Aufsatz 
Zur Schiller-Feier.
(Ansprache an die Schüler der Anstalt, gehalten am 9. Mai 1905.)
Entstehung
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Aber wenn Schiller die Freiheit preist, so kann er sich dieses hohe Gut doch nie anders denken als in Verbindung mit Ordnung und Gesetzlichkeit. In jenem bekannten Widmungs- gedichte, das er zusammen mit einem Exemplar desTell an den Freiherrn v. Dalberg sandte, bringt er das fromm seine Herden weidende Schweizervolk in den schärfsten Gegensatz zu den zügellosen Franzosen der Revolutionszeit. Viel früher jedoch schon, schon in denRäubern, läßt er Karl Moor am Schluß des Stückes die Worte sprechen:Ich erfahre nun...... daß zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grund richten würden. Um Gedankenfreiheit bittet Marquis Posa den König Philipp und nie ist für Schiller Freiheit gleich- bedeutend gewesen mit Zügellosigkeit.

Denn Schiller, der Sänger der Freiheit, ist auch der Dichter des echten Bürgersinnes, des Sinnes für Ordnung und, wo es notwendig man denke an denKampf mit dem Drachen auch Unterordnung. Gibt es doch keine schönere Verherrlichung dieser das Gebäude menschlichen Zusammenlebens stützenden Gesinnung als dasLied von der Glocke.

Heil'ge Ordnung, segenreiche Himmelstochter, die das Gleiche Frei und leicht und freudig bindet, Die der Städte Bau gegründet,

Die herein von den Gefilden

Rief den ungesell'gen Wilden, Eintrat in der Menschen Hütten, Sie gewöhnt zu sanften Sitten,

Und das teuerste der Bande Wob, den Trieb zum Vaterlande!

Diese Verherrlichung der Vaterlandsliebe durch Schiller werden wir um so höher schätzen, wenn wir bedenken, wie traurig es am Beginne des 19. Jahrhunderts zur Zeit der schrecklichen Fremdherrschaft um die politische Lage der Deutschen bestellt war. Gerade damals aber läßt unser Dichter in seinem Drama Wilhelm Tell Attinghausen die Worte sprechen:

Ans Vaterland, ans teure, schlieb Dich an,

Das halte fest in Deinem ganzen Herzen!

Hier sind die starken Wurzeln Deiner Kraft; Dort in der fremden Welt stehst Du allein,

Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.

Eine solche Denkungsweise war nichts weniger als die herrschende Meinung jener Zeit, die sich dem schönen Traum des Kosmopolitismus, des Weltbürgertums, hingab und vergaß, daß den Nährboden für die geistige und sittliche Persönlichkeit des Einzelwesens nicht die Menschheit, nicht die Gesamtheit all unserer Mitmenschen bildet, sondern das Vaterland, die Nation.

Auch in dieser letzteren Hinsicht sehen wir Schiller wenigstens Schiller den Dichter auf anderen Pfaden wandeln als seine Zeitgenossen. In seinem DramaDie Jungfrau von