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anlegen zu wollen, besonders da auch der Kronprinz Einfachheit und Natürlichkeit liebte und in liebenswürdig-ironischer Weise ihre Anordnungen zu umgehen wusste. Das Leben des jungen Paares war ein echt deutsches Familienleben voll Liebe und Treue. Der»Schulze von Paretz«, wie sich der Kronprinz gern nannte, und»die gnädige Frau von Paretz« waren ein weithin leuchtendes Vorbild altbürgerlicher Zucht und Tugend. Auch nach ihrer Thronbesteigung 1797 behielten sie am liebsten ihr einfaches Leben bei; doch wenn die Pflficht rief, leisteten sie auch gern Verzicht und gehörten dann ganz dem Staate und ihrem Volke. Und hier war es, wo der schweigsame König an der beredten und höchst umgänglichen Königin eine vortreffliche Ergän- zung fand, eine liebenswürdige Vermittlerin zwischen dem Herrscher und seinem Volke.
Zehn Jahre vergiengen dem königlichen Paare in diesem innigen Zusammenleben und Zusammenwirken, Jahre reinsten Glückes und reichen Segens. Söhne und Töchter wurden ihnen geschenkt und die gemeinsame Sorge um deren Entwickelung erhöhte ihr gegenseitiges un- bedingtes Vertrauen.(s. Brief an Prof. Heidenreich in Leipzig 1798.)»Ihre Kinder zu wohl- wollenden Menschenfreunden zu bilden«, war Luisens heissester und liebster Wunsch.»Auch an den Sorgen der Regierung nahm die Königin gern und gewiss erfolgreich Theil; aber nie strebte sie nach Einfluss auf die Angelegenheiten, wenn der König nicht ihre Ansicht und ihren Einfluss be- gehrte, und was von ihm beschlossen wurde, das nahm sie als das beste, auch wenn es ihrem Wunsche und selbst ihrer Ueberzeugung nicht entsprach. Schwer ward es ihr freilich, namentlich in den verhängnisvollen Jahren von 1805 an, für ihre echt deutsche Gesinnung nicht Anklang in den Kreisen zu finden, die zu entscheiden hatten; um so mehr aber hielt sie, die begeisterte Verehrerin Schiller's, es für ihr Recht nicht nur, sondern für ihre Pflicht dieser Ge- sinnung bei jeder Gelegenheit Ausdruck zu geben.»Ans Vaterland, ans theure, schliess dich an! das halte fest mit deinem ganzen Herzen; hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.« Das wiederholte sie mündlich und schriftlich mit Begeisterung. Und wahrlich! durch diese Gesin- nung hat sie, wenn auch nicht so augenscheinlich, doch nicht minder erfolgreich gewirkt auf die Weckung des vielfach verkümmerten Patriotismus, als Fichte mit seinen herrlichen Reden an die deutsche Nation und Schleiermacher mit seinen patriotischen Kanzelreden. Der König war wohl eben so deutsch gesinnt und so sittlich stark und rein, wie Luise; der frömmelnden Heuchelei und dem unssittlichen Treiben einer Partei am Hofe machte er sofort nach seiner Thronbesteigung ein Ende; aber dem Einfluss schwacher und charakterloser Männer sich zu ent- ziehen, die ihn in seiner Jugend geleitet hatten, dazu fehlte es ihm an rechtem Selbstvertrauen und an Entschlossenheit. So kam es, dass er in der Stunde der Gefahr, dem Rathe charakter- loser Minister folgend, neutral blieb in dem entscheidenden Kampfe Napoleons gegen Oestreich und dann, als er nach mancher bittern Demüthigung in den Kampf für die eigne Selbständig- keit eintrat, mit einem mangelhaft organisierten, kriegsentwöhnten und schlecht geführten Heere dem Andrang des gewaltigen Schlachtenkaisers unterlag und auch durch die tapferen Heere seines Verbündeten nicht vor der Schmach des Tilsiter Friedens gerettet werden konnte.
In diesen Jahren der höchsten Noth, wo Wetterschlag auf Wetterschlag die königliche Familie bis an die äusserste Grenze des Reiches verfolgte und zu den Gefahren des schrecklich- sten aller Kriege materielle Noth, eigne schwere Krankheit und Krankheit der Kinder sich ge- sellte: da stand sie fest und ungebeugt, die hohe Frau, Trost und Licht ihres Gemahls, leuch- tendes Vorbild für alle, die sie sahen. Selbst vor dem herzlosen Sieger, der sie in seinen Lügen- blättern als die Urheberin des Krieges geschmäht hatte, verlor sie bei den persönlichen Zusammen- künften die Fassung nicht und nöthigte ihm noch in den Memoiren von St. Helena das Geständ- nis ab, sie habe sich bei den Unterredungen bewundernswürdig gehalten. Das herrlichste


