Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Bad Wildungen 1900-1925. Denkschrift zu 25jährigen Bestehen der Städtischen Realschule zu Bad Wildungen
Entstehung
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Anträge auf Schulgeldnachlaß ſind durch den Direktor der Schule an den Schulausſchuß zu richten und werden bei auswärtigen Schülern von dieſem an den Gemeinderat zur Entſchei⸗ dung weitergegeben. Neben den wirtſchaftlichen Verhaäͤltniſſen des Antragſtellers ſind natürlich auch Führung und Leiſtungen des Schülers für die Entſcheidung mitbeſtimmend.

Als eine Einrichtung von gemeinſamem Intereſſe für Elternhaus und Schule mag hier noch die Tätigkeit des Schularztes erwähnt werden. Die Stelle eines ſolchen wurde in der Gemeinde Bad Wildungen für ihre Schulen bereits Oſtern 1903 geſchaffen und zunächſt durch San.⸗Rat Dr. Winkhaus, ſpäter durch San.⸗Rat Dr. Abée verſehen. Durch Verordnung der Landesregierung trat an Stelle dieſer durchaus hewäheten Einrichtung von Anfang 1919 ab die Beſtellung eines Kreisſchularztes in der Perſon des beamteten Kreisarztes Medizinalrat Dr. Waldſchmidt. Für Wildungen bedeutet dies, da ja der Kreisſchularzt unmöglich allen Schulen des Kreiſes die wünſchenswerte Arbeit und Auf⸗ merkſamkeit widmen kann, einen bedauerlichen Rückſchritt, wenn auch andererſeits die gleich⸗ zeitig eingeführten regelmäßigen Meſſungen uſw. der Schüler bei ſachverſtändiger Auswertung zweifellos von Nutzen ſein können.

Ueber die von der Schule ſeit einigen Jahren vermittelte Schülerunfallverſicherung (mit der Verſicherungsgeſellſchaft Germania in Stettin) ſind die Eltern unſerer Schüler alle hinlänglich unterrichtet, ſodaß hier nur da⸗ rauf hingewieſen zu werden braucht.

Die von Herbſt 1903 ſtammende gedruckte Schulordnung der Realſſchule iſt ſeit einigen Jahren vergriffen und konnte daher den Eltern der neueintretenden Schüler nicht mehr aus⸗ gehändigt werden. Eine Neubearbeitung wird ſich erſt empfehlen, wenn die geſamten Schul⸗ verhältniſſe ſich wieder mehr geklärt und gefeſtigt haben. Die praktiſch wichtigſten Beſtimmungen werden den Schülern von Zeit zu Zeit durch den Direktor und die Klaſſenlehrer in Erinner⸗ ung gebracht. Die Eltern bitten wir in Zwei⸗ felsfällen bei dieſen anfragen zu wollen.

Der gewünſchten engeren Verbindung zwiſchen Schule und Elternhaus wird es förderlich ſein, daß nach einem Erlaß des Miniſters für Volks⸗ bildung vom 12. Februar 1925 von Oſtern des Jahres ab auch die früher üblichen Jahresbe⸗ richte der Schulen wieder im Druck erſcheinen und allen Eltern zugeſtellt werden ſollen. Allerdings wird dies künftig erſt nach den Oſterferien mög⸗ lich ſein, da die Berichte bis zum Abſchluß des Schuljahres geführt werden müſſen.

VII. Die Qusſtattung der Schule.

As Ausſtattung mit Lehr⸗ und Unterrichts⸗ mitteln konnte die Realſchule im Jahre 1900 aus den gemeinſamen Beſtänden der Stadtſchule naturgemäß nur eine recht beſcheidene Mitgift fugemieſen erhalten. Die gemeinſame Lehrer⸗ ücherei wurde erſt nach Oſtern 1904 geteilt und dabei fielen der Realſchule ein Drittel der noch etwa brauchbaren Bücher der alten Lyzeums⸗ bibliothek, im ganzen rund 500 Nummern zu; ein einmaliger Zuſchuß aus Erſparniſſen der Realſchulkaſſe in Höhe von 500 Mark half zur notwendigſten Ergänzung. Außerdem blieb die Bücherei für ihre Vermehrung und ihren all⸗ wählichen planmäßigen Ausbau bis jetzt auf die verhältnismäßig beſcheidenen im Voranſchlag für ſie vorgeſehenen jährlichen Ausgabepoſten ange⸗ wieſen, ſo daß trotz mancher wertvollen Er⸗ werbungen noch recht fühlbare Lücken blieben. Die Schulbücherei, anfangs nur 60 meiſt ältere Bücher, wurde regelmäßig und nach feſtem Plane

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vermehrt und ausgeſtaltet. Sie umfaßt jetzt in ſechs Klaſſenbüchereien rund 1000 Nummern. Freilich macht der raſche Verbrauch und das ſchnelle Veralten vieler ihrer Bücher eine ſtete Erneuerung auch weiter notwendig. Der Lehrapparat für Geſchichte und Erdkunde, ſowie von Bildern zur Naturgeſchichte wurde auch aus einfachſten An⸗ fängen mit der Zeit zu befriedigendem Umfang gebracht. Im letzten Jahre wurde ein größerer Betrag verwandt, um auch an Anſchaungsmitteln zur deutſchen Kunſt nebſt Wechſelrahmen dazu einen zeitgemäßen Beſtand anzuſchaffen. Die eigentlichen naturgeſchichtlichen Sammlungen ſind erfreulich umfangreich und vielſeitig. Beſonders wertvolle Erwerbungen bildeten der ſchon durch Direktor Dr. Koch bewirkte Ankauf der großen Waldſchmidtſchen Mineralienſammlung von über 1000 Mineralien, Geſteinen und Foſſilien, und eine von Graf Adalbert v. Waldeck zu Bergheim i. W. im Jahre 1910 geſchenkte ſehr vollſtändige