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Hand über uns gehalten, daß kein Schaden noch Unfall das Werk getroffen und gehindert hat, ſo daß wir es nun heute fröhlich weihen können zu ſeiner hohen Beſtimmung. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir iſt ſeinen heiligen Namen; lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. So laß Dir wohlgefallen die Opfer unſeres Dankes und leihe ein gnädiges Ohr unſern Bitten, mit denen wir jetzt Dir nahen. Nimm auch fernerhin dieſen Bau in Deinen gnädigen Schutz und Schirm und gieb Deinen reichſten Segen zu der Ar⸗ beit, die von nun an darin ſoll gethan werden. Erleuchte und heilige Alle, die darin lehren und lernen ſollen, damit ihre Arbeit geſchehe zu ihrem Heile und zur Ehre Deines hochheiligen Namens. Du haſt uns geſchaffen zu Deinem Bilde und uns berufen, daß wir Dich ſuchen und finden und in Dir wahres Glück und wahres Heil gewinnen ſollen. Du haſt uns Deinen eingebornen Sohn geſandt, damit er für uns ſei der Weg und die Wahrheit und das Leben: es kann ja Niemand zu Dir kommen ohne durch ihn. So laß denn Lehrer und Schüler eins ſein, in der Treue und Liebe zu Dir und Deinem Worte: Dein Wort bleibet in Ewigkeit. Laß allezeit einen guten Samen ſtreuen in die jungen Herzen, daß für das himmliſche wie für das irdiſche Vaterland ein Geſchlecht heranwachſe von Deinem Geiſte gelehrt und geſchickt zu allen guten Werken. Habe auch hier Deine Wohnung unter uns und in uns, damit wir ſeien und bleiben lebendige Steine an Deinem geiſtlichen Tempel. Das, Herr, hilf uns; Herr, laß wohl gelingen, wie wir Dich anrufen im Namen Deines lieben Sohnes: Vater unſer, Der Du biſt im Himmel ꝛc. ꝛc.“ Amen.
Nach der Ausführung der Bortniansky'ſchen Motette„du Hirte Israels“ durch den Gymnaſial⸗Chor, eröffnete der Provinzial⸗Schulrath Dr. Rumpel die neue Anſtalt mit einer längeren Anſprache. Er nahm ſeinen Ausgang von dem herzlichen Wunſche, daß Gott der Herr ſeinen Segen auf der Anſtalt, wie bisher, ruhen laſſen wolle. Es werde die Anſtalt nunmehr in dem neuen, ſchönen Gebäude, in welchem ſie eine würdige Stätte gefunden, ſich freier, friſcher, vollkommener in jeder Beziehung entfalten können; Lehrer und Schüler würden mit neuer Freudig⸗ keit ihre Arbeit vollbringen, würden die Aufgabe, welche ſie zu löſen hätten, nach ihrer ganzen großen Bedeutung von Neuem ſich vor die Seele ſtellen, und ihre ganze Kraft einſetzen, daß ſie würdig gelöſt werde. Darauf berührte der Redner kurz die wiſſenſchaftliche, patriotiſche und religiöſe Aufgabe der Schule und ſprach zum Schluß im Namen der Staatsbehörde allen denen, welche an dem Bau mitgewirkt hatten, namentlich den Herrn Baurath Raſchdorff, Maurermeiſter Wiß⸗ mann und Bauführer Steinborn den anerkennendſten Dank aus.— 4
Nachdem ſodann der Gymnaſial⸗Chor die Motette„der Herr iſt mein Hirte“ von Klein ausgeführt hatte, folgte die Feſtrede des Unterzeichneten, deren Gedanken⸗Gang durch die das Veſtibul und die Aula ſchmückenden Sinnſprüche beſtimmt wurde und deren Wortlaut wir zur Erinnerung an den für die Geſchichte des hieſigen Gymnaſiums ſo bedeutſamen Tag im Folgenden wieder geben.
„In Gottes Uamen, Amen.“
„Als wir vor anderthalb Jahren den Grundſtein zu dem Gebäude legten, welches wir heute zu weihen im Begriff ſind, waren es Wünſche mannigfacher Art, welche der Hinblick auf den Be⸗ ginn des Baues uns nahe legte.“ Da wurde unſer„das walte Gott“ zunächſt zu dem betenden Wunſch, daß Er in Seine treue Hut nehme alle, die an dieſem Werke ſchaffen, daß nicht ein Un⸗ fall ſie treffe und nicht Seufzer und Klagen mit hinein gebaut würden, ſondern fröhliche Gedanken einer in freudiger Hoffnung ſchaffenden Genoſſenſchaft;— wir preiſen Gottes Gnade, daß Er dieſen unſern Wunſch hat in Erfüllung gehen laſſen; ohne jeden Unfall iſt der Bau hinausgeführt worden,
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