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Augen und geht mit dem heutigen Tage— laßt mich sagen mit dieser der Weihe so vollen Stunde— in den Besitz der Schule über. Es ist mir deshalb eine große Freude, gerade heute an dieser Stelle stehen und zugleich euren Gefühlen, wenn anders ich euch recht verstehe, offenen Ausdruck verleihen zu dürfen.“—
Und jetzt nach 22 Jahren,— wie steht es nun da mit jener Begeisterungsfähig- Keit?— Ich wollte der Fahne, die bei meinem Verhalten— wohl bemerkend, was in meinem Innern vorging,— immer lebendiger geworden war und noch hoch aufgerichtet vor mir stand, von den veränderten Zeiten reden. Da war ich aber gerade an die richtige Adresse gekommen:„Was? Veränderte Zeiten?“— hat sie laut gescholten.„Es gibt Dinge, die zu allen Zeiten gleich sein sollten, sonst o weh!— Noblesse oblige!“— in fremden Zungen hat die Fahne in ihrer Erregtheit gar auf einmal geredet, Französisch hat sie auf einmal gekonnt.—„Jawohl,“ hat sie dann aber wieder gut und echt deutsch fortgefahren, „Anstand verpflichtet!— Wer das richtige Empfinden hat, der weiß immer und unter allen Umständen, was er auch nach den ungeschriebenen Gesetzen, Verordnungen oder Bestim- mungen zu tun und zu lassen hat!“
Als ich immer noch nicht nachgeben wollte, da ist aber die redende Fahne, die in einen heiligen Zorn geraten war, ganz falsch geworden und hat mir einfach das Wort „Fahnenflucht“ an den Kopf geschleudert. Und sie ließ sich nur beschwichtigen, als ich auf den bevorstehenden 2. September hinwies und versprach, ihre Sache an diesem Tage zu vertreten und die Jugend mit allem Nachdruck an die Begeisterungsfähigkeit der früheren Zeiten zu erinnern..
Und in der Tat, es ist doch sehr gut, daß wir unsere vaterländischen Feste noch haben und damit die Gelegenheit, uns immer wieder mal ins Gedächtnis zu rufen, daß wir zusammengehören, nicht nur Stadt und Land, sondern auch Schüler und Schüler, Lehrer und Schüler, Elternhaus, Schule, Stadt, Staat, Land und— Landesfürst— ja, daß wir alle miteinander, vom Kleinsten bis zum Größten in jederlei Sinn und Bedeutung, allzeit zusammengehören, und daß wir uns dieser Zusammengehörigkeit in deutschen Landen bewußt bleiben müssen, wenn nicht das Beste am Menschen uns verloren gehen soll—
das Beste, das Wertvollste, das Unentbehrliche.— Das ist und bleibt aber jene Begeiste- rungsfähigkeit, von der es beim Dichter heißt:„Tausend Hände belebt ein Geist, hoch schläget in tausend Brüsten von einem Gefühl glühend ein einziges Herz“,— jene Be-
geisterungsfähigkeit, die uns zur rechten Zeit und in der rechten Sache den eigenen und den einzelnen Menschen hintansetzen läßt gegenüber der Gesamtheit und uns von innen heraus ermuntert, alle unsere Karten einzusetzen für das Eine, das sein sollte.
Und von dieser Begeisterungsfähigkeit, die erhält und zusammenhält, laßt mich jetzt noch ein weniges sagen. Es wird ja von ihr gerade so gern behauptet, daß es so etwas in Wirklichkeit gar nicht gäbe, daß alles nur ein Kunstprodukt, etwas Gemachtes sei.
lch meine: Da brauchen wir doch jetzt gerade nur ein Jahrhundert zurückzudenken. Das Jahr 1913 naht— mit seinen Erinnerungen an 1813! Die Völkerschlacht bei Leipzig wird wieder gefeiert werden, unter Beteiligung aus allen deutschen Gauen und Landen wird das Denkmal an sie eingeweiht werden. Woher sind die Mittel zu diesem Denkmal geflossen? Aus gemachter Begeisterung?— Nun, und Theodor Körner und alle seines- gleichen in der Zeit der Befreiung selbst?—„Frisch auf, mein Volk, die Flammenzeichen rauchen...“ Klingt das und klingt die Geschichte von Leben und Tod des Dichters


