Aufsatz 
Über die Pflege der Muttersprache in den höheren Schulen / von Ferdinand Schmidt
Entstehung
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deutscher Wörter so ausserordentlich gering, und die vorkommenden Verhältnisse sind so gleichartig, dass der Muttersprache aus den mathematischen Stunden kaum ein grosser Gewinn zufliessen kann, ähnlich verhält es sich mit der Botanik, während die Zoologie sogar sehr dazu beitragen kann, den Wortvorrat des Schülers zu bereichern.

Die grösste Unterstützung wird die sprachliche Entwicklung des Schülers wohl in der Geschichte finden, aber nur, wenn der Stoff ein ihm nahe liegender und verständlicher ist, was bei Besprechung des deutschen Lesebuchs noch einmal berührt werden wird. Liegt ihm aber die Sache fern, so lernt er das Lehrbuch sklavisch auswendig und leiert es hernach in der Stunde herunter, wobei, wie jeder Lehrer weiss, die seltsamsten Wörter zum Vorschein kommen. Nur das, was er ganz erfasst, geht ihm auch in seiner sprachlichen Gestalt in Fleisch und Blut über, was er auswendig lernt, bleibt auch auswendig und fällt ab, sobald er sich nur ein wenig schüttelt. An einem Beispiele lässt sich zeigen, was nicht in ein Geschichtsbuch für 10 jährige Bübchen gehört. In einem sehr verbreiteten Geschichtsbuche steht folgendes:Mit freudigem Gefühle betreten wir jetzt den klassischen Boden des schönen Griechenlands, das durch Merkwürdigkeiten der Natur und Geschichte gleich ausgezeichnet ist. Allenthalben umgeben uns hohe Erinnerungen, mit jedem Schritte stossen wir auf Trümmer vergangener Herrlichkeit. Hier ist jeder Hügel, jeder Quell, jeder Stein bald durch eines Helden Namen, bald durch das Andenken an Grossthaten, durch Künstlertalent, oder durch den Zauber der Dichtkunst geheiligt. Hier ladet so vieles Geist und Gemüt zur Bewunderung und Liebe ein. Was wird da der Sextaner Augen machen!

Damit das Sprachgefühl des Schülers sich stärken kann, bleibt nichts übrig, als die Erlernung der fremden Sprachen hinauszuschieben.

Das lässt man sich gewiss beim Französischen und Englischen gern gefallen, aber beim Griechischen und Lateinischen? Stürzt denn nicht gleich der Bildungshimmel prasselnd ein, wenn diese beiden Säulen dünner ausfallen oder gar als zum Baustil nicht mehr passend ganz entfernt werden? Über den Begriff der Bildung ist in den letzten Jahren bei der Behandlung der Real- schulfrage viel gesprochen und geschrieben worden, derselbe verdient auch vollständig diese ein- gehende Behandlung, schon deshalb, weil die Gestaltung unserer Schulen ganz von der Antwort abhängt, die man auf die Frage gibt: Was ist Bildung? Der Begriff hat jedenfalls eine intellektuelle und eine moralische Seite, dem Verfasser dieser Arbeit aber will es scheinen, als ob gegenwärtig die intellektuelle Seite so sehr betont werde, dass an die Stelle der Bildung ganz unmerklich die Gelehrsamkeit tritt. Darf man einen Menschen gebildet nennen, der seine Stellung in der Welt, wie sie ist und war, durch eigene Arbeit hat begreifen lernen, und der andrerseits von Liebe zu seinen Mitmenschen erfüllt und vor allen Dingen von dem Gefühl durchdrungen ist, dass man in der Welt arbeiten und seine Pflicht thun muss? Dann braucht auch ein Mensch, der keine andere Sprache als seine Nuttersprache kennt, noch nicht daran zu verzweifeln, dieses schöne Ziel menschlichen Strebens zu erreichen. Oder gab es bei den Griechen keine Gebildeten?

Was aber den oft angeführten Ausspruch Göthes betrifft, dass wer fremde Sprachen nicht kenne, nichts von seiner eigenen wisse, so ist derselbe(wie die meisten geistreichen Aus-