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Keine leichte Aufgabe wäre es, in der Geschichte des deutschen oder eines beliebigen anderen Volkes einen Lebens- lauf zu finden, der gleich diesem beständig aufwüärts führt.
„Rastlos vorwärts mußt du streben,
Nie ermüdet stille stehn,
Willst du die Vollendung sehn“, ruft Schiller uns zu. Und wahrlich! Er selbst hat es vermocht, sein Leben nach diesem Leitsatz zu gestalten. Schlimme Hinder- nisse stellten sich unserem Dichter oft genug in den Weg. Nach seinem ersten gewaltigen Erfolg auf dem Gebiet der Dichtkunst, nach der Aufführung seiner„Räuber“, verbot ihm Herzog Karl Eugen in tyrannischer Willkür, sich dichterisch weiter zu be- tätigen. Seines inneren Berufes bewußt, entschloß sich Schiller zu fliehen. Gesicherte Stellung, Heimat, Eltern und Geschwister verließ er, um seinem Genius nicht untreu zu werden. Von dieser Zeit an hatte er bis gegen den Schluß seines Lebens fast beständig unter Armut und Not zu leiden. Auf vieles mußte er verzichten, was der Mehrzahl der Menschen erstrebens- wert scheint. Das gesättigte Behagen sicheren Besitzes, die bürgerliche Wohlhabenheit, für deren Reize er im„Lied von der Glocke“ so schöne Töne findet, ist ihm nie zuteil geworden. Auch er ist wie der Poet bei der Teilung der Erde zu spät gekommen.
Nie aber hören wir aus seinem Munde Laute unwürdiger Klage, selbst nicht zu Zeiten, wo sein Genius,„zum Schatten abgezehrt“, gleich„Pegasus im Joche“ vor dem Pflug einher- keuchen muß. Nie hat er die Erhabenheit seines Dichter- berufes auch nur einen Augenblick lang aus dem Auge ver- loren.„Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben“, mahnt er die Künstler.„Bewahret sie!“ Und gegen Vertreter der Kunst, welche der hohen Anforderungen, die man an ihre Persönlichkeit stellen darf, vergessen hatten, konnte er auch gelegentlich hart sein, wie dies die berühmte Rezension von Bürgers Gedichten zeigt.
Kraftvoll, entschieden und männlich müssen wir uns über- haupt Schillers Wesen vorstellen. ELin Mann der Tat gleich Tell steht er dem Leben gegenüber. Keinem Dichter vor oder nach ihm ist es darum so trefflich wie ihm in seinem„Wallenstein“ gelungen, den Soldatenstand zu verherrlichen. Und so ist er auch selbst Zeit seines Lebens ein Kämpfer und Held, ein Soldat gewesen, freilich einer, der seine Waffe nie anders ge- brauchte als im Dienste des Wahren, Guten, Schönen.„Soll ich dem Elend den Sieg über mich einräumen? Nein! ich will s dulden!“ mag er oft mit Karl Moor im Kampfe gegen die ihm nur allzu reichlich zugemessenen Widerwärtigkeiten des Lebens ausgerufen haben.„Nichts von Verträgen, nichts von UÜbergabe!“ klang es in seinem Herzen wie in dem Johannas von Orleans, wenn schmeichelnde Stimmen ihn dazu haben wollten, bequemen


