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in ihrem Leben erhalten. Hier begegnete sie nemlich zum ersten Male dem Fürstensohne, an dessen Seite sie beglückt und beglückend durchs Leben wandeln sollte. Im Frühling des Jahres 1793 stellte die Grossmutter, von einem Besuche bei ihrer ältesten Enkelin Charlotte, der Her- zogin von Hildburghausen, zurückkehrend, die 17jährige Luise und ihre jüngere Schwester ihrem Neffen, dem König Friedrich Wilhelm II. vor, der in dem ersten Kriege gegen Frankreich sein Hauptquartier hier aufgeschlagen hatte. Bei dem König waren auch die beiden Söhne, der Kronprinz und der Prinz Ludwig. Der König lud sie ein, nach dem Schauspiel bei ihm zu Nacht zu speisen. Dieser Abend entschied für ihr Leben. Die in zauberhafter Anmuth und erhabner Schönheit strahlende Luise machte auf den Kronprinzen Friedrich Wilhelm einen so fesselnden Eindruck, dass der erste Blick seine Wahl entschied. Die tiefe Zuneigung des Prin- zen, dessen stattliche Erscheinung durch den schlichten Adel seines Wesens noch gewann, wurde von Luise erwiedert, und da gleichzeitig der jüngere Bruder, Prinz Ludwig, sich zu der schönen Schwester Luisens, Friederike, hingezogen fühlte, konnte nach einem Monat, am 24. April 1793 zu Darmstadt das Fest der Doppelverlobung gefeiert werden.
Die Belagerung von Mainz durch die Preussen, die sich bis in den Hochsommer hinaus- zog, gab auch Goethe, der seinen Herzog in den Krieg begleitet hatte, Gelegenheit die beiden Prinzessinnen bei einem Besuche ihrer Verlobten zu sehen. Er berichtet darüber:»Gegen Abend war uns, mir aber besonders, ein liebenswürdiges Schauspiel bereitet; die Prinzessinnen von Mecklenburg hatten im Hauptquartier bei Sr. Maj. dem König gespeist und besuchten nach der Tafel das Lager. Ich heftelte mich in mein Zelt und durfte so die hohen Herrschaften, welche unmittelbar davor ganz vertraulich auf- und niedergiengen, auf das genaueste beobachten. Und wirklich konnte man in diesem Kriegsgetümmel die beiden jungen Damen für himmlische Erscheinungen halten, deren Eindruck auch mir niemals erlöschen wird.«
Zu Ende des Jahres, nachdem der König und die Prinzen nach Berlin zurückgekehrt waren, hielten die beiden verlobten Schwestern unter dem Jubel der Bürgerschaft ihren Einzug in die Hauptstadt und am Tage vor dem heil. Abend fand die Trauung Luisens mit dem Kron- prinzen statt. Fouqué schrieb damals:»Die Ankunft dieser engelschönen Fürstin verbreitet über jene Tage einen erhabenen Lichtglanz; alle Herzen flogen ihr entgegen, und ihre Anmuth und Herzensgüte liess keinen unbeglückt.«
Das ist eben das ganz eigenartige dieser wunderbaren Erscheinung, dass der ernste, tiefblickende Geist und das innig-fromme Gemüth der Anmuth und Liebenswürdigkeit des Weibes das Siegel hehrer Majestät aufdrücken, einer Majestät, die, nicht selbstbewusst und be- rechnet, neben der Verehrung auch die innigste, unbefangenste Liebe in allen erzeugt, die einem solchen hehren Wesen begegnen. Luise behielt als Kronprinzessin und als Königin ihr schlich- tes Wesen bei. Forderte es nicht die Etikette, so mied sie alles Prunken und Repräsentieren und liess es sich trotz den aufangs oft bedenklichen Mienen der Oberhofmeisterin nicht nehmen, nach ihrem Gefallen und ihrer Neigung zu leben. Schon bei ihrem Einzug zeigte sich dies in unbefangenster, lieblichster Weise. Als sie unter einer riesigen Ehrenpforte von 80 weiss ge- kleideten Kindern mit Blumengewinden und einem Festgedichte begrüsst wurde, hob sie die kleine Sprecherin zum Entzücken des sie umwogenden Volkes zu sich in den grossen goldenen Staatswagen, schloss sie, von Rührung überwältigt, in ihre Arme und küsste sie.
»Mein Gott, was haben Ew. k. Hoheit gethan; das ist ja gegen alle Etikette!« sagte erschrocken die gegenübersitzende Oberhofmeisterin.»Wie, darf ich das nicht mehr thun?« lautete die Antwort. Aber auch diese Sklavin der höfischen Manieren wurde bald von dem inneren Adel und der engelgleichen Herzensgüte Luisens ergriffen und hütete sich, ihr Zwang


