der Regimentskapelle getragen, ein tausendstimmiges Gaudeamus aus dem funkelnden Halbkreis, der sich zauberhaft in des Stromes Wellen spiegelte; beim Vivat Academia begannen die Fackeln von der Rheinbrücke in weitem Bogen in die glühenden Fluten hinabzustürzen, bis beim letzten Verse die letzte verloschen war.’
Nach kurzer Pause begann der Festkommers, den die gastfreie Stadt Kon- stanz gab, in dem weiten, altehrwürdigen Raume des Konziliumssaales im Kaufhaus. Die Stadtkapelle hatte ein reiches Musikprogramm zu erledigen; eine reiche Aus- wahl von Lieblingsliedern wurde gesungen, eine schöne Festkneipzeitung„aus vergangenen Tagen“ verbreitete Heiterkeit und wohl auch Wehmut. Der Kominers wurde von dem Vorsitzenden der Vertretung ehemaliger Schüler, Rechtsanwalt Riggler, mit einer Rede auf Kaiser und Großherzog eröffnet. An Seine Königliche Hoheit den Großherzog wurde ein telegraphischer Huldigungsgruß gerichtet. Namens der Stadt Konstanz sprach Oberbürgermeister Weber Willkommsgruß und Glückwünsche aus; für das Gymnasium hielt Direktor Mathy eine Begrüßungs- ansprache mit Danksagung an alle, die für die Feier irgend ein Opfer freudig dar- gebracht hatten. Die Festrede hatte Landgerichtsrat Dr. Freiherr von Rüpplin übernommen; diese von liebevoller Erinnerung an die eigene Schulzeit und warmer Begeisterung für das humanistische Erziehungsideal erfüllte Rede wurde nachher in den südwestdeutschen Schulblättern, dem Organ des Vereins akademisch gebildeter Lehrer Badens, als ein wertvolles Zeugnis abgedruckt. Auch.die jetzigen Schüler kamen zum Wort: der Unterprimaner Felix Fleischer sprach als„Geist des alten Gymnasiums“ einen vom Oberprimaner Erich Fischer gedichteten Rückblick auf die Vergangenheit mit schönen Wünschen für die Zukunft. Post festum soll der Kommers in fideler Stimmung noch weiter gegangen sein, doch ohne jeden Mißklang.
Am Hauptfesttage, den 18., früh sammelten sich viele ehemalige Schüler in der Kirche, um durch ein frommes Requiem das Andenken ihrer verstorbenen
Lehrer und Mitschüler zu ehren.
Um 10 Uhr begann der Festakt— der amtliche Teil der Feier— in der städtischen Turnhalle. Zur Eröffnung spielte der Oberprimaner Erich Fischer eine von ihm selbst komponierte Festouverture auf dem Klavier. Dann sang der Schüler- chor den Choral von Gellert und Beethoven:„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre.“ Die Festrede des Gymnasiumsdirektors Mathy begann mit dem Dank für alle Ehrungen, Wohltaten und Freundlichkeiten, die dem Gymnasium zum Feste erwiesen wurden. Dann warf er einen Rückblick auf die dreihundertjährige Geschichte der Anstalt, zeichnete die wesentlichsten Unterschiede zwischen den Bildungszielen von einst und jetzt und endete, nach den besten Segenswünschen für die Zukunft der Anstalt, mit einem von der Festversammluug begeistert aufgenommenen Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog und das ganze Großherzogliche Haus.
Unser allgeliebter Landesherr hatte mit Allerhöchster Staatsministerial- entschließung aus Schloß Mainau, den 7. Oktober 1904, Nr. 1044 gnädigst geruht, dem Direktor des Gymnasiums Ludwig Mathy den Charakter als Hofrat und unter dem 10. Oktober den Professoren Joseph Schott und Dr. Wilhelm Martens das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen,


