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Der Teil für III z. B. weist 225 Nummern auf, darunter sind 32 Gedichte, die für den Kanon der auswendig zu lernenden vorgeschlagen werden. Es wird manche Stunde darüber hingehen, wenn diese Gedichte erklärt und aufgesagt werden sollen. Will man noch mehr Gedichte erläutern, wo soll dann die Zeit fürs Lesen, die Besprechung des Gelesenen, für die Vorbereitung der schrift- lichen Arbeiten und deren Korrektur herkommen? Man sollte eher eine Beschränkung des poetischen Teils eintreten lassen, denn Gedichte fördern die Schüler im Gebrauche ihrer Muttersprache nicht bedeutend; jeder Lehrer weiss, wie schwer es ihnen fällt, den Inhalt eines erzählenden Gedichtes anzugeben, fortwäührend fallen ihnen Worte und Wendungen desselben auf die Zunge, so sehr stehen sie im Banne der Bewegung und des Reims. Gute Prosa fördert im Gebrauche einer Sprache viel mehr.
Der poetische Teil der erwähnten Lesebücher ist nach den einzelnen Gattungen der Poesie angeordnet ¹), was nicht bloss überflüssig, sondern sogar schädlich ist, da die Namen den Schülern ja doch nicht erklärt werden können und höchstens die Vorstellung bei ihnen erwecken, als ob sich der Dichter an seinen Schreibtisch setzte und sagte: So, jetzt will ich einmal ein romantisches Kunstepos verfertigen!
Was aber den prosaischen Teil der Lesebücher betrifft, der nach des Verfassers Ansicht der wichtigere ist, so scheint ihm derselbe wenigstens in den Büchern für IV und III nicht der oben als unerlässlich bezeichneten Forderung zu entsprechen. Weder der Stoff noch die Form sind hier dem Alter der Schüler angemessen; ausserdem erfordern einige Stücke, damit sie dem Schüler verständlich werden, eine solche Vorbereitung, die bei der bis jetzt sehr kurz bemessenen Zeit gar nicht möglich ist. Eine genauere Betrachtung der beiden Teile wird die Mängel im einzelnen aufdecken.
Gegen die Erzühlungen, Fabeln, Parabeln, Märchen und Sagen in dem Teile für IV ist wohl nichts einzuwenden, nur dass das Märchen, dessen veredelnde Kraft ausser allem Zweifel steht, mit nur 2 Nummern bedacht ist. Oder stehen die Verfasser auf dem Standpunkte Christallers, der befürchtet, dass durch das Märchen die Entwicklung des kalten Verstandes leiden könnte?
Es folgt die Abteilung Geschichte, die 17 zum Teil recht umfangreiche Nummern aufweist. Einzelne derselben erfordern nach einer sehr zeitraubenden Vorbereitung an so vielen Stellen eine Erklärung, dass der Schüler unmöglich zu einem wahren Genusse*) kommen kann. Iier muss die Frage gestellt werden: Gehört die Geschichte in dieser Ausdehnung in das deutsche Lesebuch für höhere Schulen? Der Verfasser glaubt diese Frage mit Nein beantworten zu müssen, erstens schon deshalb, weil die Schüler schon gerade genug mit der Geschichte in der Geschichtsstunde zu thun haben, zweitens weil die Schüler nicht die Kraft haben, einen Stoff zu formen, der besondere Anforderungen an Verstand und Gedächtnis stellt. Der Stoff, der dem Schüler in den deutschen Stunden zur Gestaltung vorgelegt wird, muss ein ihm ganz nahe liegender, ihm durchaus
¹) Vgl. Wackernagel a. a. O., S. 8.
²) Jäger, a. a. O., S. 85:„Eine Lektion— eine Stunde, auf welche der Schüler ex officio sich freuen kann, gibt es in der im 19. Jahrhundert entdeckten, encyklopädisch beschriebenen und systematisch dargelegten pädagogischen besten Welt nicht mehr“. Ebendaselbst heisst es, in Geographie und Geschichte, Religionslehre und wo nicht sonst, ersaufe dem Schüler die Freude in einem Schwall halbverstandener Notizen.


