Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Bad Wildungen 1900-1925. Denkschrift zu 25jährigen Bestehen der Städtischen Realschule zu Bad Wildungen
Entstehung
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Der Austritt aus den unteren Klaſſen war natürlich ganz gering und beſchränkte ſich auf eine Anzahl Schüler, deren Fähigkeiten ſich nachträg⸗ lich als nicht ausreichend für das Fortkommen auf einer höheren Schule erwieſen. Zahlreicher waren die Austritte aus den Mitteellaſſen, namentlich bei nicht ganz glattem Aufrücken. Obwohl den Eltern ſtets ſchon vor der Aufnahme der Schüler vorgeſtellt wurde, daß der Beſuch einer höheren Schule nur dann den rechten Nutzen bringen kann, wenn die Schule bis zum Abſchluß abſolviert wird, laſſen ſich doch immer wieder nicht ganz wenige Eltern nachträglich durch wirtſchaftliche Gründe beſtimmen, ihre Söhne ohne dieſen Abſchluß in einen praktiſchen Beruf übertreten zu laſſen. Schon mancher hat dann ſpäter ſelbſt bekannt, daß er dieſen übereilten Entſchluß bereut habe, als er ſich beim Streben nach einer gehobenen Stellung wegen ſeiner un⸗ zureichenden Vorbildung zurückgeſtellt ſah. Ver⸗ ſetzt wurden im Durchſchnitt% aller Schüler. Das Ziel der Schule, die Verſetzungsreife nach der Oberſekunda einer Oberrealſchule(frühere Einjährigen⸗Berechtigung, jetzt oft alsmittlere Reife bezeichnet), erreichten von den Schülern der Ull von Oſtern 1900 bis dahin 1924 400 Schüler, alſo durchſchnittlich 16 im Jahre. Darunter waren in den Jahren 1920/1, 1922/3. 1923/4 auch 12 Mädchen, welche aus der hieſigen höheren Mädchenſchule in die oberſte Klaſſe der Realſchule übergetreten waren.

Was die von dieſen Schülern eingeſchlagenen Berufe betrifft, ſo ließen ſich dieſe angeſichts der hum Teil noch ſehr unbeſtimmten Angaben beim

erlaſſen der Schule und beim Fehlen weiterer Verbindung mit manchen von ihnen, ſowie nach Abzug der Mädchen, nur für etwa 350 mit einiger Sicherheit feſtſtellen Immerhin ergibt ſich da⸗ raus ein hinlänglich klares Bild. Von dieſen etwa 350 Schülern gingen zur Ober⸗Realſchule (zum Teil auch zum Realgymnaſium) über etwa 90 Schüler. So weit dieſe inzwiſchen ſchon einen

beſtimmten Beruf ergriffen haben, und Nach⸗ richten von ihnen zu erreichen waren, wandten ſich 32 den verſchiedenen Univerſitätsſtudien zu, (5 Philologen, 5 Juriſten, 2 Volkswirtſchaftler, 11 Aerzte, 7 Zahnärzte, 2 Tierärzte), 11 den techniſchen Hochſchulfächern(2 Themiker, 5 Ingenieure, 2 Bergbefliſſene, 2 Forſtleute), 12 verſchiedenen praktiſchen Berufen(3 Land⸗ wirte, 2 Kaufleute, 3 Bankbeamte, 2 im Hotel⸗ fach uſw.) endlich zwei der Marine. Von der Realſchule zum Lehrerſeminar und in den Lehrer⸗ beruf traten etwa 40 Schüler zu höheren Schulen insgeſamt alſo rund 130, ein gutes Drittel der Geſamtzahl. Etwa 60 gingen in mittlere Beamtenlaufbahnen über(Verwaltung, Gericht, Poſt, Eiſenbahn, Forſt), die meiſten(24 zur Poſt. Eine dritte ſtarke Gruppe von etwa 160 Schülern wandte ſich unmittelbar der Ausbildung für einen praktiſchen Beruf zu und zwar etwa 25 der Land⸗ wirtſchaft(nebſt Gärtner, Müllerei uſw.), etwa 35 den techniſchen Berufen(Bergbau, Baufach, Maſchinen⸗ und Elektrotechnik u. a. a.) etwa 100 dem Handel(einſchließlich Buchhandel) und Bankfach. Die Realſchule eröffnet alſo ihren Schülern ſehr verſchiedene Wege und erweiſt ſich auch dadurch als die für eine kleinere Kreis⸗ ſtadt geeignetſte höhere Schule.

Todesfälle unter den Schülern traten nur ſehr ſelten ein. Um ſo reichere Ernte hielt unter den unlängſt erſt aus der Schule ent⸗ laſſenen oder unmittelbar von der Schulbank in das Heer eintretenden Schülern jener Jahre der große Krieg. Bei einer im Frühjahr 1919 angeſtellten genaueren Nachforſchung wurden als gefallen oder vermißt feſtgeſtellt 55 frühere Schüler der Realſchule, wovon 29 Wildunger und 26 Auswärtige. Davon waren 45 Abi⸗ turienten, vorwiegend natürlich der Jahrgänge 1911 1914. Es bleibt eine noch einzulöſende Ehrenpflicht der Realſchule, dieſen tapferen Jungen in dem erhofften eigenen Schulgebäude ein würdiges Erinnerungsmal zu ſetzen.

V. Die Arbeit der Schule.

nterrichtsplan und Lehrgang der Real⸗

ſchule richteten ſich bisher nach den amt⸗ lichen Lehrplänen für die höheren Schulen Preußens vom 7. April 1901. Für die ſchriftlichen Klaſſen⸗ arbeiten war der Miniſterialerlaß vom 21. Ok⸗ tober 1911 maßgebend. Für die Verſetzung galten die Beſtimmungen vom 25. Oktober 1901.

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Der Unterricht wurde in den erſten Jahren teilweiſe noch am Nachmittag erteilt, der Vor⸗ mittagsunterricht war auf höchſtens 5 Stunden beſchränkt. Die bis dahin je 50 Minuten dauernden Unterrichtsſtunden wurden durch Verfügung vom 22. Auguſt 1911 allgemein auf 45 Minuten beſchränkt. Aber erſt vom Herbſt