Aufsatz 
Die hundertjährige Jubelfeier am 5., 6. und 7. Juli 1899
Entstehung
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An diese Vorträge reihte sich die feierliche Überreichung einer von Jungfrauen Wetzlars als Ehrengabe gewidmeten deutschen Adler-Fahne durch Fräulein Belgard. Das von ihr gesprochene Weihelied war von Herrn Dr. Hofmann verfasst und hatte folgenden Wortlaut:

Dem hohen Streben, das euch lieben heisst, Und wenn ihr dieser Bannerseide Farben

Was edel ist, was heilig ist und gut, In stolzem Flug vor eurem Zug erblickt, Dem kühn entflammten frommen Jünglingsgeist, Dem bringen wir auch freudigen Tribut,

Und Anmuth mag dem Muth sich willig neigen, Sich gerne flechten in den Festesreigen.

So denkt, wie theuer sie das Beil erwarben, Und macht, dies Heil zu wahren, euch geschickt!

Das Vaterland, es zählt auf seine Söhne,

4 1's Töcht diese Fahne, do nehmt Fon Wotelals Aöehtern df anne Es ruft auch euch auf zu der Wacht am Rhein:

Sie flatt're stets ob einer frischen Schaar, 8 1 Der Farben Dreiklang immerdar euch mahne Kämpft immer für das Gute, Wahre, Schöne! An das, was cuern Vätern theuer war. Das soll mein Fahnensegen sein.

Das seidene Banner trägt, von grünem Eichenkranz umrahmt, den Namen der Anstalt sowie die Jahreszahlen 1799 und 1899 in goldenen Buchstaben und ist von goldenen Fransen eingefasst; von der Fahnenspitze hängen an goldenen Schnüren goldene Troddeln herab. Den gütigen Geberinnen brachten auf Anregung des Oberprimaners H. Sames, der das sinnige Ge- schenk entgegennahm, die Schüler ihre Huldigung in einem vielstimmigen Hoch aus. Nach einer Pause von 15 Minuten spielte die städtische Musikkapelle einen von dem Gesanglehrer eigens hierzu verfassten Festmarsch; dann begann die Aufführung zweier einaktigen Festspiele von L. Bahl- sen, welche der Versammlung die beiden wichtigsten Abschnitte der vaterländischen Geschichte im abgelaufenen Jahrhundert in anschauliche Erinnerung brachten:Des Vaterlandes Not und Er- hebung(1813) undDurch Sieg zur Einheit(1870). Die jugendlichen Darsteller waren: aus OI A. Herr, E. Heidsieck, R. Vorwerg, E. Habicht, H. Dörffer; UI E. Berr, O. Hänisch, E. Jantzen, R. Waldschmidt; O II R. Sames; U II K. Krämer; O III R. Aldefeld, E. Fehrs; IV W. Schmidt; V K. Heyland, A. Renk.

Den Schülern ward reicher Beifall zuteil, aber auch allen anderen, welche bei der Vor- feier in irgend einem Teile freundliche Hilfe leisteten, gebührt herzlicher Dank, insbesondere den Herren Professor Dr. Heep, Oberlehrer Köster und Dr. Hofmann, welche die Aufführung der Fest- spiele zu leiten hatten, sowie dem Herrn W. Schmidt, dem die Sorge für den musikalischen Teil der Vorfeier oblag. Die Aufführungen waren um 7 ½ Uhr zu Ende.

Gegen 9 Uhr Abends fand in demselben Raume ein von dem Ausschuss der früheren Schüler veranstalteter Kommers statt. An den langen Tafeln nahm eine dichte, fröhliche Menge: viele Männer von rüstigen Jahren, aber auch das Alter im Silberhaar und die hoffnungsfrohe der Schule entwachsene Jugend, Platz, um bei Becherklang und Liedersang Erinnerungen auszu- tauschen und sich als Söhne einer gemeinsamen Mutter zu fühlen. In freundlichen Worten be- grüsste der Vorsitzende des Festausschusses, Herr Justizrat Aldefeld, die Anwesenden und brachte auf die von auswärts zugereisten Gäste ein Hoch aus. Den freundlichen Willkomm- gruss erwiderte zunächst Herr Geheimrat O. Jäger aus Köln, der in den Jahren 1859 bis 1861 an dem Gympasium als Lehrer gewirkt hatte. Er feierte die liebe alte Stadt Wetzlar, die zwar klein sei, aber doch ihr wohlgemessenes Teil zur Ehre und zum Ruhm des deutschen Namens