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hebung des Übereinſtimmenden und Verſchiedenen in beiden Gemälden. Hier eine behäbige Familie, beſonders die Eltern in ruhiger Beſchaulichkeit, und dabei am Boden eine ebenſo behäbige Katze. Das Zimmer iſt nicht minder voll⸗ ſtändig ausgeſtattet; auch hier hängen an den Wänden Gemälde von beſtimmbaren Meiſtern. Coques wie Teniers haben zuweilen ganze Gemälde⸗ galerien gemalt.(Eine ſolche von ihm iſt im Haag.) Hier blickt man rechts durch einen Eingang, über dem oben ein roter Vorhang hängt, in die Küche mit all ihrer Ausrüſtung, ein maleriſch reizendes Stilleben, und ſieht, wie die Köchin eben einen Hahn an den Bratſpieß ſteckt zum behaglichen Mahl für das behäbige Ehepaar. Auch hier ſieht, wie im vorigen Bild, das Paar den Beſchauer an, die Kinder dagegen die Eltern.
Welch ein Gegenſatz zwiſchen dieſen beiden Bildern! Dort ideal, geiſtig und künſtleriſch ge⸗ richtete Perſonen höheren Standes, hier die materiell gerichteten, korpulenten und wohlhäbigen Geſtalten wahrſcheinlich einer reichen Kaufmannsfamilie, die gern den Genüſſen des. Leibes frönt: ein häufiger Gegenſatz in den damaligen Niederlanden, Idealismus und Materialismus nebeneinander in dem durch Wohlſtand ausgezeichneten Lande.
Gonzales Coques hieß„der kleine van Dyck“ wegen der Bildnischarakteriſtik und der Eleganz der Figuren, die er ſeinem berühmten Vorbild abgeſehen zu haben ſcheint. Doch iſt er Kleinmeiſter wie Teniers, Detailmaler mit einer aufs feinſte abgeſtimmten, gewöhnlich in der kühlen Skala gehaltenen Färbung. Er galt viel bei der Ant⸗ werpener Künſtlerſchaft und, bei den ſpaniſchen Statthaltern in Brüſſel, denen zu Gefallen er ſeinen guten vlämiſchen Namen Coex ſpaniſch umformte. Er fühlte ſich, wie alle belgiſchen Künſtler jener Zeit, unter der fremden Herrſchaft wohl und zu⸗ frieden, denn ihr verdankte man den größeren Glanz des Lebens und die vornehmere Haltung, das Höfiſche, das ſich auch in der Malerei reichlich bemerkbar macht.
Coques arbeitete langſam und ſorgfältig, darum hat er nur wenige Bilder hinterlaſſen.
Nun von dem Flamländer zu den Holländern, und zunächſt zu Gerard Ter Borch, auch wohl Terborch geſchrieben(geb. 1617 in Zwolle, ge⸗ ſtorben 1681 zu Deventer; alſo ein Zeitgenoſſe von Coques), der auch hier durch zwei ſehr ſorgſam ausgeführte Gemälde vertreten iſt. Wir haben von ihm in Kabinett 9(Nr. 289) die Lautenſpielerin.
Was ſtellt es vor? Eine junge Dame ſitzt im Vordergrunde, in Seitenanſicht nach rechts gewendet, und ſpielt die Laute. Auf dem vor ihr ſtehenden Tiſch liegen Bücher, eine Metallkapſel und ein auf⸗ geſchlagenes Notenheft, nach dem ſie die Laute ſpielt, während noch ein zweites Heft auf einem kleinen Geſtell daneben ſteht. Sie iſt ganz allein, nur mit ihrer Laute beſchäftigt und alles um ſich her ver⸗ geſſend, ganz in ihre Muſik vertieft, wie die ſingenden Knaben von Frans Hals, dem Terborch auch manchen Einfluß verdankt. Ganz anders alſo als die zum Porträtieren ſtill haltenden Perſonen der Bilder von Coques.
Worin erkennen wir eine beſondere Schönheit und Meiſterſchaft dieſes berühmten Bildes? Zunächſt eben in dieſer ſeeliſchen Vertiefung, dieſem Aufgehen in der Kunſt und Kunſtübung, ſodann in der anmutigen Haltung des Köpfchens und der ſchönen Mädchengeſtalt, in der Grazie, mit der ſie die Laute handhabt, der vollendeten Täuſchung, mit der der Maler die außerordentlich ſchwierige Ver⸗ kürzung der rechten Hand gelöſt hat, und endlich in der unnachahmlich täuſchenden Wiedergabe der Stoffe.
Und was iſt von der koloriſtiſchen Aus⸗ führung zu ſagen? Auf einer völlig ſchmuckloſen grauen Wand, auf der nur eine in der Farbe gar nicht hervortretende Karte von Europa hängt, hebt ſich Geſicht, Hals und Haar des Mädchens mit der kleinen zinnoberroten Schleife lebhaft ab; und wie wunderbar ſchön erſcheint der feuchtſchimmernde Perlenglanz der mit Schwanenpelz beſetzten, gelben


