Aufsatz 
Festrede bei der Feier des 100jährigen Geburtstages der hochseligen Königin Luise
Entstehung
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2. Zur Geschichte der Schule.

Zum ersten Male tritt die bisherige Mädchen-Abtheilung der Musterschule als selbständige höhere Töchterschule mit einem Bericht in die Oeffentlichkeit und hat die Freude, Hochlöbliche Behörden unserer Stadt, sowie die verehrten Eltern unserer Schülerinnen und alle Freunde des Schulwesens und der Jugendbildung zu ihren Prüfungen einladen zu können. Die hohe Be- deutung, die dieser entscheidende Lebensabschnitt in ihrem ferneren Entwickelungsgange haben muss, veranlasst uns, den Hergang der Uebersiedelung getrennt von der Chronik der Anstalt darzustellen und der Geschichte der Stadt einzureihen.

Wie sich die Musterschule von ihrer Gründung im Jahre 1803 bis zum Jahre 1865 stetig entwickelt und erweitert hat, finden wir in einer, aus den Akten mühsam und fleissig geschöpften, gediegenen Abhandlung des Direktors der Austalt, Herrn Dr. Kühner dargestellt, welche der Ein- ladungsschrift letztgenannten Jahres beigegeben ist. Als zwei Jahre darauf Herr Direktor Kühner nach längerer Beurlaubung, während welcher Herr R. Jaeger das Direktorium der Realschule und der Schreiber dieser Zeilen das der Mädchenschule abermals ein Jahr hindurch führten, in den wohlverdienten Ruhestand trat und an seine Stelle Herr Dr. Fr. Eiselen von Wittstock als Direktor berufen wurde, fand dieser zwar ein wohlgeordnetes Ganzes in beiden Hälften der Schule vor; aber der Lehrplan genügte nach keiner Seite mehr den gesteigerten allgemeinen und durch die veränderten politischen Verhältuisse noch insbesondere bedingten Anforderungen der obersten Be- hörden und der Bürgerschaft. Mit welcher Einsicht und Energie Herr Direktor Eiselen diese Forderungen, soweit sie berechtigt waren, zu befriedigen verstand und mit welcher zähen, unermüdlichen Ausdauer er das, was hindernd in den Weg trat, zu beseitigen wusste, das nach- zuweisen ist an diesem Orte nicht unsere Aufgabe. Die Knabenschule zu einer Realschule erster Klasse auszugestalten, die Mädchenschule zu einer vollständigen zehnklassigen höheren Töchterschule mit Fortbildungsklassen für künftige Lehrerinnen zu entwickeln, das war das TZiel, nach welchem er strebte, besonders nachdem die Schule aus den Händen einer privaten Schul- Deputation in die der städtischen Behörden übergegangen und in den Gesammtschulorganismus eingereiht worden war. Wie weit es seiner rastlosen Thätigkeit gelungen ist, die Mädchenschule von der wir hier allein zu sprechen haben, dem Ziele zu nähern, zeigt die diesjährige Statistik der Anstalt im Vergleich mit der des Jahres 1867, in welchem er sein Amt übernahm. Und als im Beginn des vorjährigen Sommercursus die vollständige Trennung der beiden unter einer Leitung und in einer Räumlichkeit bis dahin vereinten Anstalten auf den Herbst festgesetzt werden konnte, war er, wie einer, der aus einem ihm liebgewordenen Wirkungskreise scheidet, eifrigst bedacht, noch vor seinem Scheiden Schritt für Schritt zum völligen Ausbau der Schule vorwärts zu thun oder wenigstens anzudeuten. Mit Recht konnte er daher in der Ein- ladungsschrift zu den Prüfungen des vergangnen Jahres sagen: Der jetzige Direktor wird diese Ausbildung nicht mehr durchzuführen haben; aber wie sich bisher alles unter weit schwierigeren