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pelten Arbeit, welche hier an ihr getrieben werden ſoll, des Unterrichts und der Erziehung. Iſt aber der Zweck alles höheren Unterrichts ſchließlich die Erzeugung echt wiſſenſchaftlicher Geſinnung, ſo ſoll das Ciceronianiſche Wort, mit welchem der Eingang geſchmückt iſt diligentia omnibus in rebus plurimum valet, ſie darauf hinweiſen, daß Durchgang und Mittel zu dieſer Weihe des Lebens, welche in einer echt wiſſenſchafttichen Geſinnung liegt, allein iſt der Fleiß, deſſen auch der Begabteſte nicht entrathen darf, und der auch den Minderbegabten ans Ziel führt. Und iſt andererſeits der Zweck der Erziehung die Herausbildung tüchtiger Mannesperſönlichkeiten, der virtus, ſo ſoll das andere Wort: pudor est fundamentum virtutis auf diejenige Weihe hinweiſen, welche die Weſenseigenthümlichkeit des Jünglingsalters ausmacht, das Ehrge⸗ fühl, nicht jenes falſche, welches in ungeahntem Reichthum ſich erſt einſtellt unter der Wirkung der Strafe, ſondern das wahre Ehrgefühl, das alles Schimpfliche meidet, ſich ſelbſt in Zucht nimmt und dadurch die Züchtigung unnöthig macht; jenes urſprüngliche Gefühl für das Sittliche, für alles Hohe und Tiefe, für das Ideale, jene ehrfürchtige Geſinnung, die Keuſchheit des Gemüths, die Scheu vor dem Heiligen, die Empfänglichkeit endlich auch für das Wehen des göttlichen Geiſtes und ſeiner Offenbarungen.
Denn daher ſoll die ideale Geſinnung, welche die Schule in die Herzen der Jugend pflanzen will, ihre höchſte Weihe nehmen. Das sursum corda, empor den Blick in das Reich des Idealen wird ein Durchgang ſein müſſen zu der eigentlichen Bedeutung: empor den Blick zu den Geheim⸗ niſſen der jenſeitigen Welt, empor die Herzen dem Heiland und Friedefürſten entgegen. So erſt erhalten Geſinnung und Character die höchſte Weihe einer ſittlich geläuterten Perſönlichkeit, welche auf dem Grunde ruht eines lebendig religös ergriffenen, in einem lebendigen Verhältniß zu Gott ſtehenden Gemüthes. Wolle Gott der Herr geben, daß nie dieſem Hauſe die Weihe fehle, welche eine heilsbedürftige Jugend ihm giebt, daß viele Geſchlechter von Knaben in ihm aus⸗ und eingehen, in welchen die Sehnſucht nach Wahrheit recht lebendig angefacht, die Organe zur Aufnahme der tiefſten Bildung, welche immer aufwärts führt in die Höhen einer jenſeitigen Welt, recht zubereitet und geſtärkt, und damit ſchließlich das Heimathsgefühl einer Seele geweckt werde, die in dem Ewigen ihre Ruhe findet.
Das iſt die eine Heimath, für welche wir unſere Jugend erziehen; die andere iſt die Hei⸗ mathswelt hienieden, in welche uns der Durchgangspunkt unſerer Exiſtenz, welche wir Erdenleben zu nennen pflegen, hineingeſtellt hat. Was nun erwartet im Hinblick auf dieſe Heimath die Weihe des Hauſes von den Generationen, welche ihren Einzug über ſeine Schwelle halten und halten werden? Daß ſie geſchickt werden wie zu aller Lebensarbeit, ſo zur höchſten Arbeit der Nation, daß ſie ſich mit der ganzen Weihe echt deutſcher Geſinnung erfüllen, ans Vaterland ans theure ſich anſchließen, dieſes feſthalten mit ganzem Herzen.— Und wie iſt es da der Jugend, welche heute hier ihren Einzug hält, ſo leicht gemacht, ſolche Weihe ſich anzueignen. Noch wirft die Erinnerung an eine ſelbſterlebte, große Zeit ihren lichten Schein in die Gegenwart; ſie ſelbſt, die Jugend, iſt Zeuge geweſen großer Thaten in ſo wunderbarer Fülle, daß kaum irgend wann in der Weltgeſchichte eine reichere auf ſo engem Raum ſich zuſammendrängte; ſie lebt im Anſchauen ſo großer Perſönlichkeiten, wie ſie ſonſt nur in Zwiſchenräumen von Jahrhunderten über die Bühne des Völkerlebens zu ſchreiten pflegen, lebt unter dem Scepter des größten aller Herrſcher, welche die geſammte neuere Geſchichte aufzuweiſen hat, der uns die ganze Größe der jüngſten Vergangenheit, die Erfüllung aller Hoffnungen der deutſchen Nation, den Glanz und die Herrlichkeit des engeren


