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wurden vorgeschlagen: Niebuhrs Heldengeschichten, Wilmanns Odyssee, Kohlrauschs biblische Geschichten, Langes Herodoterzühlungen, gegen welche der Referent mit Recht geltend machte, dass sie den deutschen Unterricht in den Dienst anderer Unterrichtsgegenstände stellen, während er doch um des Deutschen willen da sei. Ist es aber nicht bezeichnend für den Gang und die Richtung unserer Bildung, dass deutsche Schulmänner, die nach Büchern suchen, nach denen die deutsche Jugend unterrichtet werden soll, solche Bücher aus der Fremde holen? Haben wir denn selbst nichts Besseres? Besitzen wir nicht die Märchen von Grimm, Musäus, Hauff, nicht die Fabeln von Gellert, hat nicht Hebel ein Schatzkästlein mit köstlichen Geschichten gefüllt, gibt es nicht mehr die deutschen Volksbücher, an denen sich früher unser ganzes Volk ergötzte?
Auf der 20. Direktorenversammlung der Provinz Westfalen trat auch Gymnasialdirektor Schmelzer für die Lektüre ganzer Bücher ein.
Derselbe sagte folgendes:„Ich bin überzeugt, unsere deutschen Lesebücher müssen ersetzt werden durch die Klassiker selbst und zwar schon in den unteren Klassen. Diese Lesebücher geben statt eines erquickenden Trunkes Tropfen der verschiedensten Art, welche die Zunge netzen, ohne zu befriedigen oder zu stärken. Gegen den Gebrauch der Chrestomathieen im lateinischen und griechischen Unterricht ist viel gesprochen und geschrieben worden, sie sind schliesslich wohl ganz beseitigt. Warum hat man diese Chrestomäthieen für den deutschen Unterricht beibehalten resp. neu eingeführt? Man gebe solche Sammlungen meinetwegen dem Schüler zur Privatlektüre in die Hand, damit er von Schriftstellern, deren Werke ihm sonst nicht zugänglich sind, das eine und das andere lese“. Dadurch, dass man dem Knaben von jedem Gericht immer nur einzelne Brocken biete, schaffe man in ihm die Hast, die heute dieses und morgen jenes lesen wolle, aber nichts so lese, dass es im Gedächtnis hafte.
Dann würde aber die oben ausgesprochene Forderung sich leicht erfüllen lassen, dass nämlich die Schule mit dem Leben in Verbindung gesetzt werde, denn in den genannten Büchern erscheint gerade das alltägliche Leben in dem Lichte der Poesie, vor allem im Märchen, das noch ganz besonders deshalb die Berücksichtigung auch der höheren Schule verdient, weil hier alle Menschen gleich sind und Könige und Königinnen ohne Krone und Scepter als einfache Bürgers- leute erscheinen und mit Bauern und Handwerkern wie mit ihresgleichen verkehren.
Die schönsten lyrischen Gedichte aber und besonders einzelne Volkslieder müssten in einem besonderen Büchelchen vereinigt sein. Die deutsche Schule hat die Aufgabe, auch das Volkslied wieder in das Volk zurückzuführen, aus dem es infolge verschiedener Ursachen zu schwinden droht. Wenn in einer deutschen Gesellschaft ein Volkslied gesungen werden soll— und der Wunsch wird erfreulicherweise recht oft laut, was uns ein Fingerzeig sein sollte— dann wird höchstens der erste Vers gesungen, viele Leute kennen sogar bloss die Anfangszeile, wie sie in dem Inhaltsverzeichnis eines Liederbuches steht. Von dem schönen Liede„O Tannenbaum, o Tannenbaum“ z. B. kennt man nur den ersten Vers, in dem man dazu singt„wie grün sind deine Blätter“, wodurch man eben beweist, dass einem das Übrige ganz unbekannt ist.
Weil wir hier grade am Singen sind, so sei bemerkt, dass man neben dem Chor, auch den Gesang der einzelnen Klasse pflegen müsste, schon ganz allein deshalb, weil es gar zu traurig ist, wenn man im Sommer mit der Klasse einen Spaziergang durch den grünen Wald macht und


