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bekannt und den bewussteren Gebrauch der letzteren entnimmt er am besten dem lateinischen, oder, falls dieses fehlen sollte, einem andern fremdsprachlichen Unterricht. Auch zur Veran- schaulichung der verschiedenen Stilgattungen dient das Lesebuch erst später und nur nebensächlich; was Erzühlung oder Brief, Beschreibung oder Schilderung, Poesie oder Prosa sei, ergibt sich dem Schüler so weit von selbst, dass es hierfür nur weniger belehrender Winke bedarf. Sondern das Lescbuch soll durch seinen Inhalt wirken, sowohl nach der Beschaffenheit als nach der Anordnung des Stoffes, diese Anordnung ebenso von der Reihenfolge der Stücke als von der übersichtlichen Disposition innerhalb des einzelnen Lesestückes verstanden, und dieser Inhalt soll dem Schüler sowohl realen Bildungsstoff für Verstand, Phantasie und Gemüt zuführen als ihn auch an einen richtigen, bündigen und angemessenen Ausdruck gewöhnen. Auf die Zusammenstellung des Lesebuchs ist also grosse Sorgfalt zu verwenden; es genügt durchaus nicht, mannigfaltige und anziehende Abschnitte oder Gedichte unserer Muster- schriftsteller zu sammeln, sondern dieselben müssen auch leicht verständ- liche abgerundete und der jugendlichen Kraft und Neigung zusagende Bilder liefern; sie müssen geeignet sein, um die verschiedenen Geistesformen zur Thätigkeit anzuregen, und endlich darf ihre Aufeinanderfolge weder einen bunten Wechsel noch eine ermüdende Ein- förmigkeit zeigen, sondern sie sind nach dem durchschnittlichen Bedürfnis der Jugendentwicklung an einander zu reihen. Auf die Literaturgeschichte, die Rhetorik und Stilistik ist hierbei in den drei unteren Klassen keine, in der für Tertia bestimmten Auswahl aber nebenbei nur soweit Rücksicht zu nehmen, dass der Lehrer imstande ist, an die gegebenen Proben die erforderliche Belehrung in knappem Masse anzuknüpfen. Für die Gewöhnung an Gedankenordnung ist es aber besonders wichtig, dass der Stoff dem Schüler die Auffindung der Disposition an die Hand gebe. Die klare und strenge Ordnung der Gedanken erzeugt deren neue und zwar in einer der gesunden Geistesform entsprechenden Form und Abfolge“.
Was die Stilistik betrifft, so ist davon, glaube ich, in der ganzen Schule nicht viel Aufhebens zu machen. Hier muss als leitender Grundsatz gelten: der Stil ist der Gegenstand. Das macht sich aber ganz von selbst. Bei der Korrektur der schriftlichen Arbeiten wird der Lehrer dann einsehen, dass auch der Satz des Franzosen nicht so ganz falsch ist: der Stil ist der Mensch.
Die unerlässliche Eigenschaft des Lesebuchs ist die, dass sein Inhalt der jugend- lichen Kraft und Neigung angemessen ist.
Welches Lesebuch gilt nun als das beste?
Wenn die verbreitetsten die besten sind, dann ist die Frage leicht beantwortet, dann können es nämlich nur die Lesebücher von Hopf und Paulsiek sein, die denn auch auf der Konferenz der Direktoren der Provinz Sachsen im J. 1874 ¹) als die besten bezeichnet worden sind. Nur hat man den poetischen Teil als zu dürftig getadelt, ebenso die Buntscheckigkeit des Inhalts und die Zerrissenheit der einzelnen Stoffe.
Es muss zunächst auffallen, dass man den poetischen Teil als zu dürftig bezeichnet hat.
¹) Verhandlungen der ersten Versammlung der Direktoren der Gymnasien und Realschulen I. O. der Provinz Sachsen, S. 23.: 2*


