüsterten sich die Lebensaussichten unseres Dichters und das um so mehr, als er, der in Mannheim der Erstaufführung seines noch auf der Karlsschule vollendeten TPrauerspieles ‚Die Räuber beigewohnt hatte, vom Herzog mit Arrest bedacht wurde und dann schließlich die strengste Weisung erhielt, fürderhin nur medizinische Schriften zu veröffentlichen.

An Schiller trat die Entscheidung heran: Bevormundung und Launenhaftigkeit auf der einen Seite, Freiheit und Dichterruhm auf der andern; es gab keine lange Wahl. Der Schwabe schüttelte die engere Heimat von sich ab und floh am 22. Sep- tember 1782 nach Mannheim. Die ersten Jahre nach dieser Flucht sind ebenfalls niht trostreich gewesen. Die Sorge war die Begleiterin des Dichters. Und die Schriftstellerei wurde ihm Mittel des Erwerbes zur Bestreitung des Notwendigsten und zur Ver- hinderung, daß die Schulden sich nicht zu sehr erhöhten.

Da griff das Schicksal ein, damit seine Geistesflügel nicht erlahmten. Das Wort Iphigeniens, daß ‚die Himmlischen dem Erdgebornen, dem sie schwere Verwirrungen zudenken, auch einen ruhigen Freund erziehen, trifft auf Schiller in ganz besonderem Maße zu.

Als in Mannheim für ihn alles wankte, da reichten ihm aus Leipzig edle Menschen, die durch seine Dichtungen für ihn begeistert waren, die rettende Hand. Es waren dies Gottfried Körner und seine Freunde. Schiller hat noch zweimal im Leben das Erhebende treuer Freundeshilfe erfahren; als Lter in Jena der Dichter, nach schwerer Krankheit sich langsam erholend, in drückendster Geldbedrängnis war, da kam weit