Aufsatz 
Hans Thoma, ein deutscher Mann und Meister. Ansprache, gehalten am 27. Januar 1910
Entstehung
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Strande ſangen ihm die Wogen das ſtolze Lied: Rule Britannia! überall fand er wundervolle Natur und freundliche Menſchen. Aber kein Land ſteht ſeinem Herzen näher als Deutſchland und als ſeine Schwarzwaldheimat.Hier ſind, ſo fühlt er wohl,die ſtarken Wurzeln ſeiner Kraft. Und je öfter er unter anderem Himmel lebte, je beſſer er fremde Länder und ihre Eigenart kennen lernte, deſto bewußter wurde ihm die Eigenart ſeiner Heimat, deſto deutſcher wurden ſeine Bilder. Drum ſprechen ſie auch ſo zu uns, drum klingt in uns eine Saite mit, wenn ſie uns erzählen, wie ſchön unſer herrliches Vaterland iſt.

Ihr ſeht alſo, liebe Kinder, Hans Thoma der Deutſche verdient wohl, daß wir uns ein gehend mit ihm befaſſen Sucht zu leben wie er, getreu dem Wahlſpruche, der auch der ſeine hätte ſein können:Licht, Liebe, Leben! Und ihr könnt um ſo zuverſichtlicher das befolgen, wozu er uns mahnt, als ſeine Grundſätze erprobt und erhärtet ſind in einem langen Leben. Lernt ſehen, wie herrlich Gottes ſchöne Welt iſt! Lernt euch freuen! und erfreut eure Mitmenſchen! Lernt das Unerforſchliche ruhig verehren! und lernt glauben an hohe, ideale Güter, die jenſeits aller Erkenntnis liegen! Und lernt Treue üben: Treue gegen euch und die Eueren, Treue gegen euer Volk und euer Vaterland! Und wenn ihr dieſe Mahnungen befolgt, dann werdet ihr gar bald merken, wie eure Umwelt euch vertraut wird, dann habt ihr eine Heimat und ein Vaterland. Dann werdet ihr auch zu würdigen wiſſen, was die, die vor uns litten und ſtritten, für uns getan haben; dann blickt ihr auch vertrauensvoll in die Zukunft,

denn ihr fühlt euch ſtark und eins mit euren Volksgenoſſen.

Ein Volk in Waffen wie wir Deutſchen, das dieſe Vaterlandsliebe im Herzen trägt, wird alle Stürme überdauern Und freudig wird es aufſehen zu dem, der ſein teures Vaterland verkörpert und anführt als oberſter Kriegsherr: zu ſeinem Kaiſer.

Nicht Roß' und Reiſige ſichern die ſteile Höh', wo Fürſten ſtehen.

Liebe des Vaterlands, Liebe des freien Manns gründet den Herrſcherthron wie Fels im Meer.

Durch viele hohe Tugenden leuchtet unſer Kaiſer ſeinem Volke voran. Des Reiches Macht und Ehre und ſeines Volkes Wohlergehen zu fördern, iſt ſein einziger, ſein innigſter Wunſch. Unermüd⸗ lich ſtrebt er in aufreibender Arbeit dieſem Ziele zu. Und wenn auch gar oft ſchon ſchwere Gewitter⸗ wolken das Reichsſchiff bedrohten, wenn es auch gerade in den letzten Jahren den Anſchein hatte, als würden ſie über uns ſich entladen, ſo iſt es ihm doch immer wieder gelungen, durch alle Klippen ſicher hindurchzuſteuern. Mögen auch nicht immer alle einverſtanden geweſen ſein mit dem einge ſchlagenen Kurſe, ſo müſſen doch alle, die es ehrlich meinen, unſerem Kaiſer zugeſtehen den reinen, feſten Willen, den Frieden zu erhalten; eine ſelbſtloſe, eiſerne Energie im Dienſte ſeines Volkes, den feſten Glauben an hohe Ideale.

Möge ein freundliches Geſchick uns noch lange vor dem Augenblick bewahren, wo unſer Kaiſer ſein Volk zu den Waffen ruft, unſeres Vaterlandes Ehre mit dem Schwerte in der Hand zu verteidigen.

Möge es unſerm Kaiſer beſchieden ſein, auch weiter ſein deutſches Volk als Friedenskaiſer die Bahn des Fortſchritts zu führen in friedlichem Wettkampfe mit den andern Völkern.

Und mögen endlich auch die Volksgenoſſen, die noch grollend zur Seite ſtehen, einſehen lernen, wie wir der Vorſehung danken müſſen für einen Kaiſer, um den uns das Ausland beneidet.

Wir alle wollen heute das Gelübde erneuern, treu zu ſtehen zu unſerem ſchönen Vaterland, Treue zu üben gegen den, der es verkörpert und führt, gegen unſern Kaiſer: Treue um Treue!

Laßt uns dieſem Gelübde Ausdruck verleihen durch den freudigen Ruf: Seine Majeſtät unſer Kaiſer und König, er lebe hoch! hoch! hoch!