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sprüche) nur mit einer gewissen Einschränkung zu verstehen, sonst hiesse es ja so viel als: wer ein fremdes Haus nicht kennt, kennt auch sein eigenes nicht, oder: wer Amerika nicht kennt, kann Europa nicht kennen, und das wird doch niemand behaupten wollen. Wer ausser seiner Muttersprache keine Sprache kennt, kann keine Sprachvergleiche anstellen, das gehört aber nicht zur allgemeinen, sondern zu einer besonderen Fachbildung. ¹
Die Hinausschiebung der fremden Sprachen würde aber nicht bloss der Muttersprache, sondern gerade dem Studium der fremden zu gute kommen. Hat man noch nicht beobachtet, dass Kindern, die lange nichts begreifen wollten, plötzlich ein Licht aufgeht, das niemand angezündet hat? Sie sind eben älter geworden, und Verstand kommt nicht vor Jahren. Mit 14 jährigen Jungen, die wirklich erfassen, was 9jährige nur durch unzählige Wiederholung lernen, kann man bei wöchentlich 6 Stunden in einem Jahre bewältigen, was gjährige in drei Jahren sich mühsam aneignen. Man sehe z. B. nur einmal, ob man bei einem 14 jährigen Schüler lange braucht, um ihn das Verbum zu lehren, wie es Perthes in seiner lateinischen Formenlehre dar- gestellt hat. Bei älteren Schülern könnte und müsste eben die Methode geändert und derjenigen nachgebildet werden, die man jetzt schon in den“ neueren Sprachen anzuwenden beginnt, indem man die Grammatik aus der Sprache, nicht aber die Sprache aus der Grammatik ableitet. Mit dieser Einführung der Induktionsmethode in den Sprachunterricht würde auch sein bildender Wert bedeutend erhöht.
Die Muttersprache, der hier eine geachtetere Stellung zugewiesen wird, ist freilich„nicht weit her“, aber die in dieser Redensart offenbarte Unart müssen wir endlich einmal ablegen, vor allem in den deutschen Schulen. Hildebrand sagt darüber(a. a. O. S. 67):„Das deutsche Volk ist ja förmlich dazu erzogen worden, von dem Gange seiner Kultur, sich selbst und das Seine als im höheren Geistesleben der Welt nicht hoffähig anzusehen, sich seiner Ichheit nach Kräften zu entäussern und— sich ein neues, andres Ich weit draussen herzuholen auf einem Wege, der notwendig die ganzen schweren Gebrechen jener gelehrten und verkehrten Abstraktion an sich tragen musste, denn der Weg ging ja geradezu hoch durch die Luft, nur aus zweiter, dritter Hand und verkümmert und verdünnt, ja oft verschroben war das Neue, Fremde zu beziehen. Wunder- liche Aufgabe, wenn man sie so betrachtet! seinen eigenen Mittelpunkt aufzugeben und ihn weit aus sich hinauszusetzen(was man eigentlich gar nicht kann, es führt nur zu einem Zerreissen des lch) und zwar in einen Boden, der genau besehen gar kein wirklicher Grund und Boden mehr war, sondern nur noch wie eine verflüchtigte Insel, die sich in Nebelform erhoben hätte und in weiter Ferne in der Luft schwebte. Doch es war notwendig nach dem Gange der Geschichte, und auch jener Riss durch das Bewusstsein war damit leider notwendig, obwohl zu allen Zeiten alle frischen Geister, auch unter den Gelehrtesten, daran gearbeitet haben ihn zu verkleinern, nicht zu vergrössern.“ Dieser Riss durchs Bewusstsein hat aber auch einen Riss durchs Volk zur Folge gehabt, so dass sich nun über das ganze Vaterland eine höhere Schicht abhebt von der unteren, auf die allein man den Namen„Volk“ anwendet; die oberen Klassen dagegen gehören nicht zum„Volk“, sie sind etwas Besseres. Oder wollen sie dadurch, dass sie bloss den unteren jenen Namen geben, andeuten, dass an ihnen selbst nichts Volkstümliches mehr ist? Diese Kluft zwischen den sogenannten Gebildeten und dem„Volke“ auszufüllen, das muss unser aller Streben
sein; vorzüglich aber muss die höhere Schule durch die Pflege der Muttersprache dazu beitragen, 2


