Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Stundenzahl des seitherigen Lehrplans, die Zahlen in der Mitte, daß die Stunden beiden Gruppen gemeinschaftlich sind. An und für sich wäre es natürlich wünschenswerter, in allen Fächern zu trennen, was aber aus finanziellen Gründen nicht angängig war.
Abgesehen von den 8 gemeinschaftlichen Stunden in den Fächern Religion, Deutsch und Geschichte, wird also die sprachliche Gruppe 14 Sprachstunden haben gegen 7 in Mathematik und Naturwissenschaften, dazu 2 Stunden Zeichnen, während die mathematisch-naturwissenschaftliche Gruppe 9 Sprachstunden gegen 14 in Mathematik und Naturwissenschaften haben wird. Die Gesamtzahl von 31 Stunden(außer Turnen und Singen) bleibt bestehen. Fakultativer Unterricht wird nicht erteilt.
Daß der Plan kein vollkommener ist, wissen wir wohl. Es war mit gegebenen Verhältnissen zu rechnen. Daß auf der mathematisch-naturwissenschaftlichen Seite das Französische mit vier Stunden bestehen bleibt, ist kein Nachteil, da doch wenigstens eine Fremdsprache in der Bedeutung, die sie seither hatte, auch dort beibehalten werden konnte.
Was wir nun mit dem Lehrplan bezwecken, wird aus den obigen Darlegungen zur Genüge hervorgehen. Keine Annäherung an eine Fachbildung! Kein wesentliches Plinausgehen über die destehenden Lehrziele in den Plusfächern und kein Vorgreifen dem Hochschulunterricht! Aber gründlicheres Wissen, besseres Können, mehr Selbständigkeit und Vertiefung, größere und freier durchgeführte Arbeiten nach selbstgewählten Aufgaben, mehr Muße zum Forschen, das ist es, was wir erstreben. Und damit hoffentlich mehr Freude an der Schule! Und die Minusfächer sollen daneben nicht Stiefkinder werden. Aber hier soll es im allgemeinen unter solider Unterrichts- führung bei einer beschränkteren Aufgabe bleiben, aber einer solchen, die neben der Hlauptaufgabe mit ehrlichen Mitteln geleistet werden kann.
Und daher kann auch die Entscheidung für die eine oder die andere Gruppe keine so große Sorge machen. Vielfach sind die Fähigkeiten differenziert und der Obersekundaner wird wissen können, welche Seite des Unterrichts ihn mehr anzieht. Bei ausgeprägteren Begabungen wird die Entscheidung leicht sein. Bei Schülern, die nach keiner Seite(oder auch nach allen Seiten) hervorragen, wird sie schwerer sein. Man hat daher immer wieder gesagt, diesen Schülern zu— liebe müsse eine dritte Gruppe gebildet werden, in der nach dem alten Lehrplan zu unterrichten sei. Die Erfahrungen, die seither mit der freieren Gestaltung des Unterrichts gemacht worden sind, sprechen nicht dafür. Und in der Tat, den talentvoll Vielseitigen bleibt es nach wie vor unbenommen, auch in den Minderfächern Besseres zu leisten. Plat das alte einseitig humanistische Gymnasium die Entwicklung mathematischer Talente in Deutschland gehindert? Und sind nicht aus ihm eine Fülle von tüchtigen Vertretern der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer her- vorgegangen? Den Talentlosen freilich wird die Wahl nicht leicht werden. Und das allein be— weist schon, daß die Befürchtung ganz unzutreffend ist, die freiere Unterrichtsgestaltung würde die Leistungen der Schule noch mehr herunterdrücken. Ganz im Gegenteil! Es soll nur eine andere Verteilung der Arbeit stattfinden, und die selbständige Arbeit, die in einem engeren Gebiete vom Schüler gefordert werden muß, wird es unmöglich machen, daß ein gänzlich Unbegabter sich am Gängelband des Lehrers allmählich das Reifezeugnis ersitzt, wie das heute oft genug der Fall ist. Der ehrliche Arbeiter aber wird, auch wenn er auf keinem Gebiete hervorragt, doch in der Konzentration unsrer Lehrpläne, eher eine Stütze als ein Nachteil empfinden. Fehler in der


