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immer vom Herzen zum Herzen, über einige Verse aus Psalm 118, die Ihr Euch nach- schlagen könnt, ungefähr so:»Ein Wunder ist geschehen vor unseren Augen; jauchze, mein Herz; hilf weiter, o Herr.- Man hat viel gespottet über den Gottesdienst im preu- gischen Heer und die preußische Frömmigkeit. Kommt, schlagt Euch wie wir, blutet wie wir und dann spottet noch.“
Taten- und Kriegerstolz, erwärmendes Siegerbewußtsein, dankerfülltes, tiefernstes frommes Empfinden— Begeisterung— liegen diese braven, wackeren Tugenden weit auseinander? Wir bewundern und fragen weiter: Woher ist solch Wunderbares uns Menschen gekommen?
Wo solche Begeisterung entspringt und wie im letzten Grunde, wer weiß es? Sollte es nicht der göttliche Funke sein, der dorther stammt, aus jener Ewigkeit, wo die Seele des Menschen ihre Heimat hat, der göttliche Funke, der über das Diesseits hinaus- weist oder doch über die strenge Forderung des Tages?— in das„au delà“, das mir, wenn auch nicht in ganz gleicher Bedeutung, aus der Lektüre über den großen Franzosen Pasteur vorschwebt, auf den uns die französischen Lesestunden in der Untersekunda führten, und dem wir dann auch gute deutsche Männer der Wissenschaft und insonderheit einen uns Frankfurtern wohl bekannten an die Seite stellen konnten.
Es ist ja ein gewaltiger Sprung, den ich da mache, aber ist nicht Pasteur auch ein begeisterter Kämpfer gewesen, ein Sieger nicht über sichtbare Schwadronen, Armee- korps, Heere, aber über Millionen und Milliarden unsichtbarer Feinde? Und woher hat er zu seinen gewaltigen Siegen, die er für uns alle errungen, die Kraft, das Können, das Wollen, die Begeisterung hergenommen? Er sagt es uns selbst, wenn er von der Herzens- religion, von dem Kultus, der Verehrung, von der Ehrfurcht spricht, von dem Blick nach oben, von der Begeisterung, die ihm das Elternhaus mit auf den Lebensweg gegeben hat.—„Tes enthousiasmes, ma vaillante mère, tu les a fait passer en moi.“— „Deine vielfache Begeisterung, meine wackere Mutter, du hast dafür gesorgt, daß sie als Erbteil auf mich überging.“—„Et toi, mon cher père, tu avais l'admiration des grands hommes et des grandes choses; regarder en haut, apprendre au delà, chercher à s'élever toujours, voilà ce que tu m'as enseigné.“—„Und du, mein teurer Vater, du warst von Bewunderung erfüllt für die großen Männer und die großen Dinge; nach oben blicken, immer mehr lernen— über die Forderung des Tages hinaus— stets in die Hõhe trachten, das ist's, was du mir beigebracht hast.“
In den kleinsten Verhältnissen, deren sich kein Mensch je in seinem Leben schämen sollte, war Pasteur aufgewachsen. Sein Vater war Feldwebel in der kaiserlichen Armee Napoleons gewesen. Auf dem Schlachtfeld von Napoleon selbst mit dem Kreuz der Ehren- legion behängt, hat er diesen Augenblick wie etwas Heiliges in seiner kleinen Familie hochgehalten. Nach des Tages harter Arbeit las er später am Abend irgend eine Ge- schichte, einen Schlachtenbericht aus der ruhmreichen Zeit vor, deren Zeuge er gewesen war, und pflanzte so in das empfängliche Gemüt des Knaben, wie der Mann nachher vor aller Welt bekundet, die Bewunderung für alles Große, die großen Menschen und die großen Dinge.
Ob dies große Menschen, große Dinge nach aller Geschmack sind, darauf kommt es hier nicht an. Die so genährte Begeisterungsfähigkeit jedenfalls, ganz gleichgiltig woran sie zuerst genährt wurde, wenn sie nur schon von Anbeginn tief genug Wurzel geschlagen hat, sie nimmt dann im Leben ihre eigene Richtung, bei dem einen auf dieses, bei dem


