Aufsatz 
Zur Charakteristik Fenelon's / E. Scholderer
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von Cambrai gibt: Fénelon était un homme de qualité qui n'avait rien et qui, se sentant beaucoup d'esprit et de cette sorte d'esprit insinuant et enchanteur, avec beaucoup de talents, de gräces et du savoir, avait beaucoup d'ambition etc., und weiter: c'était un esprit coquet, qui, depuis les personnes les plus puissantes jusqu'à l'ouvrier et au laquais, cherchait à etre goüté et voulait plaire, et ses talents en ce genre secondaient parfaitement ses désirs.

Doch war ſein Avancement nicht ſo raſch, als man denken möchte; ſo anſehnlich war lange nicht der Einfluß ſeiner Gönner, daß er raſch eine Stufe nach der andern erſtiegen oder überſprungen hätte. In ſeinem 24. Lebensjahre zum Prieſter geweiht, finden wir ihn drei Jahre ſpäter vom Erz⸗ biſchof von Paris zum Superior der nouvelles catholiques ernannt, und erſt acht Jahre ſpäter wird ihm ein Amt anvertraut das ihm Gelegenheit zur Auszeichnung gab; er wurde als Haupt einer Miſſion nach Saintonge und Aunis geſchickt, um die dort noch zahlreich wohnenden Proteſtanten zu bekehren. Das Edikt von Nantes, von dem durch viele Verfügungen des Königs kaum noch ein Schatten übrig geblieben war, war im Jahre 1685 ja in ſeinem letzten Reſte ausdrücklich zurück⸗ genommen worden, und es begannen jetzt jene unheilvollen Verſuche, die Proteſtanten die noch übrig waren(von dem Adel war die Mehrzahl nach Turenne's Beiſpiel längſt zum Katholicismus zurück⸗ getreten) durch Gewalt oder Ueberredung, gewöhnlich durch die geeignete Vereinigung von beiden zu bekehren. Die Anwendung von Gewaltmaßregeln gegen die Proteſtanten misbilligten viele ſelbſt unter den eifrigſten Katholiken. Es gereichte auch Fenelon zur Ehre, daß er ſich die Begleitung von Truppen nach den ihm beſtimmten Diſtricten verbat. Nicht geringer war darum aber auch der Er⸗ folg der ihm wurde. Den geängſtigten Einwohnern, die Schrecken und blutige Verfolgung erwar⸗ teten, erſchien Fenelon in ſeiner Milde und Sanftmuth als ein Engel vom Himmel; wenn ſie ihr Loos mit dem ihrer Nachbarn verglichen, mußten ſie ſich glücklich ſchätzen. Der Erfolg, den ſich durch ſein Auftreten Fenelon in ihren Herzen gewann, wurde unterſtützt von der ungewöhnlichen Be⸗ redtſamkeit und Ueberzeugungskraft, die ihm eigen war, von jener Gabe einer anmuthigen, einfachen oder blumenreichen und ſalbungsvollen Sprache, die in einem unwiderſtehlichen Fluße ſich ergoß, von der Fähigkeit ſich jedem Stande, jedem Geſchlechte, ja jeder Faßungsgabe zu bequemen, wie er ſie ſo glänzend in ſeiner Erziehung des Herzogs von Bourgogne gezeigt hat, und von jenem Wunſch und Begehren ſich die Herzen der Menſchen, eine Macht über ſie zu gewinnen, und wären es auch die unbedeutendſten. Die Reſultate, welche Fenelon's Miſſion hatte, waren darum anſehnlich, und es war ihm gelungen die Augen derer, die in der Kirche viel galten, auf ſich zu ziehen. Die voll⸗ kommene Beherrſchung ſeiner Leidenſchaften oder vielmehr der einen die ihn erfüllte, des Ehr⸗ geizes, die Ruhe und Mäßigung, die ihn auszeichnete, ſeine Beredtſamkeit, ſein Geiſt, mußten ihn als einen hervorragenden Prieſter erſcheinen laſſen. Seine Tugenden und die Reinheit des Lebens, die bei dem adeligen Clerus jener Zeit, wenn auch nicht gar zu ſelten, doch auch nicht allzu häufig war, waren nothwendig, wollte er anders raſch die Stufenleiter der Hierarchie erklimmen. Ihm, der bis jetzt keiner der mächtigen Coterien des Hofes angehörte, hätte am wenigſten ein Leben angeſtan⸗ den, wie es der lange die Gunſt des Königs beſitzende Harlay führen konnte, das mehr das eines reichen gebildeten grand seigneur war, als das eines Prieſters. Auch waren die Zeiten ſehr ver⸗ ändert, der Hof war nicht mehr der frühere. Ludwig XIV. war ſtrenge auch gegen ſich ſelbſt ge⸗ worden, wie viel mehr gegen andere. War doch ſchon die Zeit nahe, wo auch Harlay die lang⸗ jährige Gnade des Königs von ſich abwenden ſah, und ſeine letzten Tage herabgeſtürzt von der Höhe,