1. Der Tag von Sedan und die 5chlacht bei Leipzig.
(Fieſtrede am 2. September 1895.)
T. 25. Male im Laufe der Zeiten kehrt heute jener ewig denkwürdige Tag wieder, an'welchem einſt
der franzöſiſche Imperator Napoleon III., der ſo freventlich das Schwert gegen unſer Vaterland
28) erhoben hatte, tiefgedemütigt ſeinen Degen vor König Wilhelm niederlegte, gegen den er wenige
Wochen zuvor noch ſo empörende Zumutungen und anmaßende Forderungen ſich erlaubt hatte, jener
große Tag von Sedan, den man mit Recht als den Geburtstag der deutſchen Einheit, Macht und Größe bezeichnen kann.
Uns älteren ruft die heutige Feier herrlich glänzende Tage unſeres Lebens vor die Seele, jene Tage, da Gottes Gnade unter heißen Kampfesmühen all den ſchönen Träumen und aller heißen Sehnſucht unſerer Jugendjahre über jedes Hoffen und Erwarten die herrlichſte Erfüllung ſchenkte. So, mit ſo unfehlbarer Wucht wie der Hammer Thors, mußte das deutſche Schwert ſchmetternd niederfallen, ſo mußte das wandel⸗ bare Kriegsglück zur Stete und Unwandelbarkeit gezwungen werden und der Sieg Kranz auf Kranz um unſere Fahnen flechten, wenn das ſo lange verkannte und mißachtete deutſche Volk, das bisher die Rolle des mißhandelten Aſchenbrödels geſpielt hatte, wieder die rechte Stelle unter den Nationen Europas ein⸗ nehmen ſollte. Was wir brauchten, das war, wie Treitſchke ſagt, ein ganzer, unbeſtreitbarer, allein durch deutſche Kraft errungener Sieg, der die Nachbarn zwang, die freie Mündigkeit und den Vorzug unſerer Nation endlich wohl oder übel zu achten und anzuerkennen.
Wohl waren es ernſte, bange und ſchwüle Tage, als im Juli 1870 dem deutſchen Volke unter ſchnö⸗ dem Vorwande der Krieg aufgedrängt wurde. Der Feind war mächtig und hatte gewaltig gerüſtet, und noch war die Aſche des Krieges nicht ganz verglommen, der vor wenig Jahren im Innern Deutſchlands zu hellen Flammen emporgelodert; noch ſah der Beſiegte mit heimlichem Groll auf den Sieger in Deutſchland, der Sieger hie und da hochmütig auf den Beſiegten. Und an dieſem glimmenden Funken hoffte der Feind die Fackel der Zwietracht unter den Deutſchen von neuem zu entzünden.„Furchtbar drohte der Erbfeind.“ Aber in dem Kampfe der tapferſten Stämme gegen einander hatten die Deutſchen ihre eigene Kraſt kennen


