Aufsatz 
Die hundertjährige Jubelfeier am 5., 6. und 7. Juli 1899
Entstehung
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beigetragen habe. Nach dem ehemaligen Lehrer der Anstalt erhob sich ein früherer Schüler aus der Zeit von 1844 52, Herr Rechnungsrat Rade aus Steinheim i. Westf., um seine Anhänglich- keit an die Jubilarin kund zu geben. Er schloss mit einem Hoch auf das Gymnasium, welches, wie er hoffe, auch heute noch dieselbe gediegene Ausbildung zu ernster Arbeit, zu sittlichen und geistigen Zielen gewähre, wie vor 50 Jahren. Auf diese Huldigung antwortete der Direktor, in- dem er seinen Dank für die erfreuliche Teilnahme aussprach, welche die Anstalt seitens der An- wesenden und vieler anderen, denen es nicht möglich gewesen sei, persönlich zu erscheinen, in diesen Tagen finde. Das Hoch, welches er dem ältesten Schüler, der im Geiste anwesend sei, dem Sgjährigen Herrn Justizrat Dr. S. Fr. Müller in Frankfurt a. M. darbrachte, wiederholte die Versammlung mit ungeteiltem Beifall.

Zwischen den Reden erklangen frohe Lieder, von denen einige von den Herren Dr. Hofmann und Seher für das Fest gedichtet waren, und besonders willkommen waren auch die Beiträge, die der liederreiche Mund des Herrn O. Wilhelmi auch bei dieser Feier spendete.

.So flogen die Stunden des Abends, die allen, welche sie mit durchlebten, unvergänglich im Gedächtnis bleiben werden, rasch dahin.

Den Mittelpunkt des Festes bildete die Feier, welche am folgenden Tage, Donnerstag, um 10 Uhr vormittags in dem Saale des Gymnasiums selbst stattfand. Der Schulhof, über den der Weg führte, war unter der kunstverständigen Leitung des Herrn Dr. med. Belgard prächtig geschmückt. Zur Herbeischaffung des erforderlichen Materials hatten ehemalige Schüler in liebenswürdiger Weise ihre Fuhrwerke geliehen. Reiche Pflanzengruppen, grüne Gewinde, wehende Fahnen gaben dem Hofe ein überaus freundliches, festliches Ansehen. Sinnreiche lateinische Sprüche, über den Ein- gängen des Klassenhauses, wie des Aulagebäudes und in dem Grün hier und da angebracht, deuteten auf die Ziele und die Arbeit der Anstalt wie auf das Erinnerungsfest selbst hin: Deo, patriae, literis! Introite, et hie dii sunt! Mens agitat molem. Per aspera ad astra. Res severa est verum gaudium. Multa tulit fecitque puer, sudavit et alsit. Olim meminisse iuvabit. Deus nobis haec otia fecit.

In dem festlichen Saale fand sich eine gewählte Versammlung ein. Nach dem Gesang eines Chorales trat Herr Provinzial-Schulrat Dr. Matthias vor das Rednerpult, um die Glückwünsche der Schulbehörde darzubringen.*) Wir freuen uns, dieselben in diese Erinnerungsblätter unserer Schulge- schichte eintragen zu dürfen. Seine Ansprache hatte folgenden Wortlaut:

Hochgeehrte Festversammlung! Zu der schönen Feier, die dem Gedenken des hundert- jährigen Bestehens des Wetzlarer Gymnasiums gilt, habe ich die herzlichsten Glück- und Segens- wünsche des Provinzial-Schulkollegiums für das fernere glückliche Gedeihen der Jubelanstalt zu überbringen. Insbesondere hat mich Se. Excellenz der Herr Oberpräsident Nasse, der nach mehr- wöchiger Urlaubsreise durch Dienstgeschäfte an Coblen⸗ gefesselt ist, beauftragt, seine persönlichen Glück- und Segenswünsche dem Gymnasium zu übermitteln und das aufrichtige Bedauern hinzu- zufügen, dass Se. Excellenz an der Feier teilzunehmen behindert ist. Diese Wünsche sind um so

*) Se. Excellenz der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten und Se. Excellenz der Herr Oberpräsident der Rheinprovinz hatten ausserdem dem Direktor schriftlich ihre Segenswünsche für das fernere Gedeihen der Anstalt ausgedrückt,