Zur Geſchichte der Eliſabethenſchule.
Das neue Schuljahr begann am 19. April mit Aufnahmeprüfungen. Am folgenden Tag wurden die neueintretenden Schülerinnen feierlich aufgenommen.
Die Lehrerin Frl. Loennies war während des Sommerhalbjahres wegen Krähnklichkeit beurlaubt. Sie wurde durch die Schulamtsbewerberinnen Frl. Agnes Buſſe und FriedaKeller vertreten. Herr Profeſſor Dr. Bernhardt mußte bis Anfang Januar 1910 auf ärztlichen Rat ſeine berufliche Tätigkeit ausſetzen; von da ab konnte er wieder 8 Wochenſtunden übernehmen. Es iſt zu hoffen, daß der hochgeſchätzte Mitarbeiter im neuen Schuljahr bald ganz wieder hergeſtellt ſein wird. Ihn vertrat die Aushilfsoberlehrerin Frl. Vincenz.
Vom 1. Mai bis Anfang Auguſt mußte ſich Herr Oberlehrer Sommerlatt einer gründlichen Badekur unterziehen. Frl. Buſſe, Frl. Keller und verſchiedene Mitglieder des Kollegiums traten für ihn ein.
Auch der Geſundheitszuſtand anderer Lehrenden ließ wiederholt zu wünſchen übrig. Herr Hees mußte vom 28. Auguſt bis 23. Oktober dem Unterricht ganz fernbleiben, konnte bis Weihnachten nur wöchentlich 12, von Januar bis Anfang März nur 18 Stunden erteilen und darf auf Rat des Arztes bis zum 1. Mai ds. Is. keinerlei unterrichtliche Tätigkeit ausüben.
Während des Schuljahres waren an der Anſtalt als Handarbeits-, bezw. Handarbeits— und Turnlehrerinnen die beiden Schulamtsbewerberinnen Frl. Marie Küchler und Klara Valentin beſchäftigt.
Am 26. Auguſt wurden von den verſchiedenen Klaſſen Ausflüge in den Taunus, an den Rhein und die Bergſtraße unternommen, die vom ſchönſten Wetter begünſtigt waren. 9 günſtig
Am 1. September verließ uns Herr Oberlehrer Julius Zaſſenhaus, um einem ehrenvollen Ruf an die Hildaſchule in Coblenz zu folgen. Nur ſehr ungern ſahen die Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Schülerinnen den ausgezeichneten und liebenswürdigen Mann ſcheiden. Für ſeine erfolgreiche Wirkſamkeit an der Anſtalt ſei ihm auch an dieſer Stelle der wärmſte Dank abgeſtattet. Möge er an der Schweſteranſtalt in der herrlichen Rheinſtadt in neuer verantwortlicher leitender Stellung in reichſtem Segen wirken!
Bei der Sedanfeier entwarf Herr Oberlehrer Dr. Till ein anziehendes Bild von dem Grafen Zeppelin, dem die Frankfnrter in den Ilatagen hatten zujubeln dürfen. Nach der Feier wurde Herr Oberlehrer Zaſſenhaus vom Direktor feierlich entlaſſen. Der zu ſeinem Nachfolger berufene Herr Oberlehrer Friedrich Florin“) trat ſchon Anfang September ſein neues Amt an.
*) Friedrich Florin, geboren am 9. Mai 1869 zu Girkhauſen(Provinz Weſtfalen) evangeliſcher Konfeſſion, beſuchte bis zur Konfirmation die Volksſchule und wurde daneben von ſeinem Vater für den Beſuch einer höheren Schule vorbereitet. Darnach fand er Aufnahme in der Königlichen Landesſchule Pforta, wo er Oſtern 1891 das Reifezeugnis erhielt. Von Oſtern 1891 bis Herbſt 1894 ſtudierte er auf den Univerſitäten Berlin, Halle und Bonn Theologie Die beiden theologiſchen Prüfungen beſtand er zu Münſter in Weſtfalen und war zwiſchen denſelben ein Jahr auf dem Predigerſeminar zu Soeſt. Nachdem er darnach ein Jahr die Stelle eines Pfarrvikars zu Volmarſtein bei Hagen verwaltet hatte, wurde er als Religionslehrer für das Gymnaſium und Realgymnaſium zu Münſter in Weſtfalen berufen. Dort beſtand er im Januar 1899 die Oberlehrerprüfung für Religion, Hebräiſch und Deutſch. Nach Ableiſtung ſeines Probejahrs am Realgymnaſium zu Münſter wurde er nach Hamburg berufen und dort zunächſt ein halbes Jahr als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer an der Gelehrtenſchule des Johanneums beſchäftigt. Am 1. Oktober 1900 erfolgte die Ernennung zum Oberlehrer an der Oberrealſchule vor dem Holſtentore zu Hamburg. Nachdem er hier bis 1909 gewirkt hatte, wurde er zum Herbſt 1909 an die Eliſabethenſchule berufen.


