Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 5. Teil.
(Das niederländische höhere Sittenbild.)
Entstehung
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rotblondem Haar umrahmten Geſichter der beiden Perſonen, alles beſonders lebhaft und in maleriſcher Harmonie ſich abhebend auf dem dunkeln Hinter⸗ grunde.

Wir gehen zu dem zweiten Bilde von Metſu in Kabinett 11(Nr. 300)Das Almoſen. Welchen Vorgang ſehen wir hier? Vor der Tür eines Hauſes ſitzt rechts im Vordergrund auf einer Stein⸗ bank eine junge Frau mit feinen, blonden Locken. Links vor ihr ſteht auf der Straße ein Junge mit langem, blondem Haar, dem ſie eben ein Geldſtück in den hingehaltenen Hut werfen will.

Beſchreiben wir die Kleidung der Frau. Der Kopf iſt mit einem weißen Tuch umſchloſſen, ſie hat einen braunroten Rock an und eine ziegelrote Atlas⸗ jacke, die mit weißem Pelz beſetzt iſt. Über der Jacke hat ſie einen breiten, anliegenden, weißen Kragen und hat eine weiße Schürze vor.

Und der Junge? Er iſt braun gekleidet, trägt kurze Hoſen und helle Strümpfe.

Was ſehen wir ſonſt noch? Zu der Tür führen zwei Stufen hinauf, die Bank hat eine ſchmiedeeiſerne Rücklehne, zu den Füßen der Frau ſteht ein braunes, ſehr ſchön und ſorgfältig aus⸗ geführtes Hündchen, das nach den Knaben hin⸗ ſieht. Im Mittelgrund iſt ein mit Bäumen be⸗ ſtandener Platz, dahinter links eine Kirche und ein Blick nach dem freien Himmel.

Die Dame ſitzt in heller Beleuchtung, während der Knabe im Schatten ſteht und das Geſicht nur rechts etwas beleuchtet iſt.

Wir haben den denkbar einfachſten Hergang, aber die Haltung der beiden Perſonen und die koloriſtiſche Behandlung ſind von einer großen Anmut und Schönheit, und beſonders gewinnt unſer Herz das Geiſtige und Gemütvolle im Aus⸗ druck der beiden Geſichter.

Was kennzeichnet alsbald die beiden im Vorher⸗ gehenden betrachteten Bilder als Werke desſelben Malers? Die lebhaft hervortretenden Farben Ziegelrot und Weiß und der charakteriſtiſche Aus⸗ druck in den kleinen Geſichtern.

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Nun kommen wir zu dem dritten Gemälde von Metſu, auch in Kabinett 11(Nr. 301)Die Lauten⸗ ſpielerin, einem vortrefflich erhaltenen Bilde.

Beſchreiben wir den Vorgang. Eine junge Dame ſitzt im Vordergrunde eines Zimmers und ſtimmt die auf ihrem Schoß liegende Laute. Mit dem linken Arm ſtützt ſie ſich auf einen Tiſch. Den Kopf wendet ſie etwas nach links rückwärts, wo hinter ihrem Stuhl ein braungelockter Herr ſich über die Lehne beugt, in der Linken ein halbgefülltes Weinglas hält und zu ihr zu ſprechen ſcheint. Die Rechte, die den Hut hält, ſtemmt er in die Seite. Erklärt er ihr eben ſeine Liebe? Wird ſie ihn erhören oder abweiſen? Der Maler läßt uns in dramatiſcher Spannung.

Wie iſt die Kleidung der beiden? Die Dame trägt ein rötlichbraunes Seidenkleid und eine blaue, mit weißem Pelz beſetzte Atlasjacke. Der Herr iſt braun gekleidet, trägt einen breiten weißen Kragen und hat einen ſchwarzen Mantel leicht über die rechte Schulter geworfen. Am Hut trägt er eine weiße Feder.

Was beobachten wir weiter? Der Tiſch iſt mit einem Smyrnateppich in tiefen, glänzenden Farben bedeckt, darauf liegt eine Violine und ſteht ein in Silber koſtbar montiertes Trinkhorn. Links von der Dame ein braun und weiß geflecktes Bologneſer Hündchen.

Die koloriſtiſche Behandlung iſt eine überaus delikate, die Farbenſtimmung eine lebhafte und harmoniſche, und ſchön hebt ſich das Ganze von dem Grunde des in Dunkel gehaltenen Zimmers ab. Einfacher und ruhiger in der Licht⸗ und Farbengebung iſt das gegenüber hängende Bild Hausmuſik von Terborch..

Metſu lieferte beſonders Marktſzenen im Freien, wie das oben zuerſt beſprochene Gemälde, dem das zweite nahe ſteht, und ſodann, wozu das zuletzt betrachtete gehört, das höhere, feinere Sittenbild aus der beſſeren Geſellſchaft, das im Innern des Hauſes ſich abſpielt. Eine ſchlichte ſach⸗ liche Vornehmheit iſt ihm eigen wie Terborch,