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Herrſchaft Ludwig XIV., der, eiferſüchtig auf ſeine Autorität, dem Sohne auch nicht die geringſte Thätigkeit bei der Regierung geſtattete, ja überhaupt nicht einmal die Gelegenheit ſich in irgend einem Bereiche der Staatsverwaltung oder des Heeres Kenntnis oder Erfahrung zu erwerben, immer mehr ein willenloſer, jeder Anſtrengung unfähiger Menſch geworden. Es war deutlich, daß er, der vor dem Könige zitterte der ihn in ängſtlicher Abhängigkeit bis zum kleinſten herab hielt, niemals zu einer Selbſtſtändigkeit gelangen würde. Anders war es mit Ludwig's Enkel, den wohl der König geneigter war als ſeinen eigentlichen Nachfolger zu betrachten. Ob dieſer nun ſelbſt einſt den Thron zu Fenelon's Lebzeiten beſteigen würde, und die Möglichkeit lag bei dem Geſundheitszuſtande des Dauphin's nicht außer aller Berechnung, oder ob er Thronfolger unter dieſem ſein würde, jedenfalls mußte er, recht geleitet und gebildet, nach dem Tode Ludwig's die wichtigſte Perſönlichkeit in Frankreich werden. Den einen Theil der Aufgabe die er ſich ſtellte, die Unterordnung des Prinzen unter des Lehrers Autorität, erreichte Fenelon durch bewunderungswürdige Ausdauer und Conſequenz, wenn ihm auch der andere Theil, den Prinzen zu einem guten Regenten zu erziehen, weniger gelang, als ihm lieb war. Er wiünſchte einen Fürſten heranzubilden, der zwar ſtets ein gehorſamer Schüler des Lehrers bleiben, der aber zugleich durch ſeine Handlungen dem Lehrer Ehre machte ſollte.— Der Prinz war von Natur aufbrauſend, heftig, jähzornig und launiſch. Fenelon imponirte ihm durch ſeinen überlegenen Geiſt, deſſen der Prinz ſich nicht erwehren konnte; durch eine weiſe Miſchung von Milde und Strenge, Ernſt und Freundlichkeit, durch ein Benehmen, das nach einem feſten Plane ſich immer gleich blieb, wußte er aus dem Prinzen einen ganz andern Menſchen zu machen, demüthig, geduldig, beſcheiden, gehorſam, unterwürfig; aber der Erfolg überſtieg die Berechnung. Der Prinz beſaß alle dieſe Eigenſchaften in viel zu hohem Grade. Das Feuer war erloſchen, und Fenelon verſuchte nach⸗ her, als der Prinz erwachſen war, oft vergeblich ihn aus ſeiner Apathie zu erwecken, als es nöthig wurde die Eigenſchaften zu beweiſen die der zum Thron beſtimmte Fürſt beſitzen mußte, als ihm endlich die Gelegenheit gegeben wurde an der Spitze eines Heeres in den Niederlanden ſeine Fähig⸗ keiten zu zeigen. Damals erkannte Fenelon, daß er zwar durch den in ſeiner Erziehung angewen⸗ deten Eifer einen Mann erzogen habe der nicht ohne Kenntniſſe war, deſſen Geiſt in vieler Beziehung beßer ausgerüſtet und gebildet war, als der gar mancher Fürſten ſeiner Zeit, deſſen Sittlichkeit und Religioſität man anerkennen mußte, daß aber zur That der Fürſt ungeſchickt geblieben ſei. An dieſer Apathie hatte vor allem die religiöſe Richtung Schuld, in welche Fenelon ſeinen Zögling hinein⸗ geführt hatte. Der Quietismus hatte ſich der Seele des Jünglings viel tiefer und gründlicher be⸗ mächtigt als der des Lehrers, dem er nur ein Mittel zum Zweck geweſen war. Die Religpoſität des Prinzen war eine paſſive geblieben, ohne Früchte. Die Verachtung des Werthes der äußeren Dinge ward zur Vernachläßigung aller Pflichten. Religiöſe Scrupel der unbegreiflichſten Art be⸗ ſchäftigten den Prinzen vor der Schlacht: ausführlich ſetzt er ſie in ſeinen Briefen an Fenelon aus⸗ einander; ob ihm geſtattet ſei in einem Nonnenkloſter Quartier zu nehmen, wenn kein anderes Obdach vorhanden ſei, fragt er einmal bei dem Beichtvater an. Man ſieht es den Briefen Fenelon's an ihn an, wie groß ſeine Ungeduld mit dem Zögling ſein mußte. Aber was half es jetzt, daß er ihm ſchrieb, Könige hätten ihre religiöſen Pflichten anders zu erfüllen als Privatleute, oder daß er ihm mit beredten Worten den heiligen Ludwig als Vorbild hinſtellte, der fromm wie er doch ein rechter und kräftiger König geworden ſei, oder wenn er ihm die beſten Lehren für ſein Betragen bei der Armee gibt, wie er denn in einem der Briefe ihm bis in's Einzelne Vorſchriften gibt. Er hält


