nicht zu hoch, aber in ihrer Gesamtheit stellen sie Anforderungen dar, welche die Muße zu selbständiger Arbeit nicht mehr in ausreichendem Maße aufkommen lassen. In täglicher bis zum Abiturientenexamen zugeteilter Pensenarbeit wird zwar ein ganz tüchtiges Stück Arbeit ge- leistet und das Examen selbst mit mehr oder weniger deutlicher Vorbereitung auch schließlich be-— wältigt, aber der Schüler bleibt dabei wesentlich rezeptiv, er nimmt hin, was ihm vorgesetzt wird, aber er lernt nicht genügend in die Tiefe zu gehen, Probleme zu erkennen und zu bearbeiten. Und zur Pflege besonderer Liebhabereien gar, auf literarischem, künstlerischem oder technischem Gebiet bleibt nur dem Obereifrigen noch Zeit.
Insbesondere der Lehrplan des Realgymnasiums leidet unter der Mannigfaltigkeit der Fächer. Wenn man die Fächer zu Gruppen zusammenfaßt, kommen in Prima auf die ethischen Fächer(Religion, Deutsch, Geschichte) 8 Stunden, die neueren Sprachen(Französisch und Englisch) 7 Stunden, Latein (in Sexta mit 8 Stunden einsetzend) 4 Stunden, Mathematik und darstellende Geometrie 7 Stunden, Physik und Chemie mit chemischem Praktikum 7 Stunden. Das sind fünf fast gleich stark besetzte Gruppen. Und nun bedenke man, wie jede einzelne dieser Gruppen die Plemente zu einer Fülle geistiger Aufgaben darbietet, man bedenke die ungeheure Entwicklung ſast aller dieser Wissen- schaften, man bedenke die neuen Aufgaben, welche auch der Schule aus dieser Entwicklung er— wachsen sind, und man wird zugestehen, daß die Aufgabe nicht leicht ist, Gründlichkeit, Selb- ständigkeit und solides Können überall zu erzielen. Es drängt sich fast mit Notwendigkeit das Bedürfnis auf, eine Auslese zu treffen, die Fächer zu scheiden in solche, in denen eine solche Selb- ständigkeit durch einen breiteren, vertiefenden Unterricht erzielt werde und in solche, in denen — unter Beschränkung des Lehrziels— in methodisch solider Führung die Elemente des Wissens erworben werden. Radikaler noch müßte man wünschen, das eine oder andere Fach ganz zu beseitigen. Solcher Radikalismus dürfte aber an dem festgefügten System unsres Unterrichtswesens scheitern.
So sind wir denn, unter Berücksichtigung der vorhandenen Lehrkräfte, dazu gelangt, dem Unterrichtsministerium einen Vorschlag zu einem neuen Lehrplanfürdiebeiden Primen zu machen, der es ermõöglichen soll, den Gedanken einer stärkeren Konzentration zum Ausdruck zu bringen und dabei der einen oder anderen Begabung der Schüler Rechnung zu tragen. Dieser Plan hat die ministerielle Genehmigung gefunden und soll von Ostern 1014 an versuchsweise ausgeführt werden. Die beiden Primen sollen in einer Anzahl von Fächern geteilt werden, es soll eine Gabelung nach dem folgenden System eintreten:
Sprachliche Mathem.-naturw. Gruppe Gemeinsam Gruppe Religion(2)— 2 Deutsell()...... 1 3— Lateinischi(4)....... 5 3 Franzésisch(A4).....„. 1 1 Engliseli(3)....... 1 2 Geschichite(G).......— 3 Mathematik(5). 3— 5 Physite(33)........ 2— 4 Cheinie(4)....... 2 3 2
Darstellende Geometrie(2)..— Zeichmen()...... 2——


