Aufsatz 
Zur Einführung unserer Schüler in die Kasseler Bildergalerie : 5. Teil.
(Das niederländische höhere Sittenbild.)
Entstehung
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in der Rechten das Medaillonbild eines Mannes empor. Rechts hinter ihrem Stuhl wartet ein Knabe.

Welche Gegenſtände finden noch unſere Be⸗ achtung? Der Spiegel mit der Metalldoſe auf dem mit einem perſiſchen Teppich bedeckten Tiſch ſo⸗ wie das Blumenſtück an der Rückwand des Zimmers.

Was macht uns das Bild anmutig und lieb? Das freundliche Lächeln des uns anſehenden blond⸗ gelockten Mädchens, die ſchöne Licht⸗ und Farben⸗ wirkung des roten und weißen Atlas, in den ſie gekleidet iſt, des Teppichs, der Gegenſtände auf dem Tiſch und des barocken Goldrahmens des Bildes.

Nun gehen wir zu dem andern Bild, der Violoncellſpielerin. Mitten im Vordergrund eines Zimmers ſitzt eine junge Dame, das Cello (Viola di(a) Gamba) ſpielend. Sie blickt nach links auf ein Notenblatt, das ein hinter ihr ſtehender junger Mann ihr hinhält. Rechts im Mittelgrunde ſteht ein Knabe, der in der geſenkten Rechten eine Geige hält.

Wie iſt die Kleidung der Dame und die Aus⸗ ſtattung des Zimmers? Die Dame iſt in weißen Satin gekleidet, der Tiſch iſt mit einem Smyrna⸗ teppich bedeckt, auf dem Noten liegen, rechts gegen vorn ſteht ein rotgepolſterter Stuhl, an der grauen Rückwand hängt ein größeres und ein kleineres Gemälde in geſchnitztem Goldrahmen. Auch hier eine ſchöne Zuſammenwirkung lebhafter Farben.

Netſcher malte Sittenbilder und Bildniſſe in ſittenbildlicher Auffaſſung aus der vornehmen Ge⸗ ſellſchaft, darin Coques zu vergleichen. Er iſt reich in der Ausſtattung ſeiner Bilder mit koſt⸗ barem Material, glänzend in der farbigen Er⸗ ſcheinung. In der maleriſchen Behandlung iſt er glatter und kleinlicher als Terborch mit einem leichten Anflug von Maniriertheit. Dieſe gezierte Grazie nimmt in ſpäteren Jahren immer mehr überhand, während ſeine Darſtellung leerer, die Farbe kälter wird. Schon früh nach Frankreich verſchlagen, wurde er ein barockmäßiger Künſtler

und kam mit ſeinen Werken dem barocken Mode⸗ geſchmack ſeiner Zeit entgegen. So gehört er, ob⸗ gleich er ſeinen Lehrer nur drei Jahre überlebt hat, doch einem neuen Zeitalter an. In der Auffaſſung alles Weſentlichen iſt er nur ein Schatten ſeines großen Meiſters. Unter den Geſellſchaftsbildern aus den höheren Ständen finden wir auch bei ihm, wie wir geſehen haben, die Pflege der Muſik ebenſo wie andere Motive von Terborch, wie Briefſchreiben, Empfang eines lieben Briefes u. dergl.

Durch drei reizvolle Kabinettbilder iſt Gabriel Metſu hier vertreten(geb. 1630 zu Leiden, geſt. 1667 zu Amſterdam).

Zunächſt betrachten wir ein Marktbild von ihm, die Geflügelhändlerin, Kabinett 9. (Nr. 299).

Welcher Vorgang wird uns vorgeführt? Eine (links ſtehende) Magd hat einen auf dem Verkaufs⸗ tiſch liegenden gerupften Hahn gekauft und reicht eben mit der Linken der Händlerin(die rechts im Vordergrunde vor einem Häuschen an der Straße ſitzt) ein Silberſtück hin. Am rechten Arm trägt die Magd einen hölzernen Kübel, rechts vorn ſteht ein Korb, darauf ein rotes Tuch und darüber eine Mulde, in der ein totes Huhn liegt. Ein weiß und braun geflecktes Hündchen hat die Vorderpfoten auf eine Bank geſetzt und beſchnuppert das Huhn. Rechts ganz vorn an einer Mauer hängt an einem Geſtell ein Haſe. Links im Mittelgrund führt eine Brücke über eine Gracht(Kanal, dahinter ſehen wir Häuſer und haben einen freien Blick nach dem Himmel.. Welche Farben treten beſonders hervor? Das Ziegelrot der Jacke der Magd und des Mieders der Händlerin, die weiße Haube, Kragen und Schürze der Magd, das weiße Häubchen und der Kragen ſowie der gelblich⸗weiße Armel der Frau und die rote Decke unter der Mulde. Hell beleuchtet von links her ſind beſonders die weißen Kragen und Hauben, der rechte Arm der Magd, der linke der Frau, das Hündchen und der Hahn, und vor allem heben ſich hervor die ausdrucksvollen, mit