Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Bad Wildungen 1900-1925. Denkschrift zu 25jährigen Bestehen der Städtischen Realschule zu Bad Wildungen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Endlich ſei auch der Schüler⸗Tanzkurſe ge⸗ dacht, welche ſeit Herbſt 1908 im Verein mit der höheren Mädchenſchule wiederholt eingerich⸗ tet wurden.

Alles, was ſonſt noch im Sinne einer ver⸗ ſtändigen und frohen Jugendpflege, ſowie als Anregung zur Selbſterziehung der Schüler von

der Schule oder einzelnen Lehrern gelegentlich geleiſtet wurde, hier aufzuzählen, verbietet der beſchränkte Raum. Doch werden ſchon die ge⸗ gebenen Andeutungen erkennen laſſen, daß Lei⸗ ter und Lehrer der Schule ſtets bemüht geweſen ſind, nach Kräften den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden.

VI. Schule und Elternhaus.

Die Schule hat ſtets den größten Wert darauf gelegt, mit den Eltern ihrer Schüler in möglichſt enger Fühlung zu bleiben. Leider muß geſagt werden, daß dies bisher nicht in dem erwünſchten, ja unbedingt notwendigen Maß gelungen iſt.

Die bereits nach Neujahr 1903 eingerichteten feſten Sprechſtunden der Lehrer werden viel zu wenig beſucht; meiſt doch eben erſt, wenn ſich Schwierigkeiten im Fortſchreiten der Schüler zeigen, die die Verſetzung in die nächſte Klaſſe ernſtlich in Frage ſtellen. Dann aber iſt es ſehr oft zu ſpät, um auch bei beiderſeitigem gutem Willen dem Verhängniſſe noch in den Arm zu fallen. Auch die Schaffung eines, zunächſt vom Kuratorium der Schule berufenen(17. 1. 1919), dann von den Eltern ſelbſt gewählten Eltern⸗ beirats(Wahlen Mai 1920, Juni 1922 und 1924) haben eine lebhaftere Ausſprache über die gemeinſamen Angelegenheiten und Sorgen bis⸗ her nicht herbeizuführen vermocht. Schon die Wahlen ſelbſt fanden trotz aller Bemühungen der Schulleitung bei den Eltern ſehr geringe Teilnahme. Auch die wiederholt veranſtalteten Elternverſammlungen waren doch trotz perſön⸗ licher Einladung an alle Beteiligten nur ſchwach beſucht und erbrachten im ganzen nicht die ge⸗ wünſchte lebhafte und fruchtbringende Ausſprache. Es wird weiterhin das eifrige Beſtreben der Schule ſein, dieſe Hemmungen zu überwinden. Aber auch an dieſer Stelle ſei an alle Eltern die dringende Bitte gerichtet, die noch beſtehende Scheu vor unmittelbarer Ausſprache über die gemeinſamen Schulnöte zu überwinden und ſo⸗ wohl von der Möglichkeit perſönlicher Ausſprache mit den zunächſt beteiligten Lehrern wie von den gebotenen Gelegenheiten zu allgemeinerem Gedankenaustauſch über Schulfragen häufigeren Gebrauch zu machen. Gerade in der nächſten Zeit wird zu ſolchen klärenden und anregenden

16

Auseinanderſetzungen, wie oben ſchon angedeutet wurde, beſonderer Anlaß geboten ſein.

Etwas beſſer beſucht als früher waren in den letzten Jahren die Schulfeiern, namentlich die jährlichen Schluß⸗ und Entlaſſungsfeiern. Am erfreulichſten aber geſtaltete ſich bisher die Teilnahme der Eltern an den ſeit Weihnachten 1921 eingerichteten Weihnachtsandachten. Da⸗ mit iſt ein Wink gegeben, der vielleicht weitere Wege weiſt.

Recht lebhaft war dagegen immer die ent⸗ gegenkommende Beteiligung der Eltern an allen von der Schule an ſie herantretenden Anre⸗ gungen zu Sammlungen und Spenden zu all⸗ gemeinen oder beſonderen Zwecken der Schule. Eifrig beteiligt hat ſich die Elternſchaft auch bei der Einrichtung einer Hilfsbücherei für die unentgeltliche oder leihweiſe Ausgabe von Lehr⸗ büchern. Eine Umfrage vor Oſtern d. J. ergab, daß dafür auch weiterhin ein Bedürfnis vorliegt. Die praktiſchen Erfahrungen werden es erlauben, die Einrichtung immer zweckmäßiger auszubauen. Namentlich denken wir daran, die nur vorüber⸗ gehend gebrauchten Lektürebändchen für den deutſchen und fremdſprachlichen Unterricht mehr und mehr durch die Schule anzuſchaffen und zum Gebrauch auszugeben. Anderſeits muß die Schule erwarten, daß die Eltern ihrerſeits ältere ſchon gebrauchte Lehrbücher nicht kaufen, ohne ſich vorher durch Rückfrage bei dem Fachlehrer zu überzeugen, ob die Bücher nicht veraltet ſind. Die deutſchen Leſebücher bitten wir jedenfalls den Schülern als Eigentum beſchaffen und auch nach dem Verlaſſen einer Klaſſe weiter auf⸗ bewahren zu wollen, da nicht nur im Unterricht gelegentlich auf ſie zurückgegriffen werden muß, ſondern ſie überhaupt als einLebensgut ge⸗ dacht ſind, das den Schülern auch ſpäter eine nie verſiegende Quelle edelſten Genuſſes und reicher Belehrung bleiben ſoll.