dem er oft zum Verwechſeln ähnlich iſt. Noch nicht 40 Jahre alt geworden, hat er gegen 180 Bilder hinterlaſſen. Seine Blüte erreichte er um 1660.
Viel Anziehendes liegt in ſeinen Geſichtern: die Individualitäten ſind trefflich geſchildert, und lebensvoll iſt die Außerung der ſeeliſchen Vorgänge. Bewundernswert ſchön und lebhaft ſind ſodann ſeine
Farben, in denen ſich viel Sinn für reiche und
kräftige, tiefe und ſatte oder leuchtende, muſikaliſch zuſammengeſtimmte Farben bekundet. Mit Vorliebe verwendet er das für einen Maler ſchwer zu be⸗ wältigende Weiß, das oft kreidig erſcheint, wenn die Bilder durch Verputzung ihre Epidermis ver⸗ loren haben. Alles Stilleben iſt wunderbar ſchön und ſorgfältig gemalt. Die Bilder aus dem häus⸗ lichen Leben zeigen Behaglichkeit, Freude und Glück aus dem guten holländiſchen Bürgerſtande, aus dem Metſu die Motive ſeiner Bilder wählte. Er ſchildert uns den holländiſchen Bürger, dem das Land ſeine Freiheit, ſeine glänzende Blüte durch ein volles Jahrhundert verdankte, in dem behaglichen Wohlſtande, den er nach langen Kämpfen und ſchwerer Arbeit errungen hatte. Neben der maleriſchen Wirkung, die er mit allen Mitteln erſtrebt, ver⸗ ſchmäht er auch den Reiz eines feſſelnden und intereſſanten Motivs nicht. Der Reiz des Bildes wird erhöht durch die Ausſtattung mit einer Fülle anſprechender Einzelheiten: Koſtüme, Teppiche, Gemälde an der Wand, ein reizendes Bologneſer Hündchen und anderes. So wunderbar anmutig und ſo gemütvoll wie er iſt kaum ein anderer.
2bteis.
11
Was lernen wir nun, um es in der Haupt⸗ ſache noch einmal zuſammenzufaſſen, aus den be⸗ ſprochenen Sittenbildern kennen? Das Tun und Treiben, die tägliche Beſchäftigung der damaligen Niederländer, beſonders beſſerer Stände, ihren un⸗ gezwungenen und heiteren Verkehr, die Stadt⸗ bewohner, Marktplätze, Studierzimmer, welch große Bedeutung die Muſik hatte, und wie neben wiſſen⸗ ſchaftlicher Tätigkeit ein behaglicher Lebensgenuß ſich ausbildete. Wir lernen ihre Trachten, ihre Räume mit allen Gegenſtänden, die ſie erfüllten, ihren Hausrat kennen, und ſie bezeugen uns, wie der Wohlſtand und mit ihm die Freude am Schönen, die künſtleriſche Kultur durch alle Schichten gedrungen war. So ſind dieſe Gemälde ein wichtiger Beſtandteil für das Studium der Kulturgeſchichte damaliger Zeit, aber wichtiger noch iſt, daß wir jene Werke in ihrer hohen, künſtleriſchen Bedeutung verſtehen, würdigen und genießen gelernt haben, und daß ſie nun ein Beſtandteil unſerer hiſtoriſch⸗äſthetiſchen Bildung geworden ſind.
So mögen denn dieſe Zeilen, wozu ſie zunächſt geſchrieben ſind, bei unſeren Schülern fördern helfen die Schärfung des Auges und Bildung des Ge⸗. ſchmacks, den Sinn für Wahrheit und Schönheit der künſtleriſchen Darſtellung, Vertiefung des Inter⸗ eſſes für die Kunſt im Verſtändnis und der Würdigung der herrlichen Werke unſrer Gemälde⸗ ſammlung.
Dr. F. Heußner.


