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Frieden zu schließen, wo nur Kampf bis zur Vernichtung des unwürdigen Gegners der Pflicht entsprach.
Aber nicht bloß nach jenem gleißenden Lohn, der dem Sieger sofort nach geglückter Tat zufällt, hat Schiller gestrebt. Er ist auch der Mann der stillen, entsagungsvollen Arbeit, deren Ergebnis oft erst lange nachher sichtbar wird. Gewann er es doch über sich, nach den glänzenden Erfolgen seiner Jugend- stücke in seiner dramatischen Tätigkeit eine Pause von über zehn Jahren eintreten zu lassen, während welcher er sich fast vollständig dem Studium der antiken Literatur, der Geschichte und Philosophie widmete. Schillers„Don Carlos“ ist im Jahre 1787 vollendet, aber erst im Spätherbst 1798 geht„Wallensteins Lager“, der erste Teil seines nächsten Dramas, über die Bretter. In der Zwischenzeit ist unser Dichter fast ausschließlich mit seiner eigenen Weiterbildung, mit der Vervollkommnung seiner Individualität beschäftigt und entsagt jedem augenblicklichen Erfolge.
Auch dazu gehört Kraft und Mut, und ebenso zu jenem bewunderungswürdigen Kampf, den er wührend der letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens gegen schweres Siechtum führte. Im Jahre 1791 erkrankte Schiller an jenem Leiden, das ihn 1805 auf die Bahre brachte. Gerade wührend dieser schlimmen Zeit aber sind die reifsten und edelsten Werke des Dichters entstanden.„Wallenstein“,„Maria Stuart“,„Die Jungfrau von Orleans“,„Die Braut von Messina“,„Wilhelm Tell“ sind dich- terische Erzeugnisse jener letzten Periode, da der Tod schon mit knöcherner Hand die Schulter des ihm verfallenen Sängers berührt hatte. Und es ist ergreifend, zu beobachten, wie dieser jeden Augenblick, den ihm die neidische Krankheit gönnt, dazu verwendet, die Ernte unter Dach und Fach zu bringen, ehe der Abend sich herabsenkt über ihn und sein reiches Lebenswerk.
Derselbe kühne Kämpfer, der sich gegen äußere und innere Feinde so mannhaft bis zum letzten Atemzug zu verteidigen versteht, zeigt in seinem Wesen keine Spur von Selbstsucht und bewüährt sich als trefflicher Sohn, Gatte, Vater und Bruder. Er kennt jene Irrlehre nicht, die dem Genie die Freiheit ein- räumt, sieh seiner Menschenpflicht zu entledigen. Wer erinnert sich da nicht jenes schönen, mit Recht in die Lesebücher der Mittelschulen aufgenommenen Briefes, in welchem Schiller nach dem Tode seines Vaters die Mutter tröstet und verspricht, ihr hilfreich zur Seite zu stehn in ihrem ganzen ferneren Leben. Und was er in jener traurigen Stunde versprochen, hat er un- entwegt und treu gehalten. 3
Hundert Jahre sind mit dem heutigen Tas seit Schillers Tod verflossen. Unzühlige edle Menschen sind sicherlich— wir wollen nicht so pessimistisch sein, dies zu bezweifeln— über unsere Erde gewandelt und haben hier ihr Leben beschlossen. Nichts aber erinnert an ihr Dasein. So würe es sicherlich auch
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