Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Bad Wildungen 1900-1925. Denkschrift zu 25jährigen Bestehen der Städtischen Realschule zu Bad Wildungen
Entstehung
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Die Zahl der Schüler ſtieg zunächſt ſtetig bis um Jahre 1911/12, wo ſie mit 183 Schülern ihren höchſten Stand erreichte. In den folgenden Jahren ging ſie langſam zurück, offenbar infolge der Ueberfüllung oder vorübergehenden völligen Schließung verſchiedenervon den Schülern der Real⸗ ſchulen mit Vorliebe gewählter Berufe(mittlerer Poſtdienſt, Volksſchuldienſt). Der Krieg bewirkte einen weiteren Rückgang bis auf 125 Schüler bei Beginn des Schuljahres 1917/18. Dann hob ſich die Zahl raſch wieder, um zu Anfang 1924/25 mit 176 Schülern einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Für die nächſten Jahre iſt wegen des Aufrückens der an Zahl weit ſchwächeren Kriegs⸗ jahrgänge in die höheren Schulen vielleicht mit einem gewiſſen Nachlaſſen der Schülerzahl zu rechnen. Freilichſteht dem ein wachſendes Verlangen nach weitergehender Schulbildung in allen Berufs⸗ ſchichten gegenüber, das wohl den Ausfall decken könnte.

Ihrer Heimatund Staatsangehörigkeit nach waren etwa 50% der Schüler Wildunger, 30% ſonſtige Waldecker, 20% Preußen. Da jedoch die Wildunger im Durchſchnitt die Schule länger beſuchen als die oft erſt in die Mittel⸗ oder Oberklaſſen eintretenden auswärtigen Schüler, machen ſie unter den gleichzeitig die Schule be⸗ ſuchenden Schülern einen etwas höheren Prozent⸗ ſatz aus(52 ½%). Die übrigen Waldecker Schüler ſtammten zum weitaus größten Teil aus den Ortſchaften des Ederkreiſes, am zahlreichſten kamen ſie aus dem benachbarten Alt⸗Wildungen, weiter aus Mandern, Wellen, Giflitz, Braunau, Rein⸗ hardshauſen, Kleinern, Wellen und Bergheim. Bisher unvertreten blieben nur die kleinen und entlegenen Orte Bergfreiheit, Hüddingen, Nieder⸗ und Oberwerbe und Alraft. Die preußiſchen Schüler kamen faſt durchweg aus den benach⸗ barten nordheſſiſchen Kreiſen, in erſter Linie aus dem Kreiſe Fritzlar(etwa 10%) am zahlreichſten aus Fritzlar ſelbſt, Wabern, Zennern und Gudens⸗ berg. Im ganzen waren 22 Ortſchaften dieſes Nachbarkreiſes unter den Schülern der Real⸗ ſchule vertreten, ferner 38 Orte der weiter an⸗ grenzenden Kreiſe. Dieſer Zugang erklärt ſich genügend aus der Tatſache, daß die Wildunger Realſchule noch immer die einzige anerkannte höhere Schule in dem ganzen Gebiet zwiſchen Kaſſel und Marburg iſt. Erſt jetzt ſind ſolche in Felsberg, Homberg(an Stelle des Lehrer⸗ ſeminars) und Treyſa in Entwicklung begriffen. Auswärtige Schüler von weiter her heranzu⸗ ziehen erwies ſich danach weder als notwendig

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noch erſchien es aus unterrichtlichen wie dis⸗ ziplinaren Gründen wünſchenswert. Vereinzelt wurden natürlich auch ſolche Schüler auf⸗ genommen.

Ihrer ſozialen Herkunft nach waren Söhne von Akademikern oder größeren Gewerbetrei⸗ benden etwa 12 ½% der Schüler, von Kaufleuten, Handwerkern, Landwirten u. dergl. etwa 48 ½%, von Lehrern, ſowie mittleren Staats⸗, Gemeinde⸗ und Privatbeamten etwa 24%, von Unterbeamten, Angeſtellten und Arbeitern etwa 9 ½%, wäh⸗ rend bei etwa 5 ½% der Vater ſchon verſtorben war. Die große Mehrzahl der Schüler ſtellten alſo, wie nach dem oben Geſagten ſich leicht ver⸗ ſteht, die mittleren Bevölkerungsſchichten, welche bei im ganzen beſcheidenen materiellen Mitteln doch Wert darauf legen, ihren Söhnen eine weiter⸗ führende Schulbildung zuteil werden zu laſſen, um ihnen ein gewiſſes ſoziales Aufſteigen in ihrem Beruf zu ermöglichen. Keinesfalls kann die Realſchule als eine Einrichtung bezeichnet werden, welche nur oder in erſter Linie den wohlhabenden Klaſſen der Bevölkerung zugute käme. Bedürftigeren Eltern wird überdies der Schulbeſuch ihrer Söhne dadurch erleichtert, daß bis zu 10% des jährlichen Einnahmeſolls an Schulgeld zu Schulgelderlaß in Abgang geſetzt werden können, und daß eine Hilfsbücherei ge⸗ ſchaffen iſt, aus welcher die erforderlichen Lehr⸗ mittel gegen geringe Leihgebühr oder auch un⸗ entgeltlich dargeboten werden können.

Der Eintritt der Schüler erfolgte natürlich zum größten Teil in die Klaſſe VI(etwa 70%); doch trat auch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Schülern unmittelbar aus der Volksſchule mit Hilfe privater Vorbildung in die Klaſſen N und IV,in einzelnen Fällen ſelbſt Ulll und Olll ein(etwa 13 ½⅛%). Etwas größer noch war die Zahl derjenigen Schüler, welche von anderen Schulen, meiſt ſtädtiſchen oder privaten höheren Knabenſchulen der weiteren Umgebung zum Abſchluß ihrer Schulbildung und Ablegung der Schlußprüfung in die mittleren und oberen Klaſſen der Realſchule eintraten(etwa 16%).

Von jeher hat die Realſchule ihre Schüler erſt nach dem 4. Volksſchuljahre aufgenommen. Da überdies die Eltern der ländlichen Schüler ſich oft erſt ſpäter noch entſchließen, ihre Söhne der höheren Schule zuzuführen, iſt das Klaſſen⸗ alter verhältnismäßig hoch. Das durchſchnitt⸗ liche Eintrittsalter(berechnet auf 1. Mai) war in VI 10 ½, in V 11 ½, in IV 12 ¾, in U Hl 13 ¾,in O III 14 ¾, in U II 16 Jahre.