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wie gemachte Begeisterung? Wer noch zweitfelt, gehe und sehe, was der Kinématograph in diesen Tagen zeigt: Seine vaterländischen Filme sind in der Tat nicht ohne Verdienst, und der von Theodor Körner zumal bedarf keines weitern Wortes der Empfehlung oder Erläuterung.— Habe ich nötig, hier ferner der ganz bekannten Tatsachen zu gedenken, wie im Jahre 1813 sechzehnjährige Knaben sich zu den Waffen drängten, wie Frauen und Jungfrauen ihr Geschmeide, ihre goldenen Ringe, ihr Haupthaar opferten, um Geld zu schaffen für die Bedürfnisse des Kriegs?— Und doch war 1813 der Zusammenschluf trotz allem noch nicht einmal so einheitlich und nachhaltig, und wäre 1812 nicht vorausge- gangen, wer weiß, ob es dazu gekommen wäre.—
Noch namenlos viel Selbstüberwindung, noch Jahrzehnte unerfüllten Sehnens, großer innerer Not waren erforderlich, ehe 1870 kommen sollte, wo Nord und Süd sich mit Blut
und Eisen zusammentaten.— Krupp'sche Kanonen sollen da das Beste, wenn nicht alles, getan haben? Und von ihnen ist ja gerade in diesem Jahre— und nicht allein in den Jubiläumstagen der Weltfirma— so ganz besonders viel die Rede gewesen, und ihr Ruhm,
der über die Erde reicht, und ihr grausamer Anteil soll ihnen gewiß nicht, kann ihnen von niemand geschmälert werden. Aber Kanonen schießen und treffen nicht von selbst, Kanonen wollen bedient sein, Kanonen müssen vor allem zur Stelle sein, wo und wann es gilt, sie müssen geladen und— zuletzt das Schwerste und Wichtigste— müssen gerichtet werden und recht gerichtet werden, wenn sie ihren furchtbaren Zweck, ihre Wirkung nicht verfehlen sollen.— Nein: Manneszucht, Zusammenschluß, Zusammenguß von Menschenmaterial, von Völkern, das war nõtig, und das kam, Zusammengehen, Zusammenstehen von allen unseren deutschen Völkerstämmen, die vor sich und zwischen sich den Gegner erdrückten.
Brauch ich an Einzeltaten zu erinnern? An Einzelschläge, die geführt wurden? — So sei des Tages von Wörth gedacht, von Wörth, wo der zuschauende Engländer sagte: „Those are not men advancing, not battalions advancing, those are walls«—„Das sind nicht Menschen, die da vorgehen, das sind nicht Bataillone, die da vorgehen, das sind Mauern“.— So fest haben alle also zusammengestanden, so fest war der Zusammenhalt schon damals gleich im Anfang! Und Sedan? Ein großartigeres Zusammenwirken hat die Weltgeschichte wohl nicht aufzuweisen. Und wer an der echten Begeisterung zweifelt, mit der Nord und Süd hier zusammengewirkt und den gewaltigen,— gleichsam eisernen Einschließungsring zustande gebracht haben, der lese die Jugenderinnerungen und Kriegs- briefe eines guten Altfrankfurters und nachmaligen Preußen, der erst vier Jahre vor dem Kriege mit seiner Vaterstadt zu dem norddeutschen Staate hinzugekommen war: Adolf Festers— des angesehenen Frankfurter Anwalts— Aufzeichnungen und Briefe sind vor nicht allzulanger Zeit erschienen, und jeder von euch, meine lieben Schüler, kann sie in der Schülerbibliothek haben. Hier nur ein paar Sätze daraus! Seite 52 heißt es wört- lich:„Ich bin nicht imstande, die Erlebnisse der letzten acht Tage jetzt geuauer mitzu- teilen. Die Feder kann den Gedanken nicht nach. Der 1. September ist vielleicht der größte Tag seit Jahrhunderten. Was geschehen ist durch uns, das süddeutsche Korps, das noch nicht wie Altpreußen im Waffenhandwerk aufgewachsen ist, scheint märchen-
haft... Die Nacht nach der Schlacht war ein schauderhaftes Biwak. Strömender Regen usw. und zur Erwärmung nur inwendig das Siegerbewußtsein“.— Und in demselben
Briefe weiter unten:„Heute früh war hier Gottesdienst in der sehr großen und schönen katholischen Kirche. Unser Divisionsprediger Lohmann hielt eine ergreifende Rede, wie


