Aufsatz 
Festrede bei der Feier des 100jährigen Geburtstages der hochseligen Königin Luise
Entstehung
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13 Verhältnissen Schritt für Schritt und mit zunnehmender Sicherheit entwickelt hat, scheint ihm auch diese Weiterentwicklung unzweifelhaft. In dem neuen stattlichen Gebäude, dem sich nicht viele Mädschenschulen an die Seite stellen können, ist auch der Raum für diese weitere Aus- bildung vorhanden und die Behörde, welche wohlwollend auf alle Vorschläge des Lehrercollegiums eingegangen ist, wird auch hierbei ihre Unterstützung nicht vermissen lassen.»Nachdem er so- dann noch der von ihm schon im J. 1870 beantragten, nun für den Herbst in Aussicht ge- nommenen Einführung des obligatorischen Unterrichts in weiblichen Handarbeiten Erwähnung gethan, schliesst er den Abschnitt mit folgenden Worten:»Es sind demnach die nächsten Auf- gaben nicht gering, aber der Direktor wird bei Abgabe seines Amtes an der Mädschenschule wenigstens die Genugthuung haben, dass zwar noch einige deutlich vorgezeichnete Schritte vor- wärts gethan werden müssen, dass es aber nicht nöthig sein wird, irgend einen Schritt zurück zu thun. Die Sache der folgenden Direktion und des Lehrercollegiums wird es sein, die in der jetzigen Gestalt noch junge Schule in sich vollständig zu kräftigen und den ihr zu Grunde liegen- den Plan immer deutlicher heraustreten zu lassen.«

Beim Schluss des Sommerhalbjahres, am 23. September verabschiedete sich von dem versammelten Lehrercollegium und den Schülerinnen der höheren Töchterschule Herr Direktor Dr. Eiselen nach 9jähriger Leitung der Anstalt, die nun unter besonderer Direktion in ihr schönes Schulhaus übersiedeln sollte.»Nicht ohne lebhafte innere Bewegung nehme er von der ihm so lieb gewordenen Aufgabe, von Collegen und Schülerinen Abschied. Er dürfe aber mit Befriedigung darauf hinblicken, dass nun die Mädchenschule in ihrem Umriss vollständig aus- geführt sei, sodass es sich nun nicht mehr um eine neue Schöpfung, sondern nur um innerlich feste Begründung des im Umriss Ausgeführten handeln werde. Auch könne er die Ueberzeugung aus- sprechen, es werde die weitere Entwicklung der Anstalt in demselben Sinne wie bisher statt- finden, gehe die Direktion doch in die bewährten Hände des Herrn Dr. Weismann über, der seit so langen Jahren mit hingebender und erfolgreicher Thätigkeit als Lehrer an der Anustalt gearbeitet und ihm auch in den letztverflossenen neun Jahren als treuer College zur Seite ge- standen habe.« Wie in innerster Seele ergriffen der so Angeredete die herzlichen Worte der Aner- kennung aufnehmen und erwiedern musste, wird jeder begreifen, der weiss, wie wohl es dem Herzen thut und welche Aufmunterung es gewährt, von einem urtheilsberechtigten Collegen den Erfolg seines redlichen Bemühens freudig und rückhaltlos erkannt und in ernstem Augenblick verkündet zu sehen. Es war natürlich, dass in dem, was derselbe erwiederte, neben dem Gefühl des Dankes auch das der Wehmuth sich vorzugsweise geltend machte. Aus den Räumen sollte er ja scheiden, in welchen eine lange Zeit seines kräftigsten Schaffens an dem heiligen Werke der Jugendbildung beschlossen lag! Liebe und hochverehrte Collegen hatten ihn, den Anfänger freundlich in ihre Mitte genommen und bereitwillig unterstützt, bis er selbst, in die Reihe der Aelteren vorgerückt, seine dankbare Gesinnung für die Unterstützung an den jüngeren Collegen durch bereitwilliges Zusammenwirken mit ihnen thatsächlich beweisen konnte. Waren doch ganze Generationen von Schülerinnen, die er für das Wahre, Gute und Schöne befähigen und er- wärmen durfte, längst in dem Leben selbständig geworden und ihre Kinder, die nun an ihrer Stelle sassen, bezeugten die treue dankbare Anhänglichkeit der Mütter an die Stätte ihrer einstigen Jugendbildung! Und wie viele theuere Mitarbeiter, wie viele Schülerinnen waren bereits aus dem Leben geschieden! Von allen Mitgliedern des Lehrercollegiums, in das er eingetreten, war nur noch einziger geblieben, Christian Hahn, der hochverdiente Genosse eines Seel, Diesterweg, Ackermann, Scholderer, der unter drei Direktoren immer gleich freudig und rüstig thätige, der seinem Amte ununterbrochen fast sechzig Jahre hindurch mit kaum ge-