Aufsatz 
Bemerkungen zur Besiedelungsgeschichte des Untermainlandes in frühmittelalterlicher Zeit : 2. Teil
Entstehung
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gehören; ¹) wir würden ſagenfiskaliſch ſind. ²) Auch hier begegnen in dem Gebiete, das eingeforſtet wird, private Acker und private oder Gemeindewaldungen. Wozu das zur Foreſtis gemachte Gebiet dienen ſoll, lehrt das hierauf bezügliche placitum von Riſano: es ſoll durch neue Siedler nutzbar für den König gemacht werden. Dieſe Koloniſten, kaum Sklaven, ſondern unfreie Kolonen, greifen über das ihnen zugewieſene Land in das Privateigentum und die Almendewälder hinüber und werden deshalb von dem fränkiſchen dux in ihre eigentliche Sphäre verwieſen(nos eos ejiciamus foras), nämlich: mittamus in talia deserta loca, ubi sine vestro damno valeant commanere(ſich anbauen), faciant utilitatem in publico. Ähnlich, alſo nicht ſpezifiſch fränkiſch iſt das Verhalten der Langobarden, wie denn ja auch Brandi in ſeiner bekannten Kritik Rübels auf verwandte Züge zwiſchen Franken und Langobarden hingewieſen hatte. L. M. Hartmann hat in einem bedeutungsvollen kleinen Aufſatz über diefiuvaida die Angleichung der langobardiſchen Landnahme und perteilung an die ſpät⸗ römiſche Güterverteilung und Beſitzverhältniſſe gezeigt.9) Auch hier wird das römiſchepublicum= publici agri, publicae silvae, die alſo nicht im Privatbeſitz waren, von den germaniſchen Herzögen und Königen mit Beſchlag belegt und an Kirchen oder Getreue verteilt. Grenzſtreitigkeiten über publicum und privatum entſcheidet der missus regis wie bei den Franken, z. B. über einengualdus publicus. Auch hier wie im deutſchen Frankenland gibt es für dieſe publicae silvaeForſtleute, silvani, wie in den römiſchen saltus die Saltuarii, die fränkiſchen forestarii, alſo Beamte über das ſtaatliche Eigentum überhaupt, nicht bloß den Wald. Sie wiſſen die Grenzen, erneuern die Grenz⸗ zeichen u. ſ. w.¹) Auch hier ſitzencoloni publici, die in ihren engeren Gemeinſchaftenconsortes heißen und das desertum kultivieren, meiſt unfrei, öfters freigelaſſen. Wir haben alſo hier die Landſiedelleihe, und zwar gegen Zins, wie im römiſchen saltus. Diejenigen gualdi publici aber, die nicht ausgetan ſind, dienen den Viehherden des Königs(fiuvaida). Auch dieſe Viehherden, be⸗ ſonders Schweine, ſindpublica(peculia). Es gibt ſogar einen archiporcarius. Wenn aber andere Perſonen in dieſen gualdi publici weiden wollen, zahlen ſie eine Abgabe(castaldaticum, herbaticum, escaticum, glandaticum).)

Der Ausdruck forestis kommt hier zu ſeiner vollen alten Geltung, wenn er im Laufe der geſchichtlichen Entwickelung auch hier allmählich nur der Name für das große zuſammenhängende Waldgebiet des linken unteren Mainlandes geworden iſt. Denn dieſe ſpätere forestis iſt nicht nur ein Forſt- und Wildbannbezirk, ſondern in der Hauptſache wirkliches königliches Territorium, ein Reichsforſt, in dem der König tatſächlich als oberſter Grundherr erſcheint, wo nicht Dörfer und Einzelbeſitz oder von Kirchen und Klöſtern erworbenes Land dieſes Grundeigentum ſtreckenweiſe be⸗

¹) Istas silvas et pascua, quae vos dicitis, ego credidi quod a parte domni Imperatoris in publico esse debent. S. ferner Rübel, Franken, S. 312 ff.

²) Ein der forestis entſprechender Ausdruck, beſchränkt zunächſt auf die königlichen Nutzungsrechte, ſcheint in derimmunitas regis der Sangaller Formeln(M. G. Legg. V., Form. 403) zu liegen. Sie bleibt geſchloſſen für die pagenses hinſichtlich aller Nutzungsrechte.Immunitas iſt hier der allgemeinſte Ausdruck:gefreites Gebiet.

³) Vierteljahrſchrift für Sozial- und Wirtſchaftsgeſch. I, 1903, S 123 ff.

*) Z. B. in der Grenzregulierung von Grundſtücken des Kloſters Bobbio vom J. 747(Troya, CGod. dipl. Longob. IV, Nr. 610): missi nostri.... cum Giselpert Waldeman... inquirentes per silvanos nostros (folgen die Namen).. veritatem, et renovantes signa et cruces cum clavos ferreos adfigentes sinntl.....

⁵³) Die communia pascua hoc est fiuvaidae ſind nach Hartmann alſo nicht die Nutzungsgebiete alter Markgenoſſenſchaften, ſonderngrundherrliche Bildungen. Wir ſagen wohl beſſer: wie in Deutſchland wurden ſie von den Anliegern genutzt, ſtanden aber in niemandes Beſitz. Jetztverſtaatlicht ſie der König, erforeſtiert ſie, würden die Franken ſagen, d. h. er verſchließt ſie. Gegen Abgaben an den liscus aber kann die Mark genutzt werden. (Mon. G. Legg. V, Form. Merov. et KXarol. aevi, pgg. 399, 403.)