Aufsatz 
Bericht über die Einweihung des neuen Gymnasial-Gebäudes / vom ... Otto Frick
Entstehung
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es zuerſt heute geweiht durch Gottes Wort aus Prieſters Mund; darum ſoll der Blick des Ein⸗ tretenden zuerſt fallen auf die Mahnung: Lerne, lehre Gott zur Ehre; darum hier in der Aula jener der h. Schrift entnommene Wahlſpruch des größten der heſſiſchen Regenten Philipp's des Großmüthigen, welchen ſeine Landsknechte einſt auf dem Reichstag zu Worms auf ihren Fähn⸗ lein und Aermeln trugen: Verbum dei manet in aeternum, darunm endlich dort die Erinnerung an das köſtliche Lied unſeres heimathlichen Sängers Joſua Stegmanns:Ach bleib mit deiner Gnade bei uns Herr JeſuChriſt; Ach bleib mit deinem Segen bei uns du reicher Herr.

Ja die Weihe unſerer Arbeit und damit die Weihe unſeres Hauſes iſt doch nur denkbar, ſo lange dieſe Sinnſprüche nicht leere Worte ſind und nicht Lügen geſtraft würden durch eine Arbeit, welche meinen wollte, Gottes des Herren und ſeines Evangeliums entrathen zu können im Dienſte der Jugend.

. Das führt uns zu dem zweiten. Liegt an ſich ſchon in den Lehrgegenſtänden eine Weihe, ſo muß ſie recht eigentlich doch hineingetragen werden durch die Art ihrer Auffaſſung und Behand⸗ lung. Es ſind die Lehrenden zunächſt die Herren, welche dieſem Hauſe ſeine Ehre geben ſollen; da wird denn ſeine Einweihung zu einer ernſten Mahnung an unsſelbſt, uns zu prüfen, in wie weit unſere Arbeit gegründet iſt auf klarem Verſtändniß der eigenthümlichen Aufgaben unſeres deutſchen Volkes und unſerer ſo großen, und doch auch ſo wirren Zeit, auf tieferem Verſenken in die Aufgaben aller höchſten Erziehungs⸗ und Bildungsarbeit, in wie weit ſie in Wahrheit geworden iſt eine mit klarem Bewußtſein und mit ernſtem Ringen nach Meiſterſchaft geübte Kunſt, nicht ein handwerksmäßiges oder gar unklares, planloſes, vom Zufall regiertes Experimentiren; daß wir ſtehend inmitten der Bildungsarbeit, ſelbſt theilhaftig geworden ſind jener höchſten Bildung, die da iſt: Verklärung des natürlichen Menſchen zur Harmonie des innern Lebens mit der Welt um uns, in uns und über uns, hinein in die Wahrheit des ewigen Lebens und in das Bild Chriſti; daß wir, berufen Charactere und Perſönlichkeiten zu bilden, ſelbſt nicht dem ſchwankenden Rohre gleichen, ſondern Granit und Eiſen genug ſind, um unbeirrt um die wechſelnden Urtheile der Tagesmeinung, unent⸗ wegt auch durch etwaiges Mißverſtändniß unſerer Arbeit, oder gar perſönliche Mißgunſt in ruhiger und ſicherer Erkenntniß der Erziehungskunſt unſere Arbeit an den Knaben und Jünglingen ſo treiben, daß ſie uns danken dereinſt als Männer. Nehmen wir aber zu dem allen Kraft aus der lauterſten, ſelbſtloſeſten Liebe zur Jugend, ſo wird, was ſolche Liebe, was Treue, aber auch was Demuth heißt, zu voller Klarheit uns recht aufgehen, wenn wir den Dienſt an der Jugend auch anſehen als einen Gottesdienſt und einen Dienſt am Evangelium. So wiederholen wir als Weiheſpruch für das vollendete Haus den betenden Wunſch, den wir einſt über dem Grundſtein ſprachen: Daß es dieſem Hauſe nie fehlen möge an Lehrern, welche ſelbſt gegründet und erbauet im Ewigen auch geſchickt ſind, zu bauen für das Ewige, aus dem Reichthum ihres Wiſſens der durſtigen Jugend Ströme zu ſpenden lebendigen Waſſers, und aus der Kraft eines charactervollen Wirkens ihr einen Anſtoß zu geben zu einer ewigen Bewegung.

Denn der Jugend vor allem gilt doch die heutige Feier; an ſie heften ſich zu allermeiſt immer wieder und wieder die Empfindungen dieſes Tages und auch dieſer Stunde. Was hat ſie, die jetzige, was haben ſie, die ſpäteren Generationen, welche in dieſen Räumen ihren Eingang und Ausgang halten ſollen, zur Weihe des Hauſes hinzuzuthun? Woran mahnt ſie die Feier einer Einweihung? daß ſie, in ſchlichter Empfänglichkeit und erhobenen Herzens ſich hingebe der dop⸗