Aufsatz 
Zur Schiller-Feier.
(Ansprache an die Schüler der Anstalt, gehalten am 9. Mai 1905.)
Entstehung
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Orleans schildert er den heldenmütigen Kampf eines Volkes gegen fremde Unterdrücker und hier finden sich die oft zitierten Worte:

Nichtswürdig ist die Nation, Die nicht ihr alles setzt an ihre Ehre.

In Schillers Tagen verhallten diese Worte freilich unbe- achtet und unverstanden. Als aber dann acht Jahre nach Schillers Tod der große Völkerfrühling des Jahres 1813 herankam, als die Deutschen sich gegen die unerträgliche Fremd- herrschaft Napoleons aufbäumten, da mag manches der Schiller- schen Worte und Werke in einem neuen und für die Nation segensvolleren Sinne verstanden worden sein.

Ein Volk, das

Den Zwang abwirft, den es unwürdig leidet, Doch selbst im Zorn die Menschlichkeit noch ehrt

gleich den Schweizern, mögen sich die Deutschen jener Tage gedünkt haben. Und wenn in den Biwaks der Lützow'schen Scharen das Lied ausWallensteins Lager:Wohl auf, Kame- raden, aufs Pferd, aufs Pferd! vor der Schlacht erklang, da mag sich mancher junge Reitersmann, dem vor Kampfeslust das Herz kraftvoll gegen die Rippen pochte, als Max Picco- lomini gefühlt haben, der für Pflicht und Ehre in den Tod zu gehen bereit ist.

Haben wir voll Bewunderung wahrgenommen, wie Schiller zu einer Zeit, da die Liebe zur Nation und zum Vaterlande tief darniederlag, doch regen Sinn für dieses edle Gefühl zeigte, so wollen wir als Osterreicher es ihm auch gedenken, daß er es war, der der Welt durch den Mund Wallensteins kundgab: Der Osterreicher hat ein Vaterland, er liebt's und hat auch Ursach', es zu lieben. Dasselbe Drama, das diese uns so wert- vollen Worte enthält, bedeutet auch eine freilich vom Dichter nicht beabsichtigte Verherrlichung der österreichischen Armee, die aus dem schweren Zwiespalt der Pflichten ihren Weg zurück findet vondes Lagers Abgott, von der blendenden Erscheinung ihres Generalissimus zu ihrem Kaiser, ihrem Herrn. Und schließ- lich wollen wir jenes schönen Gedichtes nicht vergessen, in welchem Schiller den Begründer unseres Kaiserhauses, den Grafen von Habsburg, und dessen edlen, von inniger Frömmig- keit und Gottesfurcht erfüllten Sinn so meisterhaft unserem Herzen nahezubringen versteht.

Wie im Fluge ist bei der Betrachtung, der wir uns an- läßlich des heutigen Festtages hingaben, Schillers Leben und Schaffen an uns vorübergezogen. Viel des Großen und Edlen konnten wir darin erblicken. Wir konnten die Uberzeugung gewinnen, daß Schillers Art zu handeln und zu denken für unsere Lebensführung ein treffliches Vorbild abgeben könne.