Aufsatz 
Über Mithrasdienst und Mithreen / von Georg Wolff
Einzelbild herunterladen

16

größere künstliche Nachhilfe den Bedürfnissen des Kultus dienstbar gemacht sind, 2. unter- irdische Gelasse in Privathäusern, bei welchen dasselbe der Fall ist, 3. selbständige Heilig- tümer in ebenem Terrain, bei welchen wir, da ihre Erbauer durch architektonische oder natürliche Anlagen weder unterstützt noch gehindert waren, die für die religiösen Bedürfnisse erforderlichen Einrichtungen am sichersten in typischer Form zu finden erwarten dürfen.

Zu der ersten Gruppe gehörten die beiden an den Abhängen des Kapitols nachgewiesenen Mithreen, besonders die Fundstätte des berühmten Louvre-Reliefs unter der Kirche Araceli. Neuerdings rechnet man zu ihnen auch die Grotta di Mitromania auf Capri, welche das Volk als Grotta del Matrimonio bezeichnet und für den Schauplatz der widernatürlichen Aus- schweifungen des Tiberius hält. Sie liegt auf einer kleinen Felsplatte, dicht über dem Meeresufer, zwischen den jäh aufragenden Klippen der Punta di Tragara und der Höhe, welche die Trümmer des Tiberiuspalastes trägt. In ihrem Eingange sieht mau noch die Reste zweier Parallelmauern, die in Verbindung mit dem halbkreisförmigen Abschluß der Grotte und einem kleinen seitlichen Anbau einen Grundriß zeigen, in dem man ohne Zwang die typischen Teile eines Speläums erkennen kann. Die Uberlieferung, daß in dieser Grotte eins der mithrischen Marmorreliefs des Museo nazionale von Neapel aufgestellt war, scheint daher wohl glaublich.

Auch für die in den Kellern und Privathäusern eingerichteten Mithreen hat Italien die typischen und am besten erhaltenen Beispiele geboten. Eins derselben, das im Souterrain eines altrömischen Wohnhauses lag, dessen Trümmer von einer frühchristlichen Basilika bedeckt sind, über welcher sich heute die ebenfalls bereits sehr alte Kirche San Clemente(in Rom) erhebt, bot dem Verfasser schon nach Rossis Bericht, obgleich ihm damals noch keine Pläne zur Verfügung standen und er sich noch weniger auf Autopsie stützen konnte, Beweise für die Richtigkeit seiner Ansicht und gegen Viscontis Hypothese. Sie wurden später(1885) erheblich verstärkt durch die Auffindung eines ebenfalls als Annex eines Privathauses in Ostia wohl erhaltenen und konservierten Speläums. Es ist heute, nachdem die untersten Teile der Basilika von San Clemente durch Eindringen des Grundwassers unzugänglich geworden sind, das weitaus wichtigste dieser Gattung von Mithreen. Bei ihnen allen ist, soweit der Grad ihrer Erhaltung ein Urteil gestattet, durch Einbauten und andere Mittel der Eindruck von Grotten hervorgebracht, und wenn auch den vorhandenen Räumlichkeiten manche Zugeständnisse gemacht werden mußten, so zeigen sie doch alle typischen Bestandteile der bei uns fast ausschließlich vorkommenden dritten Gattung, der in den Boden von oben eingeschnittenen, isoliert stehenden Speläen. Die durchschnittlich 10 12 m lange und 2 ½ m breite Cella der letzteren liegt mit ibrem Fußboden meist etwa 2 m unter der Oberfläche, so daß man dieselbe von der ebenerdigen Vorhalle(pronaos) aus auf mehreren Stufen in verschiedenen Speläen waren es sieben erreichte. Die vertiefte Lage der Cella gegenüber dem umliegenden Terrain und dem Boden des Pronaos ist mit einer Ausnahme bei allen genügend gut erhaltenen und hinreichend sorgfältig untersuchten Mithreen beobachtet worden.)

z) Die obenerwähnte Ausnahme bildet das Saalburg-Mithreum und seine Rekonstruktion durch H. Jacobi. Wegen des großen Interesses, welches demselben besonders Frankfurter Besucher der Saalburg entgegenbringen, habe ich Herrn Landbauinspektor Jacobi gebeten, mir die an anderer Stelle bereits angedeuteten Gründe, welche ihn zur Annahme der singulären Erscheinung genötigt haben,(vgl. Westd. Korrbl. 1903, No. 61, S. 140 ff. und