die von weit größerer Bedeutung für die fachwissenschaftliche Ausbildung der jungen Kaufleute war: er errichtete regelmäßsige Abendkurse, in denen die für den Kaufmann wichtigen Fremdsprachen, ferner Deutsch, Schönschreiben und Handelswissenschaften gelehrt wurden. Diese Kurse entwickelten sich allmählich zu einer richtigen Abendschule, in der 300— 400 junge Leute ihren Bildungsdrang befriedigten und die fast zwei Jahrzehnte hindurch der wichtigste Vertreter des kaufmännischen Bildungswesens in der alten Mainstadt war.
Ihm zur Seite tritt 1872 der Verein zur Verbreitung von Volksbildung, indem er Fortbildungskurse für Lehrlinge und Gehilfen verschiedener Berufszweige errichtet. Die Mehrzahl der Schüler Waren im Anfang junge Kaufleute, später aber überwogen die jungen Handwerker, bis nach der Gründung der städtischen Fortbildungsschule wieder die kaufmännische Abteilung, die neben anderen Schülern durchschnittlich 200— 250 kaufmännische Lehrlinge und Gehilfen zählte, in den Vordergrund trat.
Auch für die Ausbildung der jungen Mädchen, die sich dem kaufmännischen Berufe widmen, wird Vorsorge getroffen. Bereits 1877 nahm sich der Frauenbildungsverein derselben an und richtete Jahreskurse zur Vorbereitung junger Mädchen für den Eintritt in kauf- männische Stellungen ein; am 1. November 1890 wird die Schmidberger'sche Privat- handelsschule eröffnet, deren Schülerzahl, anfangs nur 15, sich rasch erhöht und an der Wende des Jahrhunderts 300 weit überschreitet, und 1895 entsteht der Kaufmännische Verein weiblicher Angestellter, der sich die Weiterbildung seiner Mitglieder zu einer seiner wichtigsten Aufgaben macht und Abendkurse für Französisch, lnglisch, Buchhaltung, Stenographie u. s. w. begründet.
So segensreich auch alle diese Einrichtungen, denen wir in anderen Städten in ühnlicher Form begegnen, wirkten, so vermochten sie doch nicht dem weiteren Rückgang der Ausbildung der jungen Kaufleute zu steuern. Die von Vereinen unterhaltenen Kurse verlegten den Unter- richt in die späteren Abendstunden, also in eine Zeit, wWo der Lehrling und jugendliche Gehilfe abgearbeitet und daher nur wenig imstande ist, am Unterrichte noch einen lebhaften Anteil zu nehmen, und ausserdem hing die Beteiligung vielfach von der inwilligung des Prinzipals ab, die dieser aus selbstsüchtigen Interessen nicht selten versagte oder, wenn er sie gewührte, für diejenigen Tage zurücknahm, an denen es geschäftliche Arbeiten nach seinem Ermessen erforderten, so dal vielfach ein unregelmäßiger Schulbesuch des jungen Mannes mit recht geringen Ergebnissen die Folge war.
Die Erkenntnis dieser Mängel führte endlich zu dem Bestreben, den freiwilligen Schul- besuch durch den Schulzwang zu ersetzen, und damit zur Gründung der Kaufm ännischen obligatorischen Fortbildungsschulen. Männer, denen das Herz für die llebung des kaufmännischen Standes und eine gründliche Ausbildung des jungen Handelsbeflissenen warm in der Brust schlägt, gründen den Deutschen Verband für kaufmänn isches Unter- richtswesen, der unter der Leitung von Regierungsrat Dr. Stegemann Gemeinden wie Handelskammern für seine Sache zu interessieren weiß und durch Versammlungen und Schriften der Idee des Handelsschulunterrichts durch ganz Deutschland neues Leben einflölst. In grobzen wie in kleinen Städten regt sich's, und die entstehende Bewegung, schon durch ihre Träger (Gemeinden und Handelskammern) mächtiger als alle früheren, führt zur Errichtung einer ganzen Stufenleiter von kaufmännischen UInterrichtsanstalten, die von der obligatorischen Fortbildungs- schule bis hinauf zur Handelshochschule reicht.
Auch Frankfurt verdankt dieser Bewegung die Ausgestaltung und Regelung des kauf- männischen Unterrichtswesens, für das es bisher durch Gewührung von Unterstützungen an die früher genannten Vereine, den Kaufmännischen Verein, den Frauenbildungs-Verein, den Verein für Verbreitung von Volksbildung. sein Interesse bekundet hatte. Im Jahre 1897 setzte der Magistrat einen Ausschuß für die Ausgestaltung des gewe rblichen und kauf- mannischen Unterrichtswesens enn, der seinerseits gegen lnde des Jahres einen Unterausschuß wählte,„welcher die einschlägigen Fragen prüfen und alsdann unter Verwertung der an andern Orten gemachten Beobachtungen über die Ergebnisse seiner Prüfung Bericht, erstatten sollte.“ Dieser Unterausschuß entsandte eine Anzahl seiner Mitglieder nach Leipzig.


