Aufsatz 
Die hundertjährige Jubelfeier am 5., 6. und 7. Juli 1899
Entstehung
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Auch heut' ist solch ein Ehrentag erschienen, Da wir verweilt in trauerndem Godenken Die Schule, die euch allen Mutter war, Bei jenen Lieben, die nun nicht mehr sind, Und der ihr zugeströmt gleich ems'gen Bienen, Lasst uns den Blick in's Leben wieder lenken, Sie steht gegründet schon einhundert Jahr. Da uns die Parze noch den Faden spinnt! Welch eine Zeit! wie reich an Wechselfällen! Denn wenn die Schule auch auf ernstes Streben Wie viel bedeutet sie für Stadt und Land, Uns treulich hinlenkt, stille, Tag für Tag, Wie folgten trübe Tage oft den hellen, Nicht abhold sind wir doch dem farb'gen Leben, Und Glück hat oft in Unglück sich gewandt. Für das sie einst uns tüchtig machen mag.

Doch heute stehen wir auf sich'rem Grunde, Da schweres Mühen uns das Reich verschafft, Die deutschen Stämme sind in festem Bunde, Und unser Volk erfreut sich seiner Kraft.

Im Schatten eines mächt'gen Königsthrones, Beschirmt von ihm, die Wissenschaft gedeiht, Und gein strebt jeder, sicher seines Lohnes, Sich werth zu machen dieser grossen Zeit.

Wir zeigen euch in lebensvollen Bildern Die ferne Zeit, da unser Volk noch jung, Sein geistig Werden wollen wir euch schildern Und wecken grosser Zeit Erinnerung. Ein Abbild wollen wir von unserm Streben, Das jedes Volk mit gleicher Lieb' umfasst, Und eine Probe unseres Mühens geben, Die leichte Frucht von langer Tage Last. Ja, lasst in diesen hehren Augenblicken

Durchströmen euch von stolzem Hochgefühl. So schreite frisch ins kommende Jahrhundert

Und nehmt von solchen Vaterlandsgeschicken Die Schule denn, ins neue Säkulum,

Euch hohen Trost hinweg in's Weltgewühl. Und was Geschlecht schon auf Geschlecht bewundort, Doch ach nicht alle frouten sich des Sieges, Der Griechen kunstverklärtes Menschenthum,

Wir denken trauernd jedes Braven heut, Der Römer Selbstzucht, alles Schöne, Grosse,

Der nicht der Früchte sich des grossen Krieges Das uns geschenkt die Besten jeder Zeit,

Zu früh gefordert von der Parzo freut. Was nur entsprang der Völker reichem Schoosse,

(Hier setzte ein Trauerchor der Schüler ein.) Dem sei auch künftig unser Fleiss geweiht!

Heil uns'rer Schule, der so viel wir danken, Die uns entflammt zu jedem hohen Drang, An der wir fest für alle Zeit uns ranken, Und die wir lieben unser Leben lang. Heil uns'rem König, der mit reicher Spende Bestand ihr giebt und ihr gewährt ihr Theil, Dass nochmals einst sie des Jahrhunderts Wende Erreichen möge, rufet alle Heil!

Es folgte der Vortrag einer Ode des Horaz(III, 4: Quem tu, Melpomene, semel) durch E. Splittgerber(O I), einer Stelle aus Oedipus Koloneus(1. Stasimon: Eutrnob, Sere, 16⁴εε 76) durch H. Sames und O. Friederich(O l), beides mit nachfolgender Ubertragung in die Muttersprache, des Liedes vom Rhein von M. v. Schenkendorf(Es klingt ein heller Klang) durch den Schülergesangchor, einer längeren Stelle aus Corneille, Cid(I, 3 6) durch W. Neumann(I), G. Nitschke und O. Schmidtborn(O II) und einer Kantate von Mendelssohn-Bartholdy für gemisch- ten Chor und Orchester. Darnach sang Herr Opernsänger O. Wilhelmi aus Königsberg, ein frühe- rer Schüler der Anstalt, eine Arie aus der Schöpfung von J. Haydn. Dem Sänger, dem der rau- schende Beifall der Zuhörer zuteil wurde, sei auch an dieser Stelle für die schöne der Jubilarin in treuer Anhänglichkeit dargebotene Festgabe bestens gedankt,