Aufsatz 
Die Entwickelung des kaufmännischen Unterrichtswesens in Frankfurt am Main bis zur Errichtung der Städtischen Handelslehranstalt
Entstehung
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Dresden, München, Stuttgart. Karlsruhe, Berlin und Hamburg, um hier die inneren wie äukzeren Verhältnisse der gewerblichen und kaufmännischen Schulen kennen zu lernen, und unterbreitete üiber diese Reisen am 11. Oktober 1898 dem Hauptausschuf einen eingehenden Bericht, der zugleich Vorschläge für die hier zu treffenden Einrichtungen enthielt. Nach sorgfältiger Erwägung durch den Hauptausschuss gingen diese Vorschläge an den Magistrat und von diesem in dem Vortrag vom 9. Mai 1899 betr. die Neugestaltung des allgemeinen Port- bildungs-, sowie des besonderen gewerblichen und Kkaufmännischen Unterrichtswesens an die Stadtverordneten-Versammlung. Sie petrafen die Einführung des Schulzwanges für die gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsschule, den Ausbau der schon bestehenden städtischen Fortbildungsschule zu einer allgemeinen Gewerbeschule und die Errichtung einer besonderen Handelslehra mstalt, die allen denjenigen dienen sollte, die eine über die kaufmännische Fortbildungsschule hinausgehende berufliche Ausbildung anstreben. Als Gebäude war für die neue Anstalt dasjenige in Aussicht genommen, das derzeit noch das Lessing-Gymnasium benutzte, und das, von der Polytechnischen Gesellschaft erbaut, früher der Handelsschule derselben gedient hatte.

Die Handelskammer, mit der der Magistrat wegen Errichtung der Handelslehranstalt in Verbindung getreten war, hatte diese Absicht nicht nur freudig begrüsst, sondern auch eine tatkräftige Förderung zugesichert; zu den Unterhaltungskosten stellte sie einen jährlichen Beitrag in Aussicht, und zwar zunächst auf die Dauer von 5 Jahren jährlich 15000 Mk.

Durch die Annahme der Vorschläge des Magistrates seitens der Stadtverordneten wurde die Unterlage geschaffen, auf der man nunmehr an die Verwirklichung herantreten konnte. Die Stellen der Dircktoren der Fortbildungsschule und der Handelslehranstalt wurden ausge- schrieben und Herrn Direktor Neuschäfer und dem Berichterstatter übertragen; ein besonderer Schulausschuß wurde eingesetzt und mit der Durchführung der Organisation betraut. Ostern 1901 begann er seine Tätigkeit, die sich zunächst darauf richtete, die allgemeinen Grund- sätze, die bisher für die Regelung des gewerblichen und kaufmännischen Unterrichts geschaffen waren, in den Einzelheiten auszubauen und die Lehrpläne auszuarbeiten. Schon am 8. August desselben Jahres konnte er dem Magistrate die detaillierten Entwürfe für die Organisation und die Lehrpläne der neuen Schulen vorlegen. Seine Vorschläge wichen in zwei Punkten von den früheren ab: 1. die Fortbildungsschulpflicht wurde auf Grund der Novelle zur Ge- werbeordnung auch auf weibliche fHandlungsgehilfen und Lehrlinge ausgedehnt, und 2. an Stelle der früher beabsichtigten niederen Handelsschule mit zwei Jahrgängen wurde eine mittlere mit drei aufsteigenden Klassen vorgeschlagen, nach deren Besuch die Schüler durch Ablegung einer Abschlussprüfung die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erwerben.*)

Die günstige Aufnahme der Vorschläge des Schulvorstandes bei dem Magistrat und den Stadtverordneten berechtigte zu der Hoffnung, dat es gelingen werde, die Handelslehranstalt Ostern 1902 zu eröffnen, aber die Erledigung anderer Vorfragen, so vor allem die Verhand- lungen mit den staatlichen Behörden, die Gewinnung der Lehrkräfte, die Beschaffung der er- forderlichen Räume, zeigte bald, daß dieser Termin unmöglich eingehalten werden konnte, und so mußte die Eröffnung auf Ostern 1903 verschoben werden.

*) In der Begründung dieses Vorschlags heisst es: Der Schulvorstand konnte sich der Überzeugung nicht verschliessen, dass die seiner Zeit gegen eine Anstalt mit derartigem Ziele seäusserten Bedenken bei strengen Aufnahmevorschriften, sowie strenger Einhaltung derselben und pei seeignetem Bau des Lehrplans hinfällig werden, dass für den jungen Kaufmann nicht allein eine Fachbildung, sondern auch eine vielseitige allgemeine Ausbildung notwendig ist, damit er in Bezug auf die Gesamtsumme von Wissen und Besitz nationaler Geistes- schätze anderen Ständen nicht nachsteht; ferner dass eine zu ens begrenzte Vorbildung zur Einseitigkeit der Auffassung führt, während der Kaufmann serade zu dem erfolgreichen Betriebe des Handels eines offenen, weiten Blickes bedarf, und dass nach den Erfahrungen die jungen Leute in dem kaufmännischen Berufe je rascher vor- wärts kommen, je umfassender ihre Vorbildung ist. Auch die Rücksicht auf die soziale Stellung, welche dem Kaufmann gebürt, die Dienste, welche er der Gemeinde, dem Staate, der Allgemeinheit zu leisten so oft berufen ist, erfordern neben der Fachbildung eine Allgemeinbildung, die über die Volksschule hinausgeht. Eine grosse Zahl von Inhabern grösserer Geschäfte bevorzugen heute schon bei der Aufnahme von Lehrlingen junge Leute, die mindestens den Einjährigenschein erlangt haben, und bekunden damit, dass sie das in demselben aus- gedrückte Mass von Bildung als unbedingt erforderlich für den Zutritt zu ihrem Beruf erachten.