er sich von Ostern 1879 an in Leipzig und Genf dem Studium der romanischen und germanischen Philologie und bestand in Leipzig 1883 die Doktorprüfung, ein Jahr später die Staatsprüfung für das höhere Lehramt. Nach Vollendung seiner philologischen Stu- dien und nur kurzer Lehrtätigkeit am Realgymnasium zu Leipzig wandte er sich dem Handelsschulwesen zu, und diesem modernsten unter den verschiedenen Zweigen des höheren Unterrichtswesens ist er bis an sein Ende treu geblieben. Seine erste feste An- stellung fand er, 24 Jahre alt, im November 1884 an der öffentlichen Handelslehranstalt in Bautzen; Ostern 1885 wurde er Lehrer an der höheren Handelslehranstalt in Chemnitz. Schon im Herbst des Jahres 1891, also im Alter von nur 31 Jahren, wurde er zum Direktor der neu gegründeten Städtischen Handelsschule in Gablonz in Böhmen ge- wählt, und unter seiner Leitung hat sich diese Anstalt aus kleinen Anfängen heraus zu einer„Handelsakademie“ entwickelt, einer Lehranstalt, die nach Rang und Einrichtung etwa mit unserer Höheren Handelsschule zu vergleichen ist, deren Kursus aber von drei- jähriger Dauer ist.
Zu einer Zeit, wo in Sachsen und Oesterreich das öffentliche Handelsschulwesen schon in hoher Blüte stand, war in Preußen die Fortbildung der für den kaufmännischen Beruf bestimmten jungen Leute ausschließlich der Fürsorge kaufmännischer Vereine und dergleichen überlassen. Frankfurt a. M. war eine der ersten Städte der Monarchie, die an einer öffentlichen Schule kaufmännische Fächer unterrichten ließ und im Jahre 1876 die Handelsschule der Polytechnischen Gesellschaft als Handelsabteilung der Wöhlerschule übernahm. Als dann gegen Ende des verflossenen Jahrhunderts der zunehmenden Be- deutung der Stadt Frankfurt, ihres Handels und ihrer Industrie entsprechend, sich immer mehr die Notwendigkeit herausstellte, das, was bisher nur ein Anhängsel einer öffent- lichen Schule gewesen war, zu einer vollen Unterrichtsanstalt zu entwickeln und damit allen jungen Kaufleuten Gelegenheit zu fachlicher Belehrung zu bieten, da war es natür- lich, daß man zur Organisation der geplanten Städtischen Handelslehranstalt einen Mann berieft, der auf diesem besonderen Zweige des Unterrichtswesens schon die nötigen Er- fahrungen gesammelt und sich durch eine Reihe von Schriften auf diesem Gebiete bereits einen Namen gemacht hatte. Die Wahl fiel auf Ludwig Voigt, der Ostern 1901 seine Tätigkeit in Frankfurt begann.
Hier wartete seiner eine Fülle von Arbeiten. Von der Anstalt, zu deren Or- ganisation und Leitung er berufen war, bestand Ostern 1901 wenig mehr als der Name. Alles mußte erst von Voigt, dem ersten Direktor der Anstalt, ins Leben gerufen werden. Wer wie ich selbst— als damaliger Oberlehrer an der Handelsabteilung der Wöhlerschule— Veranlassung und Gelegenheit hatte, sich für die im stillen von Direktor Voigt geleistete Arbeit zu interessieren, der wird begreifen, daß zwei volle Jahre noch ins Land gehen mußten, che die neue Schule eröffnet werden konnte. Bei der Einweihungsfeier bestand das Lehrerkollegium mit Einschluß des Direktors aus elf fest angestellten Mitgliedern, jetzt ist es auf mehr als das Dreifache angewachsen. Diese Zahl, der die stetig wachsende Anzahl der Klassen wie der Zöglinge entspricht, gibt einen Maßstab für die über alles Erwarten schnelle Entwicklung der verschiedenen Abteilungen der Städtischen Handels- lehranstalt, gleichzeitig aber auch eine Vorstellung von den Schwierigkeiten, die mit der Organisation und Leitung eines so ausgedehnten Schulkomplexes verbunden waren. Und diese Kiesenarbeit der äußeren wie der inneren Einrichtung der Anstalt, die Grün- dung der Handelsrealschule, ihren Ausbau zu einer sechsklassigen Schule, die Ein- richtung der beiden Handelsschulen für Mädchen, die Organisation der Fachschule für Lehrlinge usw. hat der so früh Dahingeschiedene Jahre lang ganz allein geleitet. Und wenn auch die städtischen Behörden in entgegenkommender Wfise ihm für die Leitung der Fachschule vor einiger Zeit einen Stellvertreter zur Seite gestellt haben, so war das Maß der Arbeit und Verantwortung immer noch fast zu groß für nur einen Leiter.
Aber nie haben wir ihn über die Schwere seiner Aufgabe klagen hören. Denn ihm war die Arbeit keine Last, sondern eine Labung, keine Bürde, sondern ein Genuß. Er war der personifizierte Fleiß, ein Vorbild an Gewissenhaftigkeit und Ausdauer für alle,


