Rede sein, denn hier soll doch nicht der scharfe Verstand oder die scharfe Zunge, sondern das warme, fürs Vaterland begeisterte Herz gepriesen werden); es ist süss und wohlanständig(!) für das Vaterland zu sterben; die Hände der Kriegsgefangenen, welche zu fliehen gewagt hatten, waren hinter den Rücken gebunden(deutsch: den Kriegsgefangenen waren die Hände auf den Rücken gebunden). Solcher Beispiele könnte man Tausende aus lateinischen, griechischen, englischen und französischen Lehrbüchern aufschreiben. Mit Recht fragt Gymnasialdirektor Schmelzer!¹):„Kann man sich wundern, wenn das Sprachgefühl des Schülers sich abstumpft oder sich nicht ausbildet, wenn ihm täglich solches Deutsch nicht etwa bploss vorgesprochen, sondern gedruckt vorgelegt wird und er durch Präparation, durch mündliche und schriftliche Ubertragung gezwungen wird, sich mit solchem Deutsch eingehend zu beschäftigen?“ Über die mitgeteilten Sätze, die sich teils durch die Tiefe der Gedanken, teils durch die angemessene sprachliche Form auszeichnen, würde man im Leben(wenn sie einer absichtlich bildete, denn sonst kommen sie gar nicht vor) im allerbesten Fall lachen, in der Schule aber quält man junge Menschen damit, die für jede wirkliche geistige Nahrung empfänglich und von Herzen dankbar sind! Das heisst den Kindern Steine statt des Brotes bieten ²). Es ist die Pflicht der Lehrer, die Jugend von dieser schmählichen Misshandlung zu erretten, die Mündigen müssen reden für die Unmündigen! Unsere fremdsprachlichen Lehrbücher mit ihren inhaltlosen Sätzen, die den Geist nach langer Folter hinmorden, sind eine Schmach für unsere Zeit! Die auf die Psychologie gegründete Pädagogik bezeichnet es als Sünde, Kinder zu behandeln, wie wir es im fremd- sprachlichen Unterrichte thun. Es steht aber viel schwarz auf weiss, und in der Praxis kräht kein Hahn danach!
In den neueren Sprachen, auf deren Gebiet überhaupt ein ganz anderer Geist sich zu regen beginnt, fängt man an, zum Frommen der fremden und unserer eigenen Sprache, die Einzelsätze durch zusammenhängende Stücke zu ersetzen, das lässt sich auch auf die alten anwenden. Dass man mit Einzelsätzen nichts erreichen könne, wird nicht behauptet, es wäre auch wunderbar, wenn sich 12 Formen nicht an 150 Sätzen„einpauken“ liessen, zumal da die Inhaltlosigkeit derselben ganz dazu angethan ist, den jugendlichen Geist auf die reine Form zu richten!
Die Ubersetzung aus der fremden Sprache in die eigene ist ein vorzügliches Mittel, dem Schüler den Reichtum und die Eigentümlichkeiten der Muttersprache vor Augen zu stellen, allein hier ist zu beachten, dass man, um gut übersetzen zu können, die Hilfsmittel der eigenen Sprache schon kennen und zur Hand haben muss, weil man sonst in den Fehler verfällt, nach dem fremden einen deutschen Ausdruck zu bilden, statt einen bereits vorhandenen zu benutzen. Wir sehen hier die Quelle der zahlreichen Gallicismen, die eben dadurch entstehen, dass man wörtlich übersetzt, wo die Muttersprache eine ganz andere Wendung verlangt. Als Beispiel mag hier das ganz und gar undeutsche„Freunde bei sich sehen“ angeführt sein.
Dies über den Unterricht in den fremden Sprachen in seiner Wirkung auf die Entwicklung der Sprachkraft des Schülers. In andern Fächern, z. B. in der Mathematik, ist der nötige Vorrat
¹) Verhandlungen der 20. Direktoren-Versammlung der Provinz Westfalen, S. 147. ²) Vgl. Kühn, Zur Methode des franz. Unterrichts, S. 17.


