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die Bücher des Molinos, des Pater Lacombe(oraison mentale), Bernières(Règles des associés à PEnfance de Jésus), Malaval's und anderer lehren: die volle Verläugnung der eigenen Perſön⸗ lichkeit, des eigenen Willens, der eigenen Wünſche, die unbedingte Hingebung an die Gottheit, das Vergeßen in dieſer eigenen Art des Gebets, das keine Worte kennt, keine Worte gebraucht, den Zu⸗ ſtand der heiligen Indifferenz, das vollſtändige Aufgehen der Seele in Gott,„in der contemplativen Ruhe aller ihrer Fähigkeiten“. Dies iſt allen Myſtikern gemein. Mehr aber als bei anderen tritt bei Frau v. Guyon der Punkt hervor, der den Anlaß zu den Angriffen der Kirche gegen ſie gab, nämlich, daß durch dieſe gewonnene Ruhe der Seele alle äußerlichen Handlungen gleichgiltig ſeien, daß durch die Verſenkung der Seele in Gott ſelbſt das von der Kirche vorgeſchriebene Gebet überflüßig werde, daß die myſtiſchen Heiligen„von dem Zuſtande der umgewandelten Seelen die Ausübung der Regeln der Tugend ausgeſchloßen haben.“ Werden dieſe praktiſchen Folgerungen aus jener ewigen Andacht nicht gezogen, ſo iſt leicht einzuſehen, daß auch die Kirche, welche die That und die Befolgung ihrer Geſetze fordert, einmal nichts gegen ein myſtiſches Buch haben kann, den Beifall ſelbſt nicht verſagt, beſonders wenn man bedenkt, daß alle dieſe Schriften eben in einem ſo geheimnisvollen Tone ge⸗ ſchrieben ſind, daß ſie leicht in einem oder dem anderen Sinne zu erklären ſind, je nachdem der Wunſch und der Wille iſt dieſen Sinn hinzuſtellen. Wird aber eine Trennung von der Kirche, eine Ent⸗ fernung von ihren Gnadenmitteln, eine Verachtung oder doch Hintanſetzung ihrer Inſtitutionen als wirkliche Forderung oder als praktiſcher Erfolg ſich äußern, ſo wird natürlich die Oppoſition heraus⸗ gefordert. Daß dies bei der Frau von Guyon der Fall war, iſt von vorn herein wahrſcheinlich. Sie war Frau und in ihrem ganzen Weſen iſt am wenigſten die Eitelkeit zu verkennen, die ſie dazu antrieb ſich als das Haupt einer Secte zu geriren, ſich gerade dadurch eine beſondere Wichtigkeit bei⸗ zulegen, daß ſie ſich von der Kirche ferner hielt und auf die hinreichende Rechtfertigung durch den Quietismus beſondern Nachdruck legte. Daß dieſe ſtark hervortretende Eitelkeit ihrer Wirkſamkeit keinen Eintrag that, iſt auffallend. Es fehlte ihr durchaus im Auftreten an jener in ſich ſelbſt zu⸗ rückziehenden Ruhe und Schweigſamkeit, die wohlerfaßte Gedanken ſelten und mit prophetiſchem Tone, auf den die Menſchen ängſtlich warten, äußert; ſie war redſelig bis zum Uebermaß: der Gegenſtand ihrer Worte war immer wieder ſie ſelbſt, ihre myſtiſchen Verzückungen, ihre Erfüllungen mit dem gött⸗ lichen Geiſt. Daß dann nicht ſelten barocke und abgeſchmackte Dinge zum Vorſchein kamen, darüber wird ſich niemand wundern; wohl aber darüber, daß ſie bei der oft lächerlichen Figur die ſie ſpielte dennoch bei vielen eine ſo lange anhaltende Achtung und Ehrfurcht vor ihr erhalten konnte. Wenn wir die uns erhaltenen Briefe der Frau von Guyon durchleſen, ſo wird das Urtheil über ſie ſehr ſchnell ſich feſtgeſtellt haben, ſelbſt wenn wir verzichten auf das Rückſicht zu nehmen was von Profanen über ſie überliefert wird, oder auch aus den verſchiedenen Verhören, die ſie zu beſtehen hatte, auf uns gekommen iſt. Elle a, ſagt Nicole, d'autres régles en son langage que celles qu'on suit ordi- nairement. Manches iſt über die Maßen albern. Sie bleibt nur um ein Geringes oft hinter ihrem, wie er ſich in ſeinen Briefen zeigt, ziemlich einfältigen Pater Lacombe zurück, der endlich wirklich verrückt wurde und eingeſperrt werden mußte. Wenn wir einiges nur herausheben, beiſpielsweiſe, ſo wird es zur Charakteriſirung dieſer Frau genug ſein. Einmal ſchreibt ſie an Chevreuſe: Il est vrai que j'ai senti dans le cœur des douleurs inexplicables et intolérables... Lorsqu'il me fallut me délacer, c'était à Beynes.*) Madame de Charost y était, et mon cœur creva. An eben den⸗
*) Die Spottverſe, zu welchen ſolche Aeußerungen Anlaß gaben, finden ſich oft abgedruckt.


