Aufsatz 
Festrede bei der Feier des 100jährigen Geburtstages der hochseligen Königin Luise
Entstehung
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Vorgänger, Herr Director Eiselen im Plane durchgeführt, und zuletzt mit staatlicher Geneh- migung auch dem Namen nach ins Leben gerufen hat, auch der Töchterschule zu Gute kommen werde. Haben wir doch jetzt schon die Freude, tüchtige Lehrkräfte uns zur Seite oder in an- dern Austalten der Stadt wirken zu sehen, die in unsrer Schule ihre Ausbildung erhalten haben. Sollten wir nicht hoffen dürfen, eine Pflanzstätte zu gründen von tüchtigen Lehrerinnen, die einstens unsrer Schule zur Zierde gereichen werden!

Damit dies zur schönen Wirklichkeit werde, lassen Sie uns, meine theuern Collegen und Colleginnen, in Einem Geiste und in gleicher aufrichtiger Gesinnung vereint und freudig streben nach dem hohen Ziele. Die Sache zu fördern mit allen Kräften, das sei eines jeden Streben und gegenseitig zu helfen sei jeder bereit. Keiner hat alles, jeder und jede hat gewiss etwas, was das andre nicht besitzt, und nur vereinte Kraft macht stark.

Und nun noch zum Schluss ein Wort an Euch, liebe Schülerinnen, die Ihr heute bei uns eingeführt worden seid. Ihr grösseren wisst schon, welche Anforderungen das Schulleben an jeden einzelnen stellt; wir hoffen, Ihr werdet diesen Anforderungen gern und mit Erfolg ge- nügen und Euch dadurch wahre Freudigkeit des Schullebens erwerben. Ihr Kleinen aber, die Ihr zum ersten Male aus dem Mutterhause in eine so grosse, bewegliche Gesellschaft gebracht seid, habt keine Angst, wir sind Euch alle gut und wollen Euch Gutes thun, wie Eure lieben Eltern. Nehmt Euch zum Muster, was von der Frau Rath, deren Elisabethenschülerinnen Ihr werden sollt, gesagt wird.»Sie that alles gleich frisch von der Hand weg, das Unangenehmste immer zuerst.« Das merkt Euch wohl, und sollte Euch Rechnen oder was sonst schwer werden, so nehmt das immer zuerst, wenn Ihr noch frisch seid, dann schmeckt das Lesen oder was Euch sonst lieber ist, um so besser.

Ihr alle aber, liebe Schülerinnen, seid von uns, Euren Lehrern und Lehrerinnen, und von den grossen Mitschülerinnen, die Euch in diesen Saal geführt haben, herzlichst gegrüsst. Wir alle rufen Euch zu: Willkommen in der Elisabethenschule!

Nachmittags 2 Uhr begann der regelmässige Unterricht in allen Klassen.

So war der Einzug glücklich vollbracht und wenn auch im Lauf der folgenden Wochen und Monate noch manches äusserlich einzurichten und zu ordnen blieb, bis sich die ganze Schul- gemeinde heimisch fühlen konnte in den neuen Räumen, so litt der Unterricht doch keine Unter- prechung und die Ziele konnten rüstig verfolgt werden. Möge der Segen Gottes über unsrer Schule walten, damit sie sich unter der Fürsorge der Behörden immer reicher und gediegener entwickeln und sich des ungeschwächten Vertrauens der Bürgerschaft werth erhalten könne.