Aufsatz 
Zur Charakteristik Fenelon's / E. Scholderer
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Zu den Jeſuiten zurückkehren konnte er aus dem angeführten und aus andern Gründen nicht wollen. Wie mächtig auch dieſer Orden ſchon war, ſo fehlte doch noch viel daran daß er jene unbedingte Herrſchaft erlangt hätte, die man ihm zwar damals ſchon gewöhnlich beilegt, die er aber ſpäter erſt ausübte. Die Jeſuiten waren zu jener Zeit im Gegentheil eher im Nachtheil; ſie hatten in ihren Angriffen gegen die Janſeniſten über das Ziel hinausgeſchoßen. Ihre Feinde hatten ſich, da Niemand mehr ſicher war vor der Beſchuldigung der janſeniſtiſchen Ketzerei, gegen ſie ver⸗ einigt. Noch 1691 erſchien eine Bulle Innocenz XII., die verbietet durch die unbeſtimmte Anklage des Janſenismus jemand zu beunruhigen. Außer den eigentlichen Gegnern ihrer Caſuiſtik und Morallehre vom janſeniſtiſchen Standpunkte, wie Pascal und Arnauld, hatten unbeſtritten Orthodoxe, Boſſuet ſelbſt, ſie angegriffen. Die Moliniſten waren auf allen Punkten geſchlagen, ihre Lehren von der Kirche verdammt worden. Selbſt am Hofe waren ſie nicht die Meiſter. Der P. Lachaiſe, des Königs Beichtvater, war freilich ein Jeſuit; aber er trat noch, ungleich dem nachherigen Tellier, ſachte, leiſe, mäßig auf, ſei es daß er wirklich, wie manche wollen, ehrlich, gemäßigt, wohlwollend, ein Feind der extremen Maßregeln, dem Willen ſeines eigenen Ordens entgegen war, oder den ſchlüpfrigen Boden, auf dem er ſich bewegte, fürchtete. Jedenfalls hören wir, daß viele Anſchläge der Jeſuiten mislangen. Nach dem Tode oder vielmehr lange ſchon vor dem Tode Harlay's boten ſie alles auf, um einem aus ihrem Kreiſe, einem ihren Intereſſen ergebenen Mann zu dem wichtigen Poſten eines Erzbiſchofs von Paris zu verhelfen. Sie ſcheiterten, und der Kardinal von Noailles wurde zum Erz⸗ biſchof von Paris ernannt, ein Mann, der ihnen höchſt zuwider war, den ſie aber erſt lange Jahre nachher und nach langen hartnäckigen Kämpfen, die unter dem Namen der Streitigkeiten über die Bulle Unigenitus bekannt ſind, beſiegten. Die Frau von Maintenon war durchaus nicht in ihrem Herzen eine warme Freundin der Jeſuiten. In ihren Briefen, die doch vorſichtig genug abgefaßt wurden, mochten ſie auch an Vertraute gerichtet ſein, finden ſich dafür Belege genug. Wie konnte es auch anders ſein, ſie und die Jeſuiten machten ſich einander die Herrſchaft über den König ſtreitig; ſie fürchteten einander, ſie ſchonten einander, ſie unterſtützten ſich ſogar einander; aber ſie liebten ſich nicht. Der P. Lachaiſe war nicht der Beichtvater der Frau von Maintenon, auch kein anderes Mitglied des Ordens; ſie verſuchte ſogar mehrmals, freilich vergeblich, ihn zu ſtürzen. Sie durfte auch um ſo leichter den Jeſuiten zuweilen ſich entgegenſtellen, als ihr Haß gegen die Janſeniſten dem König über allen Zweifel erhaben war. Zwiſchen dieſen beiden Parteien der Kirche ſuchte ſich eine Zeit lang die Congregation von Saint-Sulpice eine unabhängige Stellung zu erringen. Es gab unter den Biſchöfen genug damals noch, die die Herrſchaft der Jeſuiten unwillig ertrugen, die aber bei der Gefahr, die demjenigen drohte der ihnen entgegentrat, ſich einem Mittelpunkt anſchließen wollten, der ſicher war nach beiden Seiten, einer Gemeinſchaft, der man auf keine Weiſe die Orthodoxie ſtreitig machen und anzweifeln konnte. Dies brachte Saint-Sulpice für eine kurze Zeit zu größerem Anſehen; auch Fenelon ſchloß ſich an die Sulpicier an. Aber die Bedeutung der Congregation war doch mehr negativ.

Ueber allen kleinen und großen Streitigkeiten der Kirche und ihrer Diener ſtand Boſſuet mit einer Größe des Anſehens und der Macht, wie ſie kaum je von einem Kirchenfürſten außerhalb Roms beſeßen worden iſt, le dictateur de l'église de France. Eine weitläufige Auseinanderſetzung, der es bedürfte um das Verhältnis Boſſuet's zu Kirche und Staat genügend zu erklären und ſeine Bedeu⸗ tung darzulegen, würde zu weit führen. Das Weſentliche aber iſt, daß Boſſuet in ſeiner ganzen