Aufsatz 
Über die Pflege der Muttersprache in den höheren Schulen / von Ferdinand Schmidt
Entstehung
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21 nicht einmal ein fröhliches Lied singen kann, weil viele nichtim Chor sind oder die Stimmen nicht zusammen passen.Singe, wem Gesang gegeben! Soviel singen kann aber jeder Schüler, um ein einfaches Volkslied singen zu können. Das Volkslied sollen sie aber auch mit dem richtigen Text lernen und nicht mit einem, der verwässert ist, damit nur nichts Gefährliches vorkommt.

Auch die deutsche Grammatik glaubt der Verfasser hier erwähnen zu müssen, und zwar um so mehr, als die Frage, ob ein Unterricht in der deutschen Grammatik zu erteilen sei, von den mehrfach genannten Versammlungen ganz verschieden beantwortet worden ist. Die sächsische ist gegen einen systematischen Unterricht in der Grammatik, auch gegen einen Anschluss derselben an die Lektüre, sondern will denselben im besonderen nach Bedürfnis vorzunehmenden Übungen und zwar im strengsten Anschluss ans Lateinische erteilt wissen. Die westfälische Direktoren- konferenz dagegen entscheidet sich für den systematischen Unterricht in der deutschen Grammatik, allerdings kam dieser Beschluss nur mit schwacher Majorität zustande. Viele bestreiten nämlich unter Berufung auf J. Grimm, Ph. Wackernagel, Nägelsbach und Schrader die Zweckmässigkeit einer gesonderten Behandlung dieses Gegenstandes und bezeichnen gelegentlichen Anschluss an die Lektüre und an die Korrektur der schriftlichen Arbeiten als das Richtige, noch mehr Befürwortung findet der Anschluss ans Lateinische bezw. das Französische. Hierzu bemerkt der Referent, für das Leben der Schule müsse überall Gesetz und Regel massgebend sein und alles dem Belieben Anheimgegebene tauge für die Pädagogik und die Schule nicht; auch der bestgewillte und tüchtigste Lehrer werde bei dem vorgeschlagenen Kombinationsverfahren nur zu leicht das, was ihm als die Hauptsache scheine, vorwiegend, wenn nicht ausschliesslich treiben; eine gelegentliche Berücksichtigung sei im Schulleben ein Freibrief fürs Vernachlässigen und Vergessen! Zweitens sei die deutsche Grammatik nicht an die fremde anzuschliessen, da im Deutschen das heuristische Verfahren anzuwenden sei, das sich mit der fremden Sprache nicht verbinden lasse. Um zunächst über den zweiten Punkt etwas zu sagen, so versteht es sich von selbst, dass auf Unterschiede zwischen der fremden Sprache und der Muttersprache in den fremd- sprachlichen Stunden hingewiesen werden muss, insofern ist ein Anschluss deutscher Grammatik an fremde Sprachen sogar ganz unerlässlich, wie sie auch bei der Korrektur der schriftlichen Arbeiten zu berücksichtigen ist.

Am schärfsten spricht sich der Referent gegen die Verbindung deutscher Lektüre mit der Grammatik aus. Diese leidige Idee sei schon so oft widerlegt worden und dennoch kehre sie stets wieder! Die Lektüre sei ihrer selbst halber da, durch Inhalt und Form zu Kopf und Herz des Schülers zu reden und ihn für Hohes und Schönes zu erwärmen und zu begeistern. Welches Verfahren könnte da verfehlter sein, als ständig durch nüchterne grammatische Zwischen- fragen einen Totaleindruck unmöglich zu machen, die gemütvolle Erzählung in leblose Stücke zu zerreissen, den schönen Dichterstrauss zu zerpflücken, um den Knaben klar zu machen, dass diese oder jene Blume so oder so viele Staubfäden habe und zu dieser oder jener Klasse gehöre. Wer auch nicht glaube, einer systematischen Grammatik das Wort reden zu sollen, der habe wenigstens die Pflicht, von jenem Unwesen abzulassen und der Grammatik eine besondere, von der Lektüre getrennte Stelle anzuweisen. Das Zurückgehen auf bereits Gelesenes und die Benutzung des Lesebuches auch zu grammatischen Dingen sei unbedenklich.