Aufsatz 
Festrede bei der Feier des 100jährigen Geburtstages der hochseligen Königin Luise
Entstehung
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3. Mittheilungen an das Elternhaus.

Die Wiedervereinigung der seit einer Reihe von Jahren in weit auseinanderliegenden Lokalen getrennten Mädchenschule und ihre Uebersiedelung in das für sie errichtete neue Haus, so lange ersehnt und so höchst erfreulich sie war, konnte nicht ohne mancherlei Schwierigkeiten vollzogen werden. Noth und Sorge bereitete anfangs die neue, im Ganzen ja zweckmässige und mit Dank zu begrüssende Einrichtung der Subsellien, d. h. der Tische und Bänke. Gewiss ist es ein praktischer Fortschritt, dass nur je zwei Schülerinnen ein Subsellium einnehmen, so dass sie nach den beiden Seiten bequem heraustreten können; ebenso ist es für die Gesundbeit höchst zuträglich, dass bei den verschiedenen Grössen der Subsellien die Auswahl je nach der Grösse der Schülerin getroffen werden kann. Aber um so schwieriger und zeitraubender war bei der sehr oft nicht mit der Altersstufe harmonierenden Grösse der Einzelnen die Vertheilung in den Klassen und es wurden oft drei, ja vier Nummern der Subsellien für dieselbe Klasse erforderlich. Dies ohne zu grosse Störung des Unterrichts zweckmässig und wenigstens für die Dauer eines Jahrescursus brauchbar auszuführen, nahm viele Zeit, selbst noch die Weih- nachtsferien in Anspruch. Es wird diese so sehr für die Individualität berechnete Einrichtung auch fernerhin bei dem jährlichen Wechsel der Schülerinnen in den Klassen eine stetige theil- weise Veränderung nöthig machen und, da die Subsellien am Boden angeschraubt sind, zugleich Kosten und Beschädigung verursachen. Tiefer noch griff in den ruhigen Gang des Unterrichtes ganz unerwartet der erschütternde Tod des Herrn Julius Kolb, da gerade in den unteren Klassen, in denen er wirkte, die Stetigkeit der Person des Lehrers so wesentlich den Erfolg bedingt.

Es war bei diesem Zustande des Nochnichtheimischseins nicht möglich an den inneren Ausbau der Schule, wiewohl er deutlich vorgezeichnet war, heranzutreten. Jedoch wurde das Nächste und Nothwendigste ausgeführt, anderes vorbereitet.

Was zunächst die Bildung von Wechselcursen betrifft, die bereits an Ostern bis zur dritten Klasse durchgeführt wurde, so dehnte sich dieselbe im Herbst auch auf die zweite Klasse aus, und im nächsten Herbst wird aus der Klasse IIb. die Klasse Ib. hervorgehen, so dass dann das Staffelsystem in der ganzen Vorschule und höheren Töchterschule durchgeführt sein wird. Da die Seminarklassen seit der letzten Lehrerinnenprüfung im vorigen Herbst durch die von der Re- gierung erlangte Berechtigung zur Abgangsprüfung selbständig geworden sind, ist die Nothwendig- keit eingetreten, der eigentlichen Töchterschule den Bildungsabschluss, der bis dahin in die untere Fortbildungsklasse gelegt war, für alle die Schülerinnen zu geben, die nicht die Seminarklassen besuchen wollen. Dazu genügt aber der neunjährige Cursus nicht. Daher wurde schon an Ostern 1876 für die oberste Klasse ein zweijähriger Cursus eingerichtet. Das Lehrercollegium ver- kannte zwar nicht die Unzuträglichkeiten dieser Einrichtung für beide Abtheilungen, besonders für die zweite; aber es betrachtete dieselbe auch nur als eine einstweilige Aushilfe in der sicheren Erwartung, dass die selbständig gewordene Schule bei ausreichenden Räumlichkeiten und Lehr-

kräften auch den letzten Schritt der Trennung beider Abtheilungen thun und die Töchterschule Elisabethenschule 1877. 4